Knastheft bringt Leben in grauen Gefängnisalltag

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Würzburg erleben

15. Februar 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Der Weg zur Redaktionskonferenz ist lang. Es führt durch viele Gänge, Türen und Spezialschlösser müssen dabei aufgeschlossen werden, heißt es in einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens. Denn hier handelt es sich um keine normale Konferenz hinter großen luftigen Fenstern und mit dampfendem Kaffee auf dem Tisch – hier entsteht vielmehr der „Heftling“, das Knastheft für Gefangene der Justizvollzugsanstalt Würzburg. Anstaltslehrerin Daniela Lissy hat das Projekt ins Leben gerufen – jetzt entsteht bereits das vierte Heft.

„Ich empfinde den Alltag hier im Gefängnis als relativ grau und trist. Mit diesem Projekt will ich Farbe ins Gefängnisleben reinbringen“, sagt Daniela Lissy gegenüber Würzburg erleben. Die Anstaltslehrerin ist eigentlich Grundschullehrerin und unterrichtet die Gefangenen. Mit ihrem Heft, das nach dem Vorbild anderer Knastzeitungen in Deutschland entstand, will Lissy die Gefangenen zum Schreiben motivieren. „Wir hatten hier einen Gefangenen, der im Zirkus aufgewachsen ist. Er hat hier lesen und schreiben gelernt und dann auch einen Artikel verfasst.“

Themen aus dem Gefängnisalltag

Neben harten Themen, Kochrezepten für Gefangene oder auch unterhaltsamen Geschichten dreht sich alles um das Leben im Knast. „Wir möchten Themen reinbringen, die an Aktualität nie verlieren, aber in den Knast passen“, sagt einer der Insassen. Ein Dauerthema sei dabei auch das Einkaufen, da im Knast zwar gekocht werden darf, aber nicht alle Lebensmittel verfügbar sind. Es geht allerdings auch um Gewalt, Rechtsradikalismus oder Homosexualität. Derzeit arbeiten zwei Redaktionsmitglieder an der vierten Ausgabe, ab Mai soll es dann aber wieder richtig losgehen, um das nächste Heft zu finalisieren.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=kp6JWckG5ug

Layouter gesucht

Nachwuchssorgen für die Redaktion hat Lissy nicht: „Das spricht sich hier schnell rum“. Mehr Sorgen macht ihr derzeit das Layout. „Unser Layouter, ein gelernter Grafiker ist entlassen worden. Momentan haben wir keinen erfahrenen Häftling in Aussicht. Ich möchte aber mit der Qualität des Hefts auch nicht nachlassen“. Die Anstaltslehrerin hofft nun auf einen Studenten, der sich zum layouten der kommenden Ausgabe bereit erklärt.

Auflage von rund 800 Heften

Nur dann kommt auch jeder Gefangene in den Genuss eines kostenlosen „Heftlings“. Rund 600 bis 800 Verbrecher lesen derzeit die Knastzeitung. Der Überschuss an Magazinen geht an das Ministerium und Bekannte sowie Verwandte der Insassen. Rund 1.100 Euro kostet eine Auflage von 800 Heften – gedruckt von der Gefängnisdruckerei in Kaisheim. „Ich könnte mir schon vorstellen, das Heft auch für die Bevölkerung anzubieten“, sagt Lissy. Dafür müssten aber erst einmal Gelder beschafft und rechtliches abgeklärt werden.

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