Baustelle Bahnbrücke über der Seinsheimstraße -Teil 4
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Würzburg erleben
23. Juli 2013

Symbolbild Würzburg
Nach mehreren Beiträgen zur katastrophalen Radverkehrssituation in Würzburg wollte unser Gastautor Marc Dávid Várdai endlich einen Lichtblick verkünden. Einen, der Alltagsmomente hunderter, wenn noch sogar tausender Radler, Autofahrer, Schüler, Studenten, Pendler und Anwohner verbessert. Die Bahnbrücke über der Seinsheimstraße hätte solch einer sein können. Sie wird erneuert, und in einem Aufwasch werden dank der resultierenden Vollsperrung auch jede Menge andere Arbeiten im gesamten Straßenfeld vorgenommen. Vergeblich, sagen „Würzburgs Radfahrer“, wenn das Ergebnis ebenso lieblos wird wie die derzeitige Baustelle. Wir nähern uns dem Problem bildlich gesprochen von hinten.
Direkt am Südbahnhof, an der Schnittstelle zwischen Seinsheimstraße und Valentin-Becker-Straße, befinden sich zwei Brücken. Eine Bahn- und eine breite Straßenbrücke des Stadtring Süd. Wo vor einigen Monaten noch der Hauptteil des Straßenverkehrs von der Innenstadt in Richtung Wittelsbacherplatz verlief, die Linien 114 und 6 Heerschaaren von Fahrgästen ‚gen Frauenland transportierten und unzählige Radfahrer zur Uni oder den nahe gelegenen Schulen fuhren, tut sich heute eine riesige Baugrube mit jeder Menge Warnumzäunung und Beschilderung auf. An und für sich nichts Besonderes, jedoch hat genau diese Baustelle es in sich. Wir schauen genauer hin.
Wir sehen zur Begrüßung ein freundliches „Sonderweg für Fußgänger“-Schild mit Zusatz „Radfahrer frei“, und einem nicht StVO gerechten weiteren Zusatz „Radfahrer absteigen“. Die daraus resultierende Verwirrung lässt sich leicht in den Gesichtern der Eltern ablesen, welche hier einen straßenverkehrskonformen Sonntagsausflug mit ihren Sprösslingen machen möchten.
Man muss interpretieren, und hat natürlich mehrere Varianten zur Auswahl. Jene, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutrifft, ist diese: Weil das Tiefbauamt die eigene Amtshaftung nach potentiellen Unfällen an der Gefahrenstelle gern auf den Radfahrer abwälzen möchte, lässt es vom Bauunternehmen sicherheitshalber den Zusatz an einem eigentlich für Radfahrer durchgängigzumachenden Bauabschnitt anbringen.
Auch von der anderen Seite der Baugrube sieht die Situation nicht besser aus, im Gegenteil. Widersprüchlichkeiten so weit das Auge reicht, und nur noch rechtswidrig aufgestellte Zusatzschilder. Was von der einen Seite noch ein „Sonderweg für Fußgänger“ war, soll jetzt ein „Gemeinsamer Rad- und Fußweg“ sein. Da hat jemand den Unterschied nicht begriffen.
Selbstverständlich wird die Verwirrung im Laufe der Seinsheimstraße nicht geringer. Hier wird die Straße erst zum „Gemeinsamen Rad- und Fußweg“ deklariert, danach für Motorfahrzeuge gesperrt. Nicht nur, dass das Eine das Andere bedingt, an dieser Stelle fährt so oder so jeder Motorroller der Nachbarschaft ohne Scheu Abkürzung und nutzt die steile Grube als Sprungschanze der eigenen Eitelkeiten.
Nach der für gewöhnlich unbenutzbaren, weil zugeparkten Radeinmündung der Ulrichstraße eine neuere Besonderheit: Erst folgt ein „Gemeinsamer Rad- und Fußweg“, um sodann den Verkehr komplett mit einem „Durchfahrt verboten“ zu untersagen.
Anschließend die Adelung von der anderen Seite, denn auch dieser Straßenabschnitt ist von beiden Seiten unterschiedlich beschildert. Gut hinter einem Baum versteckt fährt man plötzlich auf einem reinen Radweg. Wir erinnern uns: Einige hundert Meter weiter waren noch drei Schilder nötig.
Ans Ende (oder den Anfang) der Baustelle gelangt, bietet sich uns das Bild einer überdimensionierten Baustellenbeschilderung. Alles war wichtiger, als die Baustelle selbst ordentlich zu beschildern. Zum einen wird auf eine nicht näher benannte Umleitung verwiesen, dann jedes Unternehmen der Seinsheimstraße mit Logo gezeigt, und schließlich auf den Durchgang für Fußgänger und Radfahrer verwiesen. Nur dass Radfahrer bekanntlicherweise absteigen sollen und dementsprechend dann ebenfalls Fußgänger sind.
Wir halten fest, dass diese Baustelle der dieswöchige Inbegriff der Beschilderungsinkompetenz der Stadt Würzburg ist. Wer aber zeigt sich dafür verantwortlich? Tiefbauamt, Bauunternehmer oder doch ein (noch) unbekannter Dritter? Und wie lange wird es dauern, bis an dieser Baustelle vernünftige Verhältnisse vorzufinden sind?
Fazit
Als Fazit kann nur gesagt werden, dass an Baustellen zwar mit Behinderungen gerechnet werden muss, aber gleichzeitig erwartet werden darf, ordentlich darauf hingewiesen zu werden. Der Sicherheitsaspekt erschöpft sich nicht im Anbringen irgendwelcher bunter Schilder, die gerade im Baufachhandel im Angebot waren. Es handelt es sich nicht um ein kleines Projekt von ein paar Wochen, sondern eine Großbaustelle von mehrmonatigen Ausmaßen, an der täglich Unmengen von Menschen vorüberziehen. Auch hier muss sich die Stadt Würzburg also der Realität vom nicht vorhandenen Verkehrskonzept stellen.
Ein Beitrag unseres Gastautors Marc Dávid Várdai

