Macht Mobbing 3.0 Schule?

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Würzburg erleben

10. Dezember 2013

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Ein Bericht von Jochen Wahlen, Vorstand des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes im Kreisverband Würzburg:

„Der mobbt mich!“ – ein Satz, den man seit einigen Jahren sehr oft hört. Für meinen Geschmack zu oft, so dass die Gefahr besteht, eine solche Aussage bzw. das Phänomen nicht für voll zu nehmen.

Mobbing ist Gewalt

Mobbing oder Bullying ist leider nicht nur ein Problem der Schule, es tritt altersunabhängig nahezu überall auf. Eine Definition ist schwer, es handelt jedenfalls nicht um einen reinen Konflikt, sondern um bewusste Ausgrenzung, Abwertung und Bloßstellung. Mobbing ist vom Täter oder der Täterin her auf jeden Fall eine bewusste Entscheidung und ist als Gewalt einzustufen. Und Gewalt hat an der Schule nichts zu suchen.

Fakt ist, dass sich gerade im Schulbetrieb viele Nischen bieten, in denen Mobbing stattfinden kann und Lehrkräfte nicht einschreiten können. Der Schulweg, die Toilette, der Weg in die Pause usw. Verschärft wird es eben noch in der Version 3.0: Mit dem Mitmach-„web 2.0“, wo munter auf SchülerVZ in reiner Textform gemobbt wurde, sind nun z.B. WhatsApp, Facebook und youtube die neuen Orte, an denen die Bloßstellung für einen unübersehbaren Nutzerkreis und vor allem 24 Stunden am Tag stattfinden kann. Die Bezeichnung 3.0 benutze ich, weil bei den Kids zusätzlich nahezu eine Vollausstattung an Smartphones, Phablets und ähnlichem vorhanden ist – inklusive Internetflat.

Sexting: perfekte Voraussetzung für Mobbing

Die Möglichkeit, selber etwas schnell als Bild oder Film online zu stellen, ist also problemlos möglich. Und das wird auch entsprechend (aus)genutzt. Ein vor kurzem in der Presse beschriebener Fall taucht regelmäßig in etwas abgewandelter Form und glücklicherweise nicht so drastisch auf: Privat wurden bei irgendwelchen Treffen Aufnahmen gemacht, bei denen jede/r naiv davon ausgeht, dass diese im eigenen Kreis bleiben. Ein schwächeres Glied in der Kette wird dann bearbeitet oder wittert selbst eine Chance für vermeintlichen Aufstieg in der Gruppe – das Video kommt dann eben doch in Umlauf. Nach dem Schneeballprinzip ist es nicht mehr aufzuhalten, der Schaden nicht mehr zu begrenzen.

Und wir sind auf dem Weg zur Version 3.1: Das so genannte Sexting hat sich stark verbreitet, bei dem selbst geschossene, (mehr als) freizügige Bilder und eindeutige Aufforderungen per SMS/MMS oder mit Apps wie SnapChat verschickt werden. Über undichte Stellen – „Freunde“ oder Software – gelangen die Inhalte dann doch ins Netz. Leider perfekte Voraussetzungen für Mobbing.

Auseinandersetzen der Gesellschaft ist eine Lösung

Was also tun, wenn Verbote nur eine äußerst kurzfristige Lösung sind? Eine typische Reaktion ist, dass die Verantwortung hin- und hergeschoben wird: Die Schule muss dies, die Eltern sollen das machen. Dabei geht es uns alle an und dafür sollten wir sorgen: Eine vernünftige Medienbildung, die in den Lehrplänen entsprechenden Raum einnimmt, das Auseinandersetzen der ganzen Gesellschaft mit der Thematik und Technik, das Kümmern der Bezugspersonen um die Kinder und Jugendlichen. Viele Verantwortliche wissen gar nicht, was im Netz „abgeht“ und die meisten glauben immer noch an den digitalen Radiergummi.
Das Problem ist immer wieder die fehlende Zeit, ob im Unterricht oder z.B. wegen der Arbeit für die Kinder. Mein Aufruf ist es, zumindest die Augen offen zu halten, die Entwicklung zu begleiten und Jugendliche nicht sich selbst in ihrer (virtuellen) Lebenswelt zu überlassen. Vielleicht wird dann Version 4.0 nicht ganz so fatale Folgen haben.

Hilfe über die Schulberatung Bayern mit der direkten Seite für Lehrkräfte bei Mobbingverdacht in der Klasse.
Zur Facebook-Seite des BLLV.

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