KZ-Überlebender Fischermann will keinen Hass
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Würzburg erleben
29. Januar 2014

Symbolbild Würzburg
Es ist das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte – die Zeit des dritten Reichs. Millionen von Juden wurden dort unter Befehl von Adolf Hitler verfolgt, deportiert und umgebracht. Viele von ihnen starben in den Gaskammern der Konzentrationslager (KZ). Der dänisch-jüdische Zeitzeuge Salle Fischermann überlebte mit 14 Jahren einen Aufenthalt im KZ in Theresienstadt. Am Abend (29.01.14) war Fischermann auf Einladung der Akademie Frankenwarte an der Universität Würzburg zu Gast und sprach über seine Erlebnisse. Er sagt: „In jedem von uns steckt ein Teufel unter der Haut. Lasse ihn nie raus. Nie!“
Vortrag: Wenn die Bilder schon verblassen
„Wenn die Bilder schon verblassen“ heißt die Dokumentation über diese Zeit im Leben Salle Fischersmanns und war gleichzeitig Titel seines Vortrags im vollbesetzten Hörsaal der philosophischen Fakultät der Uni. Hier schilderte er eindrücklich die Grausamkeit der Zeit und des Ortes. Eine Grausamkeit, die die NS-Propaganda vor der Welt verstecken wollte. So wurde das KZ Theresienstadt für den Besuch einer Rot-Kreuz-Delegation ‚humanisiert‘ und ein Propagandafilm gefertigt, der die ‚Harmlosigkeit‘ des Konzentrationslagers zeigen sollte. An diesem Film musste der damals 14-jährige Salle als Kabelträger mitwirken.
httpvh://www.youtube.com/watch?v=Zbs6yLpsOsU
Leute starben auf der Straße an Krankheit und Hunger
Auf die Frage nach dem Erlebnis, das am tiefsten in Fischermanns Gedanken sitzt, antwortet er: „Man sieht, dass da Leute auf der Straße vor Hunger und Krankheiten sterben. Ich war selbst krank und war in einer Stube mit 18 Matratzen untergebracht. Wir hatten alle schweren Durchfall und wurden dünner und dünner. Ich war dort fünf Tage und die Hälfte der Leute waren nach dieser Zeit tot.“ Heute will er durch Geschichten wie diese aufklären, was zu der Zeit tatsächlich im KZ Theresienstadt abgelief.
Fischermann verlor Vater und Geschwister
Durch den 1,5 Jahre langen Aufenthalt in Theresienstadt verlor Fischermann nicht nur seine Jugend, sondern auch einen Teil seiner Familie. „Für mich war es eine große traurige Sache. Ich habe meinen Vater 1946 verloren, einen Bruder und eine Schwester. Meine Mutter war allein mit vier Kindern. Und als wir nach Hause gekommen sind, war alles weg. Da war nur noch ein Pappkarton mit ein paar Bildern. Wir haben wieder angefangen – von vorne.“
Reaktion von Jugendlichen stimmt glücklich
Man könne nicht alle Menschen, auch die von damals, über einen Kamm scheren, betont Fischermann. Für ihn sei es wichtig, zu erzählen. Was damals passiert ist. Wenn er von jungen Leuten hört, dass diese diese Gedankengänge der damaligen Zeit nicht nachvollziehen können, stimmt ihn das glücklich.
Versöhnung statt Anklage
In seinem Vortrag betont der Überlebende, dass es ihm nicht um Anklage gehe. „Ich sage, Hass kann ich nicht brauchen. Das ist negativ und ich bin positiv. Ich habe eine wunderbare Familie und eine sehr schöne Frau – was kann ich denn mehr verlangen?“

