Sozial gerecht mit monatlich 400 Euro Grundsicherung

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Würzburg erleben

20. Februar 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Gundo Vollrath aus Würzburg ist nicht gerade unter einem Glücksstern geboren. Der ehemals freiberufliche Schriftsetzer lebt von nicht einmal 400 Euro Grundsicherung. „Meine Monatsmiete ist um 60 Euro höher, als sie sein darf“, sagt der 81-Jährige seiner Beraterin Brunhild Berl beim Allgemeinen Sozialdienst (ASD) der Würzburger Caritas. Diesen Betrag ziehe ihm das Sozialamt von der „üppigen“ Grundsicherung ab. Ihm bleibe nun noch weniger zum Leben übrig, sagt er.

Jetzt habe auch die Waschmaschine ihren Geist aufgegeben. Der Senior sitzt in der Klemme: „Früher bekam man in diesen Fällen Geld vom Sozialamt“, sagt er. Nun ist eine Pauschale im Grundsicherungssatz enthalten. Die sollte er eigentlich jeden Monat auf die hohe Kante legen. Bei nicht einmal 400 Euro im Monat. Vollrath: „Das ist einfach nicht möglich!“ Dass Rentner unter solchen Nöten in Deutschland leben müssen, findet er ungerecht.

Die soziale Spannung steigt – Resignation auch

Der Tag der Sozialen Gerechtigkeit, der 2009 von den Vereinten Nationen eingeführt wurde, weist jährlich am 20. Februar auf solche sozialen Ungerechtigkeiten hin. Laut der Caritas ist es gerade auch in Deutschland nötig, auf die wachsende soziale Spaltung in der Gesellschaft hinzuweisen. So kommt die Bundesrepublik einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge im OECD-Vergleich nur ins Mittelfeld, was die soziale Gerechtigkeit anbelangt.

Von der Politik erhoffe er sich nichts mehr, sagt Gundo Vollrath resigniert. Er glaube nicht, dass sich seine Lage durch politische Entscheidungen einmal bessern wird. Hilfe erfahre er nur bei der Caritas, sagt er: „Seit 1996 komme ich hierher.“ Damals sei es um die GEZ-Gebühren gegangen. Seither reißt der Ärger nicht ab. Heute bringt er einen dicken Ordner voller Arztrechnungen und Krankenkassenkorrespondenz zu Brunhild Berl.

Ärger ohne Ende

Zu schaffen mache ihm außerdem ein Streit mit einem Mobilfunkanbieter. Der begann, als man ihm im Sommer letzten Jahres in Frankfurt das Handy geklaut hatte. Die Telekommunikationsgesellschaft verlangte im Nachhinein 34 Euro an Gebühren, die unmöglich aufgelaufen sein konnten: Vollrath besaß ein Prepaidhandy, sagt er. Vollrath zahlte nicht. Angesichts seiner Monatsrente sind 34 Euro viel Geld und er habe die Forderung nicht nachvollziehen können. Das Ganze müsse ein Irrtum sein, schrieb er dem Unternehmen. Dieses beharrte auf seiner Rechnung. Die Sache schaukelte sich auf. „Inzwischen soll ich 222 Euro zahlen“, zeigt er Brunhild Berl.

Dem agilen Senior würde niemand ansehen, welche Vielfrontenkämpfe er auszufechten hat. Vollrath strahlt Optimismus aus. Er lässt sich nicht unterkriegen. Er lese viel, recherchiere im Netz, halte sich tagespolitisch auf dem Laufenden und er diskutiere gern. Vollrath sagt, er wisse, dass kein Server vor der NSA sicher ist und er kenne die Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre auswendig.

Viele Klienten völlig überfordert

„Langeweile habe ich nie“, sagt er. Unter den über 800 ASD-Klienten, die jährlich von Brunhild Berl und ihrer Kollegin Jutta Hackel beraten werden, sei er eine Ausnahme, sagen sie. Viele ihrer Klienten seien völlig überfordert mit ihrer Situation, wüssten nicht, wie sie Anträge stellen oder Widerspruch einlegen. Insgesamt wachse die Not in Würzburg, stellen sie fest. Mittlerweile rufen so viele Menschen an, dass längst nicht mehr alle Anrufer einen persönlichen Beratungstermin bekämen. Die Politik solle für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen, sagt Beraterin Brunhild Berl.

In Fällen wie Gundo Vollrath hilft neben der Caritas auch die Würzburger Tafel.

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