Zwischen Euphorie und Katerstimmung – Kommt die „Linie 6“?
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Würzburg erleben
16. August 2013

Symbolbild Würzburg
Seit 6 Jahren doktert der Stadtrat an dem Megaprojekt der neuen Straßenbahn herum. Herausgekommen ist, bis auf weitere Kosten und Zweifler, herzlich wenig. Ein Überblick zum Sachstand von unserem Gastautor Julian Plutz.
Zu den Dingen, die ein Würzburger Student nie sagt, gehört dies: „In der 114 finde ich immer ’nen Platz“. Deshalb hat sich der Stadtrat schon 2009 ausgedacht, eine Straßenbahnlinie bis ins Hubland zu legen. Die würde am Barbarossaplatz starten und über den gesamten Campus bis zur „Washington Street“ verlaufen.
Zur Chronologie
Doch grau ist alle Theorie. Ursprünglich sollte die „Linie 6“ bis zur Landesgartenschau 2016 fertig gestellt sein. Als jedoch die Stadt den Zuschlag des Wettbewerbs 2018 erhielt, sollte die Trasse wenigstens bis dahin ihren Betrieb aufnehmen.
Anfang dieses Jahres kam dann die Wende. Laut WVV und Stadtrat sei es „eher unwahrscheinlich“, dass die Bahn bis zur Gartenschau ans Netz angeschlossen wird. Und im Juni hieß es dann, die Fertigstellung würde sich „erheblich verzögern“. Heißt im Klartext: Der Termin steht weiterhin offen.
Zu den Kosten
Laut CSU-Chef Thomas Schmitt beliefen sich die Gesamtkosten des Projektes, gemessen an der Einwohnerzahl, „in einer ähnlichen Dimension wie die des
Berliner Flughafens“. Wie in der Bundeshauptstadt wurde auch bei der „Linie 6“ zu positiv kalkuliert. Rechnete man noch zu Beginn mit 65 Millionen Euro für die neue Straba-Linie, so ist man inzwischen nach Abzug der Fördermittel bei 89 Millionen Euro angelangt. Hinzu kämen 20 Jahre lang zusätzliche Kosten von jährlich sechs Millionen Euro. Schlussendlich summierten sich weitere 12 Millionen Euro für sog. „städtebauliche Begleitmaßnahmen“, also das Drumherum.
Ein weiteres Problem wäre, dass die neue Trasse das Defizit der WVV um 3,8 Millionen Euro erhöhen würde, welches am Ende an der Stadt hängen bliebe. Das bisherige Loch von Bus und Bahn von 18 Millionen Euro wurde von der Versorgungs-GmbH selbst gedeckt. Mit der neuen Linie wäre dies wohl nicht mehr möglich. Denn in der Zukunft ist es unklar, wie viel die WVV verdienen wird. Die Energiewende 2011 hat gezeigt, dass der Konzern relativ schnell finanziell schlechter dastehen kann. Seit 2011 werden regenerative Energien stärker gefördert und damit konventionelle Energieerzeugung, wie die des Kraftwerkes am Friedenswerk, unrentabler.
Die Befürworter
Oberbürgermeister Rosenthal und die Grünen. Für ihn ist es nicht nur ein Prestigeprojekt, er möchte mit der „Linie 6“ den neuen Stadtteil „Hubland“
erschließen. Trotz des anhaltenden Clinchs im Stadtrat sieht er „die entscheidenden Weichen“ gestellt. Der SPD Vorsitzende Alexander Kolbow befürchtet gar, „dass etwas tot geredet wird, was wir alle gewollt haben.“ Er wolle sich nicht von dieser Vision verabschieden.
Die Skeptiker
CSU und FDP. Spitzenkandidat und Kämmerer Schuchardt hält die Mehrbelastung für die Stadt für undenkbar. Denn angesichts der finanziellen Situation der
WVV müsse die Stadt Würzburg den Defizitbetrag alleine schultern. Nicht mehr möglich wären dann wichtige Sanierungen von Schulen, dem Theater oder Straßen. Die „Sozialisierung des Minusbetrags“ lehnt Joachim Spatz von der FDP gänzlich ab. „Das werden wir nicht mittragen“, sagte der Bundestagesabgeordnete.
Längst ist das Großprojekt zum Wahlkampfthema geworden. Und waren 2009 noch alle Parteien dem Konsens des abnickenden Enthusiasmus verschrieben, so formiert sich nun doch eine hörbare Skepsis. Machen wir uns auf einen heißen Wahlkampfsommer gefasst.
Von unserem Gastautor Julian Plutz


