Würzburger Dolmetscher auf Mission im türkischen Trabzon

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Würzburg erleben

21. Februar 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Troublezone nennt der Würzburger Alperen Celik spaßeshalber den Bundeswehrstützpunkt im türkischen Trabzon. Doch hier ist es vergleichsweise ruhig. Das Städtchen im Norden der Türkei liegt direkt am schwarzen Meer. Hier kommt Urlaubsflair auf, so weit weg von den anhaltenden Unruhen im Süden des Landes oder in der Hauptstadt selbst. Etwa 250.000 Menschen leben in Trabzon. Das ist rund das Doppelte der Bevölkerung von Würzburg. Celik arbeitet in Trabzon als Dolmetscher für die deutsche Bundeswehr, die von hier aus Material aus Krisengebieten zurück verlegt. Trabzon ist ein logistischer Umschlagplatz, um das Personal und das Material des ISAF-Mandats der Bundeswehr in Afghanistan bis Ende 2014 schrittweise zu reduzieren. Um die Aufgaben der Bundeswehr auch mit den einheimischen Arbeitern zu koordinieren, wird Celiks Hilfe benötigt.

Erstmals Erfahrungen mit Trabzon

„Nach Trabzon wurde ich durch das Bundessprachenamt bei Köln entsandt nachdem ich mich dort beworben hatte. Vorher war ich persönlich auch noch nie in Trabzon und bin nun froh, auch diese Ecke der Türkei kennenlernen zu dürfen“, sagt der gebürtige Unterfranke mit türkischen Wurzeln. Ursprünglich hatte der 31-Jährige Politik studiert. Jetzt übersetzt er von Ansprachen des Oberst beim Neujahrsempfang bis hin zu den Reparaturaufträgen für die eingesetzten Gabelstapler alles. „Und wie das auch zu Hause ist, muss man manchmal auch mal einen Kameraden zum Arzt begleiten oder mit dem Fuhrparkleiter in eine Kfz-Werkstatt fahren, wenn etwas repariert werden muss oder ein Ersatzteil benötigt wird.“

110 Soldaten und Angestellte

Grundsätzlich reicht das Aufgabenspektrum der Bundeswehr vor Ort von der Einrichtung eines Kommunikationsnetzwerks bis hin zur Lagerung- und Weitertransportplanung. „Wir sind hier momentan etwa 110 Soldaten und Zivilangestellte, die an dieser Aufgabe beteiligt sind“, erzählt der Übersetzer. Das Verhältnis zu den Soldaten beschreibt er als solidarisch. „Da es hier kein Militäreinsatz ist, sondern ein Einsatz im regulären Friedensbetrieb ist es sehr kumpelhaft.“

Wenig Parallelen zu Würzburg

Zwischen seiner Heimatstadt Würzburg und Trabzon kann Alperen Celik nur wenig Parallelen ziehen. Zu unterschiedlich sei die Situation von Meer und Main – das was für Würzburg Wein und Weintrauben sind, ist für Trabzon der Tee und Haselnüsse, sagt der Zivilangestellte. Denn Trabzon trägt als Beinamen ‚Nusshauptstadt der Türkei‘. „Auch wenn Trabzon nun nicht den typischen Flair einer Stadt am Meer für mich hat, so gibt es auch hier wirklich spektakuläre Orte mit atemberaubernder Aussicht, sehr leckeren Fischlokalen und gemütlichen Bars. Nur ist das für seine stürmischen Wellen bekannte Schwarze Meer eben gar nicht zu vergleichen mit dem eindeutig wärmeren Mittelmeer im Süden des Landes.“

Unruhen im Land Thema

Natürlich sei der Konflikt in Syrien auch in Trabzon großes Thema. Das bekommt der 31-Jährige bei den Gesprächen mit den Einheimischen schnell mit. „Viele Menschen sind von einer Gefahr der flächendeckenden Ausweitung dieses bereits jetzt internationalisierten Konfliktes höchst beunruhigt. Aber von den Ereignissen direkt erfährt man ebenso wie bei uns daheim auch nur über die Medien. Ansonsten ist die Region einfach zu weit entfernt, so dass es eigentlich keine unmittelbaren Berührungspunkte gibt.“ Von Unruhen, vor allem die von der Räumung des Istanbuler Gezi-Parks ausgelösten Protesten, gebe es in Trabzon aber keine Spur. „Da regen sich die Menschen hier wohl weitaus mehr über die Haltung des Türkischen Fußballverbands auf, der im aufgedeckten Wettskandal im türkischen Fußball sich auf die Seite der hier äußerst unbeliebten gegnerischen Mannschaft Fenerbahce gestellt hat.“

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