Würzburg würdigt Wolfgang Lenz mit Ehrenabend und Straßenbenennung
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Würzburg erleben
17. März 2014

Symbolbild Würzburg
Der „Würzburger Totentanz“ mit den Gesichtern des Todes, die mahnend auf der Alten Mainbrücke vor den Ruinen der Altstadt Würzburgs geistern, ist sicherlich das auch emotional beeindruckendste Werk des Künstlers Wolfgang Lenz. Der grausame Anblick seiner am 16. März 1945 zerstörten Heimatstadt, wie er sie als 20-jähriger Kriegsheimkehrer gesehen hatte, ließ Lenz nie mehr los. Seine Darstellung dieser traumatischen Erfahrung zieht auch heute noch den Betrachter in den Bann. Die wechselvolle Geschichte seiner Heimatstadt war es auch, mit der Wolfgang Lenz in liebevoller Kleinarbeit und in großartiger Gesamtschau im Ratssaal der Stadt Würzburg darstellte. Wolfgang Lenz verstarb am 1. Januar 2014. Die Stadt Würzburg hat den Künstler nun mit der Benennung des „Wolfgang-Lenz-Weges“ und einem Abend im Ratssaal des Rathauses geehrt – an einem Ort, der wohl kaum würdiger sein konnte. Wolfgang Lenz malte eben diesen Ratssaal im Auftrag des Würzburger Stadtrates in den Jahren 1984 bis 1987 mit großflächigen Wandgemälden aus.
„Sein Lebenswerk wird nicht in Vergessenheit geraten“
Wolfgang Lenz war weit über die Grenzen Würzburgs hinaus bekannt, seine Kunst ist der „pittura metafisica“ und dem Phantastischen Realismus sehr nahe. Bürgermeister Dr. Adolf Bauer, der sowohl die Straßenbenennung als auch den Ehrenabend für Lenz angeregt hatte, bezeichnete die Wiederherstellung der Wandmalereien im „Grünlackierten Zimmer“ der Residenz von 1974 als „künstlerische Großtat“ und würdigte ganz besonders vor allem die Rekonstruktion der Hinterglasmalereien im Spiegelkabinett bis 1986 durch Lenz. Neben großen öffentlichen Aufträgen, Wand- und Hinterglasmalereien schuf Wolfgang Lenz Ölgemälde, Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen und Bühnenbilde. „Er stellte an sich höchste Ansprüche. Mit technischer Perfektion und akribischer Genauigkeit schuf er eine faszinierende Scheinwirklichkeit, indem er die Eingebungen seiner regen Phantasie mit einer bis ins kleinste Detail exakten Naturanschauung verband. Seine Bilder sind bis ins letzte ausgearbeitet, nichts erweckt den Eindruck des Zufälligen oder Halbfertigen. Umso beeindruckender ist der Umfang seines Oeuvres, der ein Höchstmaß an Disziplin und Fleiß erforderte“, so der Bürgermeister.
Als „den“ Geschichtsmaler seiner Heimatstadt, würdigte Professor Stefan Kummer in seinem Gedenkvortrag „Wolfgang Lenz – sein Lebenswerk.“ Professor Stefan Kummer hatte von 1987 bis 2013 den Lehrstuhl für mittlere und neuere Kunstgeschichte an der Julius-Maximilians-Universität inne. Zudem ist er eng mit der Familie des Malers befreundet. Kummer resümierte, Lenz lasse sich nicht in eine Schublade stecken, doch mit der Neuschöpfung des Spiegelkabinetts in der Würzburger Residenz und mit der Ausmalung des Würzburger Ratssaales habe er sich so tief in das Gedächtnis der Nachwelt eingegraben, „dass sein Lebenswerk nicht in Vergessenheit geraten wird.“ Aufgrund seiner großen Erfahrungen in der Hinterglasmalerei habe Lenz mit der Neuschöpfung des Spiegelkabinetts trotz aller Originaltreue auch seine künstlerische Individualität einfließen lassen. „Es ist unverkennbar ein Werk von Wolfgang Lenz, keine ängstliche Nachahmung, sondern in stilvolle Nachschöpfung übersetzt.“
Neben Witwe Hella Lenz, Tochter Barbara, zahlreichen Freunden und Stadtratsmitgliedern erwiesen dem Maler auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Armin Grein als Vertreter des Bezirkstagspräsidenten, der ehemalige Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Walter Eykmann, die Landtagsmitglieder Volkmar Halbleib, Oliver Jörg und Georg Rosenthal noch einmal die Ehre im Würzburger Ratssaal.
Die Vita des Wolfgang Lenz
Wolfgang Lenz wurde am 17. März 1925 in Würzburg geboren, er verstarb am 1. Januar 2014 ebenfalls in Würzburg. Nach dem Kriegsdienst absolvierte er eine Ausbildung als Maler bei Heiner Dikreiter, studierte bis 1958 an der Akademie der Bildenden Künste in München und kehrte nach einem Jahr in Rom nach Würzburg zurück. Dort war er zunächst Lehrer an der Werkkunstschule und seit 1971 freiberuflich tätig. Wolfgang Lenz erhielt für sein herausragendes künstlerisches Wirken zahlreiche hohe Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden, den Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung und die Medaille Pro Meritis des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst. Die Stadt Würzburg ehrte ihren großen Bürger mit der Verleihung ihres Kulturpreises, des Goldenen Stadtsiegels und des Tanzenden Schäfers.

