Bis zur letzten Stimme – eine Nacht mit der Würzburger Wahlhelferin Alina
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Würzburg erleben
23. September 2013

Symbolbild Würzburg
Zwei Kreuze machen, Stimmzettel einwerfen: das war’s. Nicht aber für die fleißigen Wahlhelfer, die teilweise bis spät Abends die Stimmen auszählen.
Aber auch während der Wahl geht es nicht immer „normal“ zu. „Würzburg erleben“-Praktikantin Alina war in diesem Jahr das erste Mal als Wahlhelferin dabei und hat die letzten beiden Wochenenden bei der Landtags- und Bundestagswahl einige skurile Situationen erlebt.
„Ich bin’s wieder“
Beim Sortieren der Stimmen zur Landtagswahl taucht ein Zettel mit einem Schriftzug quer über alle Parteien auf: „Ich bin’s wieder“. Die Wahlhelfer, die schon seit mehreren Jahren dabei sind, erzählen mir, er sei von einem Mann, der von seiner Frau zum Wählen gezwungen wird. Brav nimmt er auch bei der Bundestagswahl seinen Stimmzettel entgegen, geht in die Wahlkabine und bei der Auszählung taucht erneut der Schriftzug auf.
Aber das war nicht das einzig seltsame Erlebnis am gestrigen Sonntag.
Frühstück für die Wahlhelfer
Um Punkt acht Uhr steht eine Frau vor dem Wahllokal, die sich scheinbar auch bei den letzten Wahlen schon in die Erinnerung der anderen, langjährigen Wahlhelfer geprägt hat. Sie öffnet die Tür und zitiert unseren Wahlvorstand zu dem aushängenden Muster-Stimmzettel, um ihr diesen zu erklären. Nach häufigem Nachhaken wählt auch sie, wünscht uns einen schönen Tag und geht aus der Tür. Der Beisitzer neben mir warnt mich schon vor: „Die kommt heute noch mindestens ein Mal“. Und tatsächlich: kaum eine Viertelstunde später bringt sie uns eine Bäckertüte mit vier Kissingern zum Frühstück, „damit wir heute lange durchhalten“.
Aber nicht nur nette, sondern auch störende Vorfälle gab es am gestrigen Sonntag in unserem Wahllokal. Die Schlange ist lange und als eine Wahlkabine wieder frei wird, folgt eine Frau ihrem Mann an den Tisch und hinter den Aufsteller. Nach der Aufforderung, bitte aus dem Wahlbereich zu gehen, weil sie nicht zu zweit in die Kabine dürfen, entgegnet sie uns nur, dass ihr Mann das erlaubt habe. Wir erklären ihr, dass es trotzdem nicht möglich ist, weil das nun mal die Vorschriften sind. Widerwillig stellt sie sich wieder vorne in die Schlange und mittlerweile sind alle Augen auf sie gerichtet. Zu zweit in die Wahlkabine wollte auch eine Frau mit ihrem Mann, der schlecht sieht und sie ihm den Stimmzettel vorlesen möchte. Auch ihr erklären wir, dass das leider nicht geht. Ganz freundlich fragt sie uns, ob es dann eine andere Möglichkeit gäbe. Nachdem wir den Beiden die Möglichkeit erläutert haben, erklärt der Mann mich zu seiner „Hilfsperson“. Ich gehe also mit ihm in die Kabine und lese ihm den Stimmzettel vor, den er dann ankreuzt. Dann bedankt er sich mehrmals bei mir und wünscht uns Wahlhelfern ein „BX – bleiben’s xund auf gut unterfränkisch“.
Die Auszählung: ausgemalte Kreise und ungültige Stimmzettel
Bei der Auszählung am Abend gibt es mehrere Stapel: Erst- und Zweitstimme für die selbe Partei, Erst- und Zweitstimme für unterschiedliche Parteien und einen Stapel für die Stimmzettel, die einen Beschluss bedürfen. Hier sortieren wir den Zettel mit dem Schriftzug „Ich bin’s wieder“, ausgemalte Kreise, statt einem Kreuz, aber auch leere Zettel oder solche mit mehreren Kreuzen bei einer Stimme. Später fassen wir darüber Beschluss: bei dem ausgemalten Kreis „erkennen wir den Wählerwillen“, er ist also gültig. Die leeren Zettel und bei mehreren Kreuzen innerhalb der Erst- oder Zweitstimme sind ungültig, weil wir hier den Willen des Wählers nicht eindeutig erkennen können.
Bei den gültigen Stimmen wird schließlich nach Parteien sortiert und gezählt – jeder Stapel mehrmals. Am Ende ist eine Zweitstimme zu viel auf unserer Schnellmeldung vermerkt. Also: nochmal durchzählen. Zum Glück findet sich der Fehler nach einer Viertelstunde. Gestern waren wir dann schon um 21 Uhr mit dem Auszählen fertig, im Gegensatz zu letzter Woche mit den fünf Stimmzetteln pro Person. Damit waren wir erst um 23:30 Uhr fertig.
Nach 18 Stunden als Wahlhelferin an den vergangenen beiden Sonntagen, kann ich sagen, dass es anstrengend war, aber auch Spaß gemacht hat und ich mich auch für die Kommunalwahl in Würzburg am 16. März als Beisitzerin melden werde.
Von unserer Praktikantin Alina.

