Stadtring Würzburg: Wenn Lärm zur Belastung wird
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Würzburg erleben
8. Januar 2014


Eisenbahn laut wie ein Presslufthammer
Der Stadtring in Würzburg gehört zu den meist befahrenen Straßen im Stadtgebiet. Auf vier Spuren sind Laster, Autos und Motorräder tags und nachts unterwegs. Dazu kommt die Eisenbahn, direkt an der B19. Die durchschnittliche Lärmbelastung liegt nach eigenen Messungen in der ersten Häuserreihe mit etwas dünneren Fenstern bei 60 Dezibel. Im Haus, versteht sich. Zum Vergleich: Der Lärm in der Kantine eines mittelständischen Unternehmens ist etwa genauso laut. Nur muss man die eben nicht 24 Stunden am Tag ertragen.
Enormer Lärm ab 5.00 Uhr morgens
Endlich eingeschlafen: Während sich der Körper nach links und rechts wälzt und in einen unruhigen Zustand verfällt, bereiten sich andere bereits auf die Frühschicht vor. Der Stadtring schläft nie. Er kennt keine Mittagspause, kein Weihnachten und auch keine Krankheit. Er kennt ruhigere Phasen. Zwischen 2.00 und 5.00 nachts. Dann geht es wieder los – die Ersten müssen zur Frühschicht, die Eisenbahn rollt sowieso kontinuierlich. Um 5.00 Uhr ist die Maschine Stadtring wieder am laufen. Und der eigene Kopf sowie der Herzschlag auch – denn die Nacht endet mit dem Tagesstart der anderen.
Wohnungsmieten zu Abzockpreisen
Die Wohnungen am Stadtring gehören sicher nicht zu den exklusivsten Standorten in Würzburg. Und doch sind hier die Mieten, besonders für Studenten, nicht ganz günstig. Milde formuliert. In einem Haus in der ersten Häuserreihe kostet das Zimmer 320 Euro warm. Ein Preis, der auch für ein Zimmer in der Innenstadt gilt. Vermieter können es sich aufgrund der immer wieder akuten Wohnungsproblematik zum Semesterstart leisten, ordentlich zu verlangen. In allen Stadtteilen Würzburgs mit Nähe zu einer der Fakultäten. Und das, obwohl die Häuser teils ehemalige Bürogebäude sind, die weder eine ordentliche Wärme- noch eine adäquate Schallisolierung haben.
Wer am längsten mietet, erhält den Zuschlag
Nicht unüblich: Studenten werden in jahrelange Festverträge gezwungen, um nicht sofort wieder ausziehen zu können. Wer sich nicht lange festschreibt, bekommt die Wohnung eben nicht. Ein anderer unterschreibt sowieso, dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben.
Schlupfloch für Mieter

Gesundheitsbelastung inklusive
Um 6.30 Uhr überlege ich mir, aufzustehen. Ich kann zwar noch über eine Stunde weiterschlafen, doch was bringt das? Der Biorhythmus, den jeder Körper braucht, ist sowieso im Eimer. Schlafmangel oder Schlafstörungen haben massive Auswirkungen auf Körper und Seele. Menschen reagieren mit nachlassender Konzentration, verminderter Leistungsfähigkeit und werden gereizter. Trugwahrnehmungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen oder Suizidgedanken kommen psychisch hinzu. Körperlich geraten Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Körpertemperatur und auch der Stoffwechsel durcheinander.
Gerädert in die Arbeitswoche
Um 7.15 ist die Nacht dann endgültig vorbei. Geschlaucht geht es in die neue Woche. Übermüdet, schon am ersten Tag? Hinter den Fenstern der Kantstraße brennt in vielen Wohnungen auch schon Licht. Vielleicht sind dahinter glückliche Leute, Menschen die gerade einen Angehörigen verloren haben, kranke Bürger, Rentner oder auch Babys. Auf jeden Fall müssen viele von ihnen müde sein. Der Stadtring nicht – die Blechlawine rollt zuverlässig, jeden Tag und jede Nacht.
Hier geht es zur Diskussion um die Wohnsituation am Stadtring auf Facebook:

