Kulturspeicher stößt auf Grafiken Gurlitts

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Würzburg erleben

24. November 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

1957 schenkte der Kunsthändler Wolfgang Gurlitt der Städtischen Galerie Würzburg neun Grafiken. So hat es die Main-Post einem Zeitungs-Artikel in ihrem Archiv entnommen und in der Presse publiziert. Große Namen wie Edvard Munch, Lovis Corinth und Max Pechstein machten neugierig, und das Museum hat sich im Bestand auf die Suche nach diesen Blättern gemacht. Ein Blick ins Inventarbuch bestätigte, dass es sich um Schenkungen von Wolfgang Gurlitt 1957 handelte. Die Werke sind in einer Ausstellung bis Januar im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen.

Portraits befreundeter Künstler

Das große aktuelle Interesse an diesem „Fund“ rührt von dem Namen des Schenkenden her: Wolfgang Gurlitt (1888–1965), ein Cousin Hildebrand Gurlitts, dessen Kunstsammlung gerade ein viel besprochenes Thema ist. 1907 übernahm Wolfgang Gurlitt die legendäre Galerie seines Vaters Fritz Gurlitt in Berlin. In den folgenden Jahrzehnten war er einer der wichtigsten Förderer der modernen Kunst seiner Zeit. Die Künstler, die in der Schenkung von 1957 vertreten sind, standen allesamt in Geschäftsbeziehungen zu Gurlitt, die zum Teil schon von seinem Vater geknüpft worden waren. So ist es nicht verwunderlich, dass die Künstler den Galeristen, mit dem sie in enger Geschäftsbeziehung standen oder, wie im Fall Oskar Kokoschkas, befreundet waren, in ihren Grafiken porträtiert haben, so der Kulturspeicher Würzburg.

„Entartete“ Werke nach dem Krieg zurückgegeben

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Wolfgang Gurlitts Situation ambivalent und muss differenziert beurteilt werden. Wegen einer jüdischen Großmutter war er den Nationalsozialisten verdächtig, ebenso wegen seiner Vorliebe für moderne, spätestens seit 1937 als „entartet“ diffamierte Kunst. Dennoch konnte er sich halten: Er verkaufte als „entartet“ beschlagnahmte Werke ins Ausland und tätigte sogar einige Käufe für das „Führermuseum“ in Linz. Nach dem Krieg musste er sich Rückgabeforderungen von jüdischen Sammlern und deren Nachkommen stellen.

Hoffnung auf eine „Kunstmetropole Würzburg“

1943 war Wolfgang Gurlitt in Berlin ausgebombt worden. Der damalige Leiter der Städtischen Galerie Würzburg, Heiner Dikreiter, der schon zuvor zahlreiche Werke für seine Sammlung bei Gurlitt erworben hatte, überredete den Kunsthändler, nach Würzburg zu kommen, in der Hoffnung, die Stadt zu einer Kunstmetropole zu machen. Gurlitt ließ sich für kurze Zeit im „Neiderthaus“ nieder. Gleichzeitig jedoch stellte er seine Kunstsammlung im österreichischen Bad Aussee sicher. So konnte er, wie sein Cousin Hildebrand Gurlitt, die kostbaren Werke über die Kriegsjahre hinweg retten. Anders als Hildebrand aber machte er die Sammlung öffentlich: Er gab sie als Leihgabe für ein neues Museum, dem er selbst als Direktor vorstand, an die Stadt Linz; 1953 erwarb die Stadt die Sammlung. Insgesamt 10 Gemälde der Sammlung Gurlitt, u.a. von Gustav Klimt, Egon Schiele, Wilhelm Trübner und Anton Romako, wurden bislang vom LENTOS Kunstmuseum an die Erben jüdischer Sammler restituiert oder in Verhandlungen für das Haus erworben.

Raubkunst unwahrscheinlich

Auch anlässlich der kürzlichen Veröffentlichung der Grafiken, die Wolfgang Gurlitt 1957 seinem Freund Heiner Dikreiter für die Städtische Galerie schenkte, entstand die berechtigte Frage, ob es sich hierbei um Raubkunst handeln könne. In diesem speziellen Fall erscheint das sehr unwahrscheinlich, da es sich um Künstler handelt, die Gurlitt vertrat und deren Grafik er in seinem Bestand sicher dauernd vorrätig hatte, zum anderen aber, weil es sich fast ausnahmslos um Bildnisse Gurlitts selbst bzw. seiner Freundin Lily Agoston-Christiansen handelt, teilt der Kulturspeicher Würzburg mit.

Ausstellung der gefundenen Werke

Generell aber muss man diese Frage bei allen Werken stellen, die nach 1933 von der Stadt Würzburg erworben wurden und vor 1945 entstanden.
„Wichtig wäre hier vor allem Transparenz: Sammlungsbestände öffentlich zu machen und die Erwerbsgeschichte vieler Bilder und Grafiken kritisch zu hinterfragen. Die Aufarbeitung der Bestände haben wir bereits in der Ausstellung „Tradition und Propaganda“ in Angriff genommen.“

Zu sehen sind die Grafiken im Kulturspeicher Würzburg ab sofort bis zum 19. Januar 2014

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