KZ-Witze und Hitlergruß – zwei Studenten aus Priesterseminar entlassen

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Würzburg erleben

1. August 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Im Mai diesen Jahres war die Aufregung groß. Aus verschiedenen Quellen wurden schwere Anschuldigungen gegenüber dem Priesterseminar geäußert. Der Leiter des Priesterseminars wurde damals über die angebliche rechte Gesinnung von einigen seiner 18 Priester-Anwärtern informiert. Die Rede war u.a. von Judenwitzen und einer Geburtstagsfeier für den „Führer“ am 20. April im Keller des Priesterseminars. Um diese Anschuldigungen prüfen zu lassen, setzte Bischof Friedhelm Hofmann eine externe Untersuchungskommission ein. Diese stellte gestern ihre Ergebnisse vor und kommt zu einem erschütternden Ergebnis:

 

Zwar gebe es „kein braunes Netzwerk im Priesterseminar“, so der Untersuchungsbericht, aber die Vorfälle sind so gravierend, daß zwei Studenten mit sofortiger Wirkung gehen müssen. In der Pressemitteilung des Bistums heißt es, daß

„von einem Seminaristen, der im Zimmer eines Mitalumnen und in Anwesenheit eines weiteren Seminaristen mindestens drei „KZ-Witze“ zur Unterhaltung erzählt habe. Dabei habe es sich um völlig unakzeptable und unerträgliche „KZ-Witze“ gehandelt, womit die fabrikmäßige Ermordung unzähliger jüdischer Kinder, Frauen und Männer im Dritten Reich zum Gegenstand von Spott und Hohn gemacht worden sei. Weiter habe dieser Seminarist und ein weiterer im nichtöffentlichen Bierkeller des Seminars Adolf Hitler „parodiert“, wobei mindestens einmal der Hitlergruß gezeigt worden sei. Einer dieser Seminaristen habe außerdem beim Mittagstisch nach einem „Neger zum Abräumen“ gerufen. „Das ist nach Auffassung der Kommission eine nicht hinnehmbare rassistische Äußerung“, sagte der Vorsitzende.“

Nicht nachweisen lässt sich laut Untersuchungsbericht, dass am 20. April 2013 von einigen Seminaristen Hitlers Geburtstag gefeiert worden sei. Auch sei im Priesterseminar keine rechtsradikale Musik abgespielt worden, so der Bericht. Allerdings sei wiederholt dort der Badenweiler Marsch abgespielt worden, im Wissen, dass es sich dabei um „Hitlers Lieblingsmarsch“ handelte, so die Pressemitteilung. „Die Kommission hält fest, dass dies ein unangemessenes Verhalten für Seminaristen eines Priesterseminares ist“, betonte der Vorsitzende der Untersuchungskommission. Weiter bestätigte der Vorsitzende auch, dass ein Seminarist das Konzert der Band „Frei.Wild“ am 20. April 2013 besucht habe. Ein weiterer Alumnus habe im Hinblick auf die Demonstration „Würzburg ist bunt – nicht braun“ im nichtöffentlichen Bierkeller des Seminars geäußert, den Teilnehmern dieser Demonstration gehöre „eine reingehauen“. Diese Aussage müsse in ihrer Aggressivität selbst als rassismusfreundlich und inakzeptabel gedeutet werden.

 

Seminarist versucht zu verharmlosen

Bischof Hofmann begründete die Entlassung des für das Bistum Würzburg studierenden Seminaristen mit dessen Besuch des Konzerts der Gruppe „Frei.Wild“ zur Unterhaltung und dessen Äußerung zur Bewunderung für Uniformen des Dritten Reichs, was im Zusammenhang mit der Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts zu sehen sei. „Das Verhalten des Seminaristen wird durch den Versuch der Verharmlosung erschwert“, betonte Bischof Hofmann. All das sei vom Grundansatz der Priesterausbildung nicht hinnehmbar, die ein hohes Maß an menschlicher und geistlicher Reife verlange. Weiter sei auch die Bereitschaft zur Abgrenzung von ethisch fragwürdigen Positionen erforderlich. „Jede kirchliche Tätigkeit erfordert zudem eine eindeutige Identifikation mit unserer demokratischen Grundordnung“, unterstrich der Bischof.

Bischof: „Extremistische Tendenzen haben keinen Platz“

Erleichtert zeigte sich Bischof Hofmann, so die Pressemitteilung, dass der Vorwurf eines „braunen Netzwerks“ im Priesterseminar nach dem Kommissionsbericht nicht haltbar sei. Gleichwohl habe das Fehlverhalten einiger Seminaristen die Atmosphäre insgesamt belastet. Verstärkt seien deshalb pädagogische und spirituelle Anstrengungen nötig, um im Priesterseminar wieder Vertrauen aufzubauen. Weiterhin brauche es intensive Bemühungen, in der Priesterausbildung das Bewusstsein für die besonderen Beziehungen zwischen Juden und Christen zu verstärken. Da durch diese Vorfälle das Priesterseminar insgesamt in Misskredit geraten sei, müsse mittel- und langfristig im Kontakt mit der Hausleitung nach Möglichkeiten gesucht werden, die Ausbildung noch stärker zu profilieren. „Sie muss ihre eindeutige Ausrichtung an den Grundkriterien von geistlichem Leben, menschlicher Reife, theologischer Bildung und pastoraler Befähigung erkennbar machen. Dies ist eine Aufgabe, die sich immer wieder neu stellt. Extremistische Tendenzen haben in diesem Konzept keinen Platz“, sagte Bischof Hofmann.

Die Untersuchungskommission

Bischof Hofmann hatte am 30. Mai 2013 im Einvernehmen mit Bambergs Erzbischof Schick die externe Untersuchungskommission eingesetzt. Zuvor hatte der Haussprecher des Priesterseminars Vorwürfe erhoben, es gäbe rechtsradikale Vorgänge im Priesterseminar. Der ehrenamtlich tätigen Untersuchungskommission gehören neben Baumann, der als Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Bamberg beruflich tätig ist, Professor em. Dr. Dr. Karlheinz Müller (Würzburg) und Professor Dr. Thomas Weißer (Bamberg) an. Nach Angaben Baumanns tagte die Kommission an 14 Sitzungsterminen vom 8. Juni bis 17. Juli mit einer Gesamtsitzungsdauer von 93 Stunden. Dabei seien 29 Anhörungen durchgeführt und 28 Personen befragt worden – unter ihnen die Leitung des Seminars sowie alle 18 Seminaristen. Die Gesamtdauer der Anhörungen habe 37 Stunden und 35 Minuten gedauert. Der von der Kommission verfasste Bericht habe einen Umfang von 204 Seiten, einschließlich Protokolle und Dokumentensammlung. Er liegt Erzbischof Schick und Bischof Hofmann vor. Der Bericht wurde am 31. Juli außerdem an die Staatsanwaltschaft Würzburg übergeben.

 

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