„Night of Finance“ – Hochkarätiger Schlagabtausch

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Würzburg erleben

2. Dezember 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Nachdem die ersten beiden Veranstaltungen in den letzten zwei Jahren ganz im Fokus der Eurokrise standen, konnten sich der Studentische Börsenverein Würzburg (sbfw) auch am 26.11.2003 dem nicht entziehen. Das Motto der dritten „Night of Finance“ hieß: „Das schwere Erbe der Finanzkrise – Verspielen die Zentralbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik unser Vermögen?“. Doch die Gäste diskutierten im Hörsaal Z6 im Hubland auch über Themen wie Altersvorsorge.

Einige bekannte Gesichter zeigten sich schon in der Einladung: Allen voran der Würzburger Wirtschaftsweise Prof. Peter Bofinger. Ihm gegenüber saß Thomas Steinhart, kaufmännischer Leiter von s.Oliver. Ebenfalls Platz am Podium nahm der Stadtkämmerer und OB-Kandidat Christian Schuchardt. Die Banken vertraten Dr. Sebastian Klein (Castell Bank) und Bernd Fröhlich von der Sparkasse Mainfranken Würzburg (SPM). Die Moderation übernahm Stefan Wolff, ein bekanntes Gesicht aus dem ARD Börsenstudio.

Nach der angenehm knappen Einführung von sbfw Vorsitzenden Daniel Neuss, eröffnete der Moderator die Diskussion mit der Frage, was die Gäste von der neuerlichen Zinssenkung der europäischen Zentralbank (EZB) hielten. Die EZB senkte unlängst den Leitzins, mit dem sich Banken Geld leihen können, von 0,5 % auf 0,25 %.

Prof. Bofinger zeigte sich über den Schritt wenig überrascht. „Aufgrund der niedrigen Inflationsrate besteht die Gefahr einer Deflation, also ein Rückgang der Preise. „Dies sei bei einer gleichzeitig hohen Verschuldung schwer therapierbar“. SPM Vorsitzender Fröhlich entgegnete ihm, dies sei ein schlechter Schritt für Deutschland. „Wir erleben eine Umverteilung von Gläubiger zu Schuldner“. Die Zinssenkung sei lediglich ein Hilfsprogramm für notleidende Staaten und Banken. Ebenfalls kritisch äußerte sich auch Thomas Steingart: „s.Oliver kauft vornehmlich in Dollar ein. Aufgrund der Zinssenkung stieg der Dollar gegenüber dem Euro“. Dies bedeutete Mehrbelastungen für das Unternehmen.

Christian Schuchardt unterstrich den positiven Effekt der geringen Zinsen für Würzburg. „In den letzten fünf Jahren haben wir aufgrund der niedrigen Zinsen unser Defizit um 30 Millionen Euro senken können“. Deswegen ist die Stadt in der Lage, mehr zu investieren. „Eine wichtige Investition ist der Ausbau des Hublands“, unterstrich der Kämmerer.

Die jetzige Altersvorsorge sahen die Teilnehmer kritisch. „Das Rentensystem ist zusammengeschrumpft worden“, beklagte Bofinger. Er plädierte für das Miteinbeziehen von Beamten und Freiberufler in das Umlagesystem. Dem schloss sich Thomas Steingart an. Er fügte hinzu, dass sich die Deutschen von den Lebensversicherungen verabschieden sollte. Stattdessen plädierte er für Aktien. „Die Lebensversicherung der Allianz hat eine Rendite von 1,2 %“, so der Finanzvorstand, „während die Allianz Aktie in den vergangene Jahren mehr als 4 % Dividende ausgeschüttet hatte“.
Dr. Klein betonte schließlich die positive wirtschaftliche Stimmung. Die gute DAX Entwicklung sei Abbild der wirtschaftlichen Situation in Deutschland, zeige aber auch Tendenzen in der Welt. Dies gehe jedoch an den Deutschen vorbei, da sie kaum in Aktien vertrauen. „Andere glauben mehr an unsere Wirtschaft als wir selbst, “ fügte Bernd Fröhlich hinzu.

Als der Moderator Fragen des Publikums zuließ, wurde die Diskussion noch einmal spannend. Ein redseliger Zuhörer verstand nicht, warum das Rentenniveau für Beamte höher sei, als bei den gesetzlich Versicherten.

Christian Schuchardt stimmte zu, dass die Pensionen für Würzburg eine große Belastung seien. “Die Beamten aus den 70gern sind sehr langlebig“, scherzte er. „Die Belastungen werden auch in den nächsten Jahren weiter steigen“. Er sehe das Beamtentum jedoch an vielen Stellen als überholt.

Die Diskussion endete mit einer Wette. Thomas Steingart setzte gegen Prof. Bofinger sechs Flaschen Wein, dass die Schulden während der großen Koalition weiter steigen würden. Dem widersprach der Wirtschaftsweise. Alles in allem zeigten sich die Gäste wie auch Moderator Stefan Wolf gut aufgelegt. Trotz unterschiedlicher Meinungen wurde mit Witz und Respekt diskutiert. Nicht zuletzt sorgte die reibungslose Organisation des sbfw für einen interessanten und kurzweiligen Abend.

Ein Gastbeitrag von Julian Plutz

Youtube Video zur 1. Night of Finance

httpvh://www.youtube.com/watch?v=w_v4HgdqgzA

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