„Voll der Durchblick“ von Kurt Fleckenstein
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Würzburg erleben
26. November 2013

Symbolbild Würzburg
Seit 10 Jahren arbeitet Kurt Fleckenstein, ursprünglich Landschaftsarchitekt, als bildender Künstler. Mit seinen ungewöhnlichen raumbezogenen Installationen hat er sich mittlerweile einen Namen gemacht. Kennzeichnend für seine Arbeiten sind der direkte Ortsbezug, vor allem aber hintersinniger Humor und häufig gesellschaftspolitische Implikationen.
In der aktuellen Videoinstallation im Erdgeschoss des Museums im Kulturspeicher steht das Spiel mit der Wahrnehmung im Vordergrund: Die das Gebäude prägenden langen Sichtachsen, normalerweise durch die Steinlamellen verschlossen, werden plötzlich optisch geöffnet; doch was man sieht, entspricht nicht den Erwartungen. So wird der Besucher dazu aufgefordert, die eigene Sichtweise zu hinterfragen, neue Blickwinkel einzunehmen und (nicht nur) optische Barrieren zu durchbrechen.
Ein Spiel mit der Wahrnehmung
Vor fast genau einem Jahr, im November 2012, kam Kurt Fleckenstein zum ersten Mal ins Museum im Kulturspeicher; sofort reizte ihn das Gebäude zu einer künstlerischen Intervention. Dabei hatte er zunächst mehrere Ansatzpunkte; so hatte er im Internet über die Reinigung der Steinlamellen gelesen, was ihn zu der Idee brachte, eine riesige motorisierte Bürste, wie sie in Autowaschanlagen benutzt werden, an der Fassade anzubringen; durchgesetzt hat sich aber das Konzept, mit dem Innenraum und der spezifischen Raumwirkung der langen Gänge zu arbeiten. Die beeindruckenden Sichtachsen, die über die gesamte Gebäudebreite verlaufen, enden nämlich nicht, wie eigentlich erwartet, in einem Ausblick, wie das etwa ein barocker Baumeister eingeplant hätte. Sie werden verschlossen, der Blick trifft auf die steinernen Lamellen. Mit seiner Videoinstallation reagiert der Künstler auf dieses Spezifikum der Architektur, die er optisch ins Freie öffnet. In den Innenraum übertragen werden Bilder zweier Kameras, die an den Außenfassaden des Gebäudes angebracht sind. Sie zeigen aber nicht, was tatsächlich im direkten Durchblick zu sehen wäre, sondern die Blickachse ist leicht versetzt auf Cinemaxx und Parkplatz gerichtet. Und: Die Seiten sind vertauscht. So entsteht ein elegantes Spiel mit der Wahrnehmung des Betrachters und seiner Orientierung.
Völlig neues Raumerlebnis
Nicht zum ersten Mal reagiert Kurt Fleckenstein auf einen Kunstort und seine besonderen architektonischen Gegebenheiten oder seine Geschichte. Der direkte Ortsbezug ist sogar das Haupt-Spezifikum von Kurt Fleckensteins Kunst, die sich jedes nur möglichen Materials bedient, die raumgreifend und monumental sein kann wie in der Lübecker Kunsthalle St. Annen, wo Fleckenstein 2012 den Masten einer Hochspannungsfernleitung liegend in die Ausstellungsräume montierte, oder zart und vergänglich, wie in der Installation Wiese2, zu der der Künstler in der Mannheimer Fußgängerzone für nur einen Tag quadratische Wiesenstücke mit Wildblumen in das Pflaster einfügte. Den Kunstverein Regensburg verwandelte er 2012 in eine „Beratungsstelle“, in der Kunsthalle in Tallinn, Estland, schuf er im gleichen Jahr mit Zucker und darauf tropfendem Fruchtsaft irreal wirkende Skulpturen. Stets mit gleicher Begeisterung erkundet der Künstler Orte, erspürt ihre Besonderheiten und thematisiert diese – hintersinnig-ironisch und/oder gesellschaftskritisch. So hat er auch die Kunstaktion im Museum im Kulturspeicher mit größter Energie vorangetrieben und ihre Realisierung noch in diesem Jahr ermöglicht. Den Besucher des Museums erwartet in diesen Wintermonaten ein völlig neues Raumerlebnis!

