Geburtstagsfest für einen Klassiker
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Würzburg erleben
8. November 2013

Symbolbild Würzburg
Vor 200 Jahren wurde Karl Ludwig von Urlichs geboren, der Begründer der Würzburger Klassischen Archäologie. Das Universitätsmuseum verdankt ihm zudem den Erwerb einer bedeutenden Vasensammlung. Ihm zu Ehren findet am Dienstag, 12. November, eine öffentliche Geburtstagsfeier statt.
Karl Ludwig von Urlichs (1813-1889) war eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Der Begründer der Würzburger Klassischen Archäologie forschte nicht nur über Antike, Kunstgeschichte und die Literatur der Goethezeit. Er sorgte auch dafür, dass das Würzburger Universitätsmuseum heute die drittgrößte Sammlung antiker Vasen in Deutschland beherbergt. Dazu wirkte Urlichs ein Jahr lang als Rektor der Universität und zudem in der bayerischen Schulpolitik.
„Geburtstagsparty“ im Toscanasaal
Grund genug, den 200. Geburtstag dieses Mannes zu feiern. Die Professoren Thomas Baier (Latinistik), Michael Erler (Gräzistik) und Matthias Steinhart (Klassische Archäologie) haben dazu eine öffentliche Festveranstaltung organisiert. Sie findet am Dienstag, 12. November, ab 18:15 Uhr im Toscanasaal der Residenz statt.
Bei der Feier stellt Steinhart das Geburtstagskind in einem Vortrag vor: „‘Eine groß angelegte Natur‘ – Karl Ludwig von Urlichs“. Den Festvortrag hält dann Professor Hans-Joachim Gehrke. Das Thema des Althistorikers und ehemaligen Präsidenten des Deutschen Archäologischen Instituts heißt „Das Altertum im 21. Jahrhundert – Teil unseres Lebens?“ Gehrke (68) ist Director of Outreach am University College Freiburg. In dieser Funktion pflegt er unter anderem Kontakte mit Stiftungen, Drittmittelgebern und möglichen Spendern.
Info: Karl Ludwig von Urlichs
Geboren wurde Karl Ludwig von Urlichs am 9. November 1813 in Osnabrück. Er studierte und promovierte in Bonn, dann ging er in die Schweiz und 1836 nach Rom. Dort legte er wissenschaftliche Arbeiten mit einer großen Spannbreite vor: In der Klassischen Philologie publizierte Urlichs unter anderem über Tacitus, Sophokles, Platon und Cicero. In der Klassischen Archäologie widmete er sich der Topographie Roms, antiken Bildhauern, griechischen Vasen und weiteren Themen.
1840 kehrte Urlichs nach Bonn zurück. Er habilitierte sich und war an der Leitung des Akademischen Kunstmuseums der Universität beteiligt. Während einer sich anschließenden Professur in Greifswald war er auch Abgeordneter im Preußischen Landtag und im Erfurter Unionsparlament. 1855 kam er nach Würzburg. Hier lehrte er – bis zu seinem Tod am 3. November 1889 – als Professor für Klassische Philologie und Ästhetik über Themen der antiken Literatur und Kunst, aber auch der Kunstgeschichte.
Berühmter „Mord“ an der Uni
Zwei Jahre nach Urlichs‘ Amtsantritt kam es zu einem Glücksfall: Der aus Würzburg stammende Johann Martin von Wagner (1777-1858), Künstler und Kunstagent des bayerischen Königs Ludwigs I. in Rom, vermachte der Universität seine umfangreiche Sammlung mit Antiken, Gemälden und Graphiken sowie einen umfangreichen Briefwechsel und Stiftungsgelder.
Urlichs nutzte Wagners Hinterlassenschaft zum einen wissenschaftlich. Daraus entstanden unter anderem Studien zur Persönlichkeit und zur Sammlung des Stifters. Zum anderen gelangen ihm mit den Stiftungsgeldern bedeutende Erwerbungen. Im Jahr 1872 kaufte er rund 500 griechische und etruskische Vasen aus dem Besitz der Familie Feoli.
Zu deren Sammlung gehören weltberühmte Werke, etwa ein um 480/70 in Athen entstandenes Weingefäß («Stamnos»). Auf ihm ist die Tötung des Tyrannen Hipparchos durch Aristogeiton und Harmodios dargestellt. Dieser Mord galt den antiken Athenern als Gründungsakt der Demokratie.
Dekan und Rektor der Uni Würzburg
An der Universität Würzburg war Urlichs mehrfach Dekan der Philosophischen Fakultät und 1885/86 auch Rektor. Ab 1857 war er als Ministerialkommisär für die Gymnasien Bayerns zuständig und in die Staatsexamensgestaltung eingebunden. „Seinem universellen Verständnis von Altertumswissenschaft ist es zu verdanken, dass noch heute Studierende der Klassischen Philologie im bayerischen Staatsexamen auch eine Prüfung in Klassischer Archäologie ablegen“, sagt Steinhart.

