Wie Inklusion im Sport gelingt

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Würzburg erleben

5. Oktober 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Inklusion im Sport: Wie geht das? Mit dieser Frage beschäftigt sich Deutschlands auflagenstärkste Fachzeitschrift in der aktuellen Ausgabe. Redaktionell dafür verantwortlich waren Sportwissenschaftler der Unis Würzburg und Potsdam. Ihr Ziel: Praxisideen für die unterschiedlichsten Zwecke zu liefern.

Klassenkamerad im Rollstuhl

Dieses Beispiel einer inklusiven Grundschule ist vermutlich keine Ausnahme: Steht in der dritten Klasse Sport auf dem Stundenplan, machen sich fast alle Kinder auf den Weg in die Turnhalle. Nur ihr mehrfach behinderter Klassenkamerad wird von seinem Betreuer im Rollstuhl in einen Extra-Raum gefahren. Dort wartet schon der Ergotherapeut, um mit ihm sein spezielles Übungsprogramm abzuspulen. Von Inklusion ist zumindest in dieser Stunde keine Rede.

Inklusive Lösungen in Fachzeitschrift

„Zum Thema ‚Inklusion‘ ist in der Theorie schon sehr viel gesagt. Was allerdings fehlt ist fachdidaktische Konzeptarbeit, aus der letztlich Praxistipps und Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung – gerade im Sport erwachsen“, sagt Thomas Kurth. Kurth ist Sportwissenschaftler und Dozent am Sportzentrum der Universität Würzburg. Gemeinsam mit Professor Harald Lange, Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Sportwissenschaft, und mit Dr. Thomas Borchert, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Sportpsychologie der Universität Potsdam, hat er sich deshalb in den vergangenen Monaten auf die Suche nach gelungenen Beispielen für Inklusion im Sportunterricht und im Sportverein gemacht.

Das Ergebnis ist soeben erschienen: Die Sonderausgabe von „Sportpraxis“ – der Fachzeitschrift für Sportlehrer, Übungsleiter und Trainer. Auf mehr als 60 Seiten finden sich dort Beispiele für den gemeinsamen Sportunterricht von Menschen mit und ohne Behinderung. Das Anliegen dieses Themenheftes ist es, „Sportlehrern, Trainern und Übungsleitern Handlungsorientierungen und Beispiele zu liefern, wie in verschiedenen Fällen inklusive Lösungswege bestritten wurden oder bestritten werden könn(t)en“, schreiben die Herausgeber im einleitenden Artikel.

Beispiele aus der Praxis

So zeigt beispielsweise die Lindenparkschule Heilbronn, dass sich Klettern gut für Kinder mit Hör- oder Sprachschädigungen oder geistigen Behinderungen eignet. Die Schüler müssen sich gegenseitig Hilfestellung geben, sie stärken ihr Verantwortungsbewusstsein und haben auch noch Spaß dabei.

Zumbatonic ist ein speziell für Kinder entwickeltes Tanz-Fitness-Programm, das sich sowohl für Kinder mit körperlichen als auch mit geistigen Einschränkungen wie auch für sozial benachteiligte Kinder eignet. Weil es keine vorgegebenen Bewegungsmuster, kein richtig und kein falsch, sondern nur ein „Sich-Anders-Bewegen“ gibt, können Kinder unterschiedlichster Voraussetzungen davon profitieren, ohne dass sie Nachteile erleben.

Und mit unterschiedlichen Aufgaben lässt sich auch ein Hindernis-Parcours entwickeln, der inklusiv und rollstuhlgerecht gestaltet ist. Der Gedanke der Kooperation steht dabei im Vordergrund, die Schüler müssen sich gegenseitig unterstützen und lernen so, Toleranz und Akzeptanz zu entwickeln.

Inklusion schließt Alle ein

Lehrer und Übungsleiter finden in der Sonderausgabe der Sportpraxis jede Menge Beispiele und Anregungen für einen inklusiven Sportunterricht. Erledigt hat sich das Thema damit für die Sportwissenschaftler noch lange nicht. „Inklusion erstreckt sich ja nicht nur auf Menschen mit Behinderungen“, sagt Thomas Kurth. Kinder mit einem Migrationshintergrund beispielsweise haben eventuell auch besondere Bedürfnisse beim Sport, die es zu beachten gibt. Und Inklusion erstreckt sich nicht nur auf Schulen und Vereine. „Der Hochschulsport, aber auch die Sportlehrerbildung sollten eigentlich auch für Alle für ein gemeinsames Lernen offen sein“, fordert Kurth. Doch auch dort gebe es noch jede Menge Defizite.

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