110 Jahre Studium für Frauen in Bayern

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Würzburg erleben

18. September 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Im Jahr 1903 ließ das Königreich Bayern erstmals Frauen zum Studium zu. Daraufhin schrieben sich an der Universität Würzburg zum Wintersemester die ersten drei Studentinnen ein – darunter die Mutter von Beate Uhse.

Fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Als sich die Hochschulen in Bayern 1903 erstmals für Studentinnen öffneten, gab es nur drei Landesuniversitäten: in München, Würzburg und Erlangen. Frauen hatten seinerzeit nur wenige Rechte. So sollte es zum Beispiel noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sie bei politischen Wahlen ihre Stimmen abgeben durften.
In Deutschland hatten Frauen zum Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend die Rolle der treusorgenden Gattin und Mutter zu erfüllen. Eigenständig ihren Wunschberuf anzustreben? Das war so gut wie unmöglich – von einigen Ausnahmen abgesehen: Akzeptiert war es zum Beispiel, wenn eine Frau als Lehrerin in einer Mädchenschule unterrichten wollte.

Andrang ausländischer Akademikerinnen

Wie kam es dazu, dass Frauen auch in Bayern studieren durften? Das deutsche Universitätssystem war damals wegen seiner Verbindung von Forschung und Lehre weltweit hoch angesehen und ein wahrer „Exportschlager“. Ende des 20. Jahrhunderts gab es darum viele Anträge amerikanischer und englischer Akademikerinnen, die nach einem Bachelor-Studium in ihrer Heimat an deutschen Universitäten ein „Vollstudium“ absolvieren und – wie damals hier üblich – mit der Promotion abschließen wollten.
In den USA und vielen anderen europäischen Ländern stand Frauen ein Studium schon viel früher offen. In Deutschland dagegen wurden die ausländischen Absolventinnen lediglich als Gasthörerinnen an den Universitäten zugelassen. Das bedeutete, dass sie für jedes Semester erneut eine Genehmigung für den Besuch von Vorlesungen einholen mussten. Als „Gäste“ wurden sie außerdem nicht zu Prüfungen zugelassen.

Erste Studentinnen in Würzburg

Der starke Andrang ausländischer Akademikerinnen brachte schließlich die bayerische Landesregierung dazu, ein Gutachten über die Zulassung von Frauen zum regulären Studium einzuholen. In diesem Prozess war es letztlich das positive Votum der Universität Würzburg, das den Ausschlag für die Öffnung der Landesuniversitäten zum Wintersemester 1903/04 gab. In Würzburg gab es damals 1283 Studierende.
Die ersten offiziell zugelassenen Studentinnen in Würzburg waren Grete Ehrenberg, Barbara Heffner und Margarete Räntsch. Räntsch und Ehrenberg kamen aus Berlin und studierten Medizin, Heffner stammte aus Österreich und war für Biologie eingeschrieben.

25 Jahre Uni-Frauenbeauftragte

Nach der Zulassung von Frauen zum Studium gibt es in Bayern ein weiteres Jubiläum zu feiern: Vor 25 Jahren wurde die Position der Frauenbeauftragten an den Hochschulen des Freistaats geschaffen.
Die erste Frauenbeauftragte der Uni Würzburg war die Juristin Ellen Schlüchter, Professorin für Kriminologie und Strafrecht. „Damals, vor 25 Jahren, waren nur drei Prozent der Professuren an der Uni Würzburg mit Frauen besetzt. Heute sind es 14 Prozent in Würzburg, 16 Prozent in Bayern und über 20 Prozent im Bund.
„Das sind allerdings keine Zahlen, mit denen man zufrieden sein könnte“, so Gisela Kaiser vom Frauenbüro der Uni. Angesichts der mageren Bilanz nach all den Jahren der Bemühung um die Gleichstellung fordern die Frauenbeauftragten jetzt die Einführung von verbindlichen Zielquoten für die Berufung von Wissenschaftlerinnen auf Professuren.

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