Airport: „Haben wegen Fremdveranstaltung extra viele Securities eingesetzt“
Anzeige
Würzburg erleben
10. September 2013

Symbolbild Würzburg
Massenschlägerei, Messerstecherei, ein lebensgefährlich Verletzter: der Gewaltausbruch vor der Diskothek Airport in der Gattinger Straße hat gestern zu heftigen Diskussionen über die Verantwortung der Airport-Betreiber für solche Vorkommnisse geführt (wir berichteten: Link). Über 100 Kommentare auf den Facebook-Seiten „Blaulicht Würzburg“ und „Würzburg erleben“ zeigen: das Thema bewegt Würzburg.
Wir haben deshalb mit dem Chef des Airports gesprochen und veröffentlichen die Stellungnahme von Rudi Schmidt:
Stellungnahme Airport
Rudi Schmitt: Immer wieder liest man in den Medien über Gewalttaten im Würzburger Nachtleben. Verständlich, daß sich da der eine oder andere Mitbürger die Frage stellt, ob es noch sicher ist, sich nachts in Würzburg oder in Diskotheken zu begeben. Meine Erfahrung als langjähriger Geschäftsführer und Inhaber von vielen Clubs und Diskotheken sagt mir: „Eindeutig ja“. Vergleicht man Würzburg mit anderen Städten, sieht man, daß wir in der Gewaltstatistik im unteren Mittelfeld rangieren. Auch habe ich nicht den Eindruck, daß im Vergleich zu früher die Körperverletzungen häufiger geworden sind – allenfalls die Qualität ist in Einzelfällen schlimmer. Die Kontrahenten ziehen oft wegen Lappalien sofort die Polizei hinzu und natürlich berichten die Medien dann darüber, um ihrer Informationspflicht nachzukommen. Während man früher nach einem Streit auseinandergegangen ist und sich wieder vertragen hat, oder auch nicht, aber meist, ohne die Polizei zu rufen, versucht man heute oft nach dem Streit gerichtlich ein Schmerzensgeld zu erwirken. Logisch, daß folglich aufgrund der gehäuften Berichterstattung der Eindruck entsteht, das Nachtleben wäre nicht mehr sicher.
Würzburg erleben: Sehen Sie sich in der (teilweisen) Verantwortung, für das, was vor Ihrer Einrichtung passiert?
Rudi Schmidt: Natürlich sehen wir uns hier in der Verantwortung. Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit Polizei und Ordnungsamt zusammen und sind nicht nur stets bemüht, bei der Aufklärung von Geschehnissen mitzuarbeiten, sondern Vorkommnisse wie jenes vom Sonntagmorgen schon durch Prävention gar nicht erst passieren zu lassen. So patrouillieren z.B. neben den zahlreichen in unserer Diskothek eingesetzten Sicherheitsleuten zusätzlich an jedem Öffnungstag permanent 2-4 Securitymitarbeiter zwischen Müllheizkraftwerk und Gattingerstraße Mitte, um die Sicherheit unserer Gäste auch schon auf dem Weg in die Diskothek zu gewährleisten. Unser Gelände wird durch 24 Kameras innen und außen überwacht und unser Personal ist darin geschult, in brenzligen Situationen zuerst einmal deeskalierend auf die Beteiligten einzuwirken. Polizei und Staatsanwaltschaft werden Ihnen auf Anfrage bestätigen, daß wir es in den letzten zwei Jahren geschafft haben, die Vorkommnisse im airport auf ein Maß zu reduzieren, daß das airport im Verhältnis zur Gästezahl zu den Diskotheken mit den wenigsten kriminalstatistisch relevanten Vorfällen überhaupt im Landkreis zählt.
Gleichwohl ist das, was am Sonntagmorgen geschehen ist, passiert. So schlimm es ist: die Vorfälle lagen außerhalb unseres Einflussbereichs. Wir haben nach einem friedlichen Abend – das airport war an einen externen Technoveranstalter, Soundpark und T2 an einen Partyveranstalter vermietet, zufällig beide aus dem Schweinfurter Raum – wie gewöhnlich um 10 Minuten vor 5 Uhr das Licht angemacht und um 5 Uhr den Getränkeverkauf eingestellt und die Gäste zum Gehen aufgefordert. Um 10 nach 5 Uhr waren alle Clubs leer und unser Personal hat in der Folge nach und nach den Heimweg angetreten. Die Security hat dann gegen 5.30 Uhr noch einen letzten Rundgang unternommen, auch vor dem Club war alles friedlich und es haben noch einige Gäste auf ein Taxi gewartet oder waren auf der Straße oder dem Parkplatz gestanden. Also hat dann – wie nicht nur bei uns, sondern auch in jeder beliebigen anderen Diskothek nach einem friedlichen Abend üblich – auch unsere Security Feierabend gemacht. Dass dann, 20 Minuten später um 10 vor 6 Uhr, ein Streit dermaßen eskalieren würde, konnte niemand ahnen.
Würzburg erleben: Wenn ja, welche Maßnahmen möchten Sie ergreifen, damit solche Vorfälle zukünftig nicht wieder vorkommen?
Rudi Schmidt: Alles, was wir tun können, ist in und um unsere Diskothek während unserer Öffnungszeiten und kurz davor oder danach für die Sicherheit zu sorgen. Dies tun wir schon in weit größerem Umfang, als in anderen Diskotheken üblich: hohe Securityanzahl, ausschließlich geschultes Sicherheitspersonal, Kameraüberwachung, strenge Einlasskontrollen, kein Wiedereinlass, Straßenpatrouillen, um nur einige zu nennen. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag hatten wir sogar extra viele Securities eingeteilt, da wir nicht genau einschätzen konnten, mit was für einem Publikum und mit wie vielen Gästen wir bei den beiden Fremdveranstaltungen rechnen konnten. Wir hatten insgesamt 19 Sicherheitsleute für letztendlich 450 Gäste im airport und ca. 900 Gäste in Soundpark und Terminal 2 – mehr als ausreichend. Leider ist im Nachtleben, vor allem wenn Alkohol im Spiel ist, niemand davor gefeit, Opfer einer Gewalttat zu werden. Ich bin nun über 40 Jahre im Diskothekengeschäft und es gab schon immer Personen, die plötzlich ohne ersichtlichen Grund ausgerastet sind und andere geschlagen haben. Leider hat keiner von denen auf der Stirn stehen „Vorsicht, ich hatte heute einen schlechten Tag und dreh gleich völlig durch“. Der einzige Unterschied zwischen airport und den Clubs in der Innenstadt ist, daß ins airport so viele Gäste passen, wie in Boot, Odeon, Studio, Tirili und Zauberberg zusammen. Wo mehr Menschen sind, ist die Chance auch höher, daß zwei aneinandergeraten, wobei – siehe oben – die Vorfälle im airport im Verhältnis zur Gästezahl weniger sind als in anderen Clubs.
Würzburg erleben: Vielen Dank für Ihre schnelle Stellungnahme.

