Engpässe im Radverkehr – Teil 2
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Würzburg erleben
1. Juli 2013

Symbolbild Würzburg
Im Artikel der letzten Woche haben wir mit der Interessengemeinschaft „Würzburgs Radfahrer“ die Radverkehrssituation rund um den Berliner Platz in Augenschein genommen (hier zu Teil 1). Der heutige Artikel soll dem dahinterstehenden Konzept gewidmet sein. Im Gegensatz zu Erlangen, Fürth und zahlreichen anderen Städten muss man aber in Würzburg mit der Lupe suchen, um überhaupt eines zu erkennen. Verbindlichkeit hat ein solches Konzept für Stadtplaner jedenfalls keine.
Der Realität verpflichtet
Ein Meinungsartikel von Marc Dávid Várdai.
Auf der Internetseite des Würzburger Radverkehrsbeauftragten heißt es unter dem Punkt „Zielsetzung“: Radinfrastruktur, zeitgemäßes Radroutennetz, Verknüpfung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei könnte die Gegenüberstellung von Realität und Zielsetzung nicht krasser sein.
Die Radinfrastruktur in Würzburg ist ein Flickenteppich der Jahrzehnte und kann grob in drei Gruppen unterteilt werden. Den lokalen, innerstädtischen Verkehr, der eigentlich keiner gesonderten Aufmerksamkeit bedarf, und dennoch insbesondere seit den 70er Jahren mit benutzungspflichtigen Radwegen vom restlichen Verkehr getrennt, und bis heute stiefmütterlich vernachlässigt wird.
Oft ist von Glück die Rede, wenn den Stadtplanern ‘gen Ende der Bauphase überhaupt einfällt, einen Radweg einrichten zu müssen. Dementsprechend ist aber auch das Ergebnis: Verkehrsexperten sprechen von einer zwölffach höheren Gefährdung als bei der Belassung des Radverkehrs auf der Fahrbahn.
Beim regionalen Verkehr, der es den Anwohnern der Eingemeindungen und umliegenden Ortschaften ermöglicht in der Altstadt zu arbeiten, einzukaufen oder sonstigen Verpflichtungen nachzugehen, tun sich die größten Abgründe auf.
Beispielhaft kann der Radweg nach Versbach genannt werden, dessen Stillstand bereits seit 20 Jahren präzise durch den sog. „Versbacher Fahrradsonntag“ dokumentiert ist. Der Zusammenschluss aktiver Radfreunde des Stadtteils veranstaltet seither regelmäßig Begehungen der Strecke mit Entscheidungsträgern, ohne den geringsten Hauch einer Besserung.
Zum Schluss ein paar Worte zu Radroutennetz und der Verknüpfung mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Es ist nicht damit getan darauf zu hoffen, Würzburgs Sehenswürdigkeiten würden Radtouristen wie ein Magnet anziehen, komme was wolle. Wie es zur Vergabe von fünf Sternen für unseren Abschnitt des Main-Radwegs durch den ADFC kommen konnte, entzieht sich der Vorstellung so manches täglichen Benutzers. Regelmäßige Absperrungen ohne Hinweis auf Ausweichmöglichkeiten, der in Würzburg markante, fehlerhafte, widersprüchliche, andererseits aber auch lückenhafte Schilderwahn, oder die Fehlleitung von ortsunkundigen Reisenden sind Punkte, die tief im Gewissen der Verantwortlichen brennen sollten.
Und da haben wir noch immer nicht über die ca. 400 Räder gesprochen, die seit Jahrzehnten keine ordentliche Möglichkeit finden, am Hauptbahnhof abgestellt zu werden. Oder anderswo. Oder überhaupt.
Ein Gastbeitrag von Marc Dávid Várdai. Habt auch Ihr persönliche Erlebnisse oder Fotos von “Engpässen”? Her damit: redaktion@wuerzburgerleben.de
Umfrage zum Radfahren in Würzburg
Im Rahmen der Aktion Stadtradeln möchten VCD, ADFC und die Lokale Agenda 21 die Meinung zum Radverkehr in Würzburg und Umgebung in Erfahrung bringen. Nach der Auswertung der Fragebögen werden wir den Radverkehrsbeirat, den Würzburger Stadtrat und die Stadtverwaltung über die Ergebnisse informieren und ein zügiges Handeln im Namen aller Fahrradfahrer in Würzburg erwirken. Die Ergebnisse werden anschließend auf Würzburg erleben veröffentlicht. Hier geht es zur Umfrage (bitte klicken).

