„Wie fahrradfreundlich ist Würzburg?“ – das Umfrageergebnis
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Würzburg erleben
22. November 2013

Symbolbild Würzburg
Der Vehrkehrsclub Deutschland (VCD), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club und die „Lokale Agenda 21“ haben im Rahmen der Kampagne Stadtradeln von Mai bis Oktober 2013 eine Umfrage unter Würzburger Radlerinnen und Radlern durchgeführt.
Das Ziel der Umfrage war,
- die Häufigkeit und den Grund für die Fahrradnutzung,
- allgemeine Einschätzungen zum Radverkehr in Würzburg sowie
- Angaben zu den am häufigsten gefahrenen Strecken zu erfahren.
Darüber hinaus wurde um Lob und Kritik für das Radfahren in Würzburg gebeten.
79 % fühlen sich nicht gleichberechtigt.
Die Auswertung der Umfrage „Wie fahrradfreundlich ist Würzburg?“, an der insgesamt 853 Personen teilnahmen, hält einige Erkenntnisse bereit.
Das Interessanteste vorweg: 79 % der befragten Fahrradfahrerinnen und -fahrern fühlen sich im Straßenverkehr nicht gleichberechtigt (Abb. 1). Dabei wird das Fahrrad vor allem für Freizeitaktivitäten (74 %), die Fahrt zum Arbeitsplatz oder zur Schule (gemeinsam 68 %) sowie zum Einkaufen (60 %) genutzt. 84 % der Befragten sind davon überzeugt, dass mehr Bürgerinnen und Bürger auf das Fahrrad umstiegen, wenn die Stadt Würzburg eine bessere Infrastruktur für den Radverkehr bieten würde. Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine ähnliche Zahl (86 %) der Meinung ist, Würzburg unternehme nicht genug für die Förderung des Radverkehrs.
Lobenswerte Radwege
Die Umfrageteilnehmer hatten für folgende Abschnitte der Würzburger Radwege Lob übrig
- Mainradweg (in den Jahreszeiten ohne Schnee und Eis)
- Zollhaus bis Heidingsfeld
- „Teststrecke“ am Ludwigskai
- Röntgenring (obwohl Kritik an Ampelschaltung)
- Teilstrecke im Rottenbauerer Grund
- Mergentheimer Straße (neue Asphaltierung)
- Estenfeld nach Lengfeld
- Kürnach nach Würzburg
Viele Radfahrer begrüßen es übrigens, dass das Fahrradfahrverbot in der Fußgängerzone aufgehoben ist.
Massig Kritikpunkte
Würzburgs Klassiker: Oftmals kommt man ins Grübeln, wenn man der Verkehrsregelung und Wegführung für Radfahrer sinnvoll folgen möchte. Radwege enden plötzlich, wie es zum Beispiel in der Baltasar-Neumann-Promenade geschieht.
Wenn Autofahrer über die „rote Welle“ klagen, lächelt der Radfahrer müde, denn ihm eröffnet sich der Eindruck, dass die Ampelschaltung an der ein oder anderen Stelle eine Fortbewegung auf zwei Rädern tretend geradewegs unmöglich macht.
Gegen die Einbahnstraße zu fahren, ist generell verboten, kann aber wie in der Fußgängerzone für Radfahrer aufgehoben werden. Das wünschen sich viele der Befragten vor allem in der Kaiserstraße, der Münz- und Domerschulstraße.
Fehlende Radwege und Durchgängigkeit
Den Alltagsradlerinnen und -radler fällt es sofort auf, wenn Radwege fehlen oder nicht komplett durchgezogen sind. So gibt es in den Stadtteilen Grombühl und Heidingsfeld keine klare Radverkehrsführung. Aber in der Mergentheimer Straße gen Innenstadt wird es auch sehr schwierig. In der Zeller Straße und der Weißenburgstraße tut sich der gemeine Radfahrer auch eher schwer. Wer vom Mainkai in die Karmelitenstraße fahren möchte, muss das über Umwege, Fußgängerampeln etc. machen. Um die Adalberokirche scheint der gesamte Bereich schwierig befahrbar zu sein. Der Weg von der Innenstadt über das Frauenland zum Hubland ist ebenfalls eine Herausforderung.
Weitere Anbindungen in die Würzburger Innenstadt fehlen von Versbach-Lindleinsmühle, Lengfeld, Neubrunn, Reichenberg, Waldbüttelbrunn-Höchberg und Veitshöchheim (zumindest die Trennung von Fuß- und Radweg).
Schlechte Zustände
Die Umfrageteilnehmer beklagen sich vor allem über den Zustand der Radwege und Wegführungen am Berliner Ring und dem Radweg im Ringpark, der Schnee und nach starkem Regenfall kaum zu benutzen ist. Der Fahrbahnbelag in der Frankfurter Straße, Leistenstraße und Valentin-Becker-Straße wird als schlecht angesehen.
Handlungsbedarf und Verbesserungspotential
Die Situation lässt viele Wünsche und Verbesserungspotential offen, wenn es um das Würzburger Radverkehrsnetz und die Radverkehrspolitik geht, was womöglich nicht nur die sogenannten Alltagsradler betrifft.
Insbesondere sollte man dem Eindruck nachgehen, warum sich so viele Radfahrer im Verkehr ungleich behandelt fühlen und sofern sich diese Ungleichbehandlung gegenüber dem motorisierten Verkehrs bewahrheitet, unbedingt im Sinne der Radfahrern (und Fußgängern) handeln.
Viele Verbesserungen mit kleinem Etat möglich
Der Zusammenschluss aus VCD, ADFC und Lokale Agenda 21 fordert eine zügige Verbesserung der Situation. Viele Missstände seien ohne großen
finanziellen Aufwendungen möglich. Ampelschaltungen könnten leicht abgeändert und Markierungen für Aufstellflächen platziert werden. Die geforderte Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung sowie die ernsthafte Berücksichtigung des Rad- und Fußverkehrs bei Planungen von Verkehrsprojekten erscheinen ebenfalls einfach, sofern sie konsequent und zeitnah umgesetzt werden.
Trotzdem wird sich bei der nächsten Haushaltsverhandlungen um eine Erhöhung des Etats für die Radverkehrspolitik bemüht, um zum Beispiel eine sichere Radverkehrsanbindung der Stadtteile Versbach und Lengfeld umgehend zu gewährleisten.
Die wohl sinnvollste Forderung: ein rücksichtsvolles Miteinander im Verkehr und vorausschauendes Fahren auf Straßen im öffentlichen Raum aller Verkehrsteilnehmer. Hier soll einen Aufklärungskampagne sensibilisieren.

