„Theologen Zutritt verboten“

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Würzburg erleben

21. November 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Ein Bericht von Claudio Ettl:

Am 18. November 1935 verfügte der Würzburger Uni-Rektor die Schließung der Katholisch-Theologischen Fakultät. Auslöser waren vermutlich zunehmende Spannungen zwischen Bischof Matthias Ehrenfried und den Nationalsozialisten.
Rektor der Universität war seinerzeit der Zahnmediziner Johannes Reinmöller. Er begründete die Schließung damit, dass die Fakultät angeblich keinen Fachschaftsleiter habe. Tatsächlich dürften jedoch andere Gründe eine Rolle gespielt haben.

Die Schließung der Theologischen Fakultät war der vorläufige Höhepunkt einer länger andauernden Auseinandersetzung. Diese spielte sich zwischen der katholischen Kirche bzw. dem Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried, der von den nationalsozialistischen Machthabern eingesetzten Universitätsleitung und einer nationalsozialistisch kontrollierten Studentenvertretung ab.

Gleichschaltung der Theologen nicht gelungen

Trotz zahlreicher Bemühungen war es den Nationalsozialisten bis 1935 nicht gelungen, die seit der Machtergreifung vollzogene Gleichschaltung und ideologische Kontrolle der Würzburger Studierenden auch bei den Theologen durchzusetzen. Das lag nicht zuletzt an der klaren, ablehnenden Haltung des Bischofs, der sich derartigen Versuchen des Regimes immer wieder widersetzte. Erst im September 1934 hatten sich Bischof, Hochschulleitung und Studentenschaft auf ein Regulativ geeinigt, das die Einrichtung einer von den Nationalsozialisten kontrollierten und an die NSDAP angebundenen theologischen Fachschaft verhinderte.

Ab Fronleichnam 1935 jedoch verschärfte sich die Situation. Am 14. November wurde der Leiter der theologischen Fachschaft abgesetzt und ohne Zustimmung des Bischofs kommissarisch durch NS-Studentenschaftsführer Otto Kreppel ersetzt. Dies widersprach dem Regulativ, weshalb Bischof Ehrenfried massiv protestierte.

Machtdemonstration gegenüber Theologen und Bischof

Am 18. November schloss der Rektor dann kurzerhand die Fakultät. Am Haupteingang wurde morgens ein Schild mit der Aufschrift „Theologen Zutritt verboten“ angebracht. Für 14 Uhr wurde zudem ein Pflichtappell der Würzburger Hochschulgruppe des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes angekündigt. Die Veranstaltung fand auf der Treppe vor der Universität am Sanderring statt. Sie geriet zur Machtdemonstration und Agitation gegen Theologen und Bischof.

Nach polemischen Ansprachen des NS-Studentenschaftsführers und des Gaustudentenführers Wahl erschien auch Rektor Reinmöller. Seine Ansprache war allgemein gehalten und griff die Konflikte um die Theologische Fakultät nicht direkt auf. Doch durch seine Anwesenheit in offizieller Funktion, angetan mit Uniform und Amtskette der Universität, signalisierte er seine Zustimmung zum Verhalten der NS-Studentenführer.

Scharfe Proteste des Bischofs

Bereits unmittelbar vor und vor allem in den Tagen der Schließung der Fakultät legte Bischof Matthias Ehrenfried schärfsten Protest gegen diese Maßnahme ein, sowohl vor Ort in Würzburg als auch durch Schreiben und Eingaben an die zuständigen Reichs- und Landesminister in Berlin und München. Auch der emeritierte Kirchenhistoriker Sebastian Merkle schaltete sich ein und nutzte offenbar seine Kontakte nach Berlin.

Auf Intervention des Reichserziehungsministeriums und durch Vermittlung verschiedener Personen wurde schließlich eine Einigung erzielt. Sie machte beiden Seiten Zugeständnisse, führte zur Wiedereröffnung der Fakultät und einige Tage später zur Ernennung eines Fachschaftsleiters, der für beide Seiten akzeptabel war.

Auslöser der Schließung unklar

Bis heute lässt sich nicht eindeutig klären, was der eigentliche Auslöser für die Schließung der Fakultät war. Der Wunsch, den Einfluss des Würzburger Bischofs auf Belange der Universität zu unterbinden, dürfte eine Rolle gespielt haben. Denn die Nationalsozialisten sahen Ehrenfrieds vehementes Auftreten als Einmischung und Bedrohung an. Ebenso von Bedeutung dürfte das Macht- und Karrierestreben des Rektors und die kirchenfeindliche Haltung der nationalsozialistisch kontrollierten Studentenvertretung gewesen sein.

Die Schließung der Fakultät dauerte eine Woche. Am 25. November 1935 konnten die Theologen den regulären Vorlesungsbetrieb wieder aufnehmen. Auf den laufenden Studienbetrieb hatte sich die Maßnahme des Rektors ohnehin kaum ausgewirkt: Schon am zweiten Tag der Schließung hatten die Theologen ihre Veranstaltungen kurzerhand ins Augustinerkloster verlegt.

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