Damals und Heute: Hans Löffler und die OB-Kandidaten
Anzeige
Würzburg erleben
26. März 2014

Symbolbild Würzburg
Am kommenden Sonntag, den 30.März, geht es für die beiden OB-Kandidaten Christian Schuchardt und Muchtar Al Ghusain in die Stichwahl. Dieses Ereignis haben wir in der „Würzburg erleben“-Redaktion zum Anlass genommen, uns mit einem Heimathistoriker und zwei Nachkommen eines früheren Oberbürgermeisters der Stadt Würzburg zu treffen. Dieser OB mag vielen unbekannt sein, seine Taten sind aber bis heute nicht in Vergessenheit geraten. Georg Seissiger, seine Cousine Petra Seissiger und der Heimatforscher Erwin Schmollinger erzählten uns interessante Details über den damaligen OB Hans Löffler und zogen Parallelen zur heutigen Situation.
Wer war Hans Löffler und was hat er bewirkt?
Hans Löffler wurde 1872 in Würzburg geboren und kam für die Oberschule nach Würzburg, wo er auch sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften absolvierte. Nachdem er noch für einen Anwalt gearbeitet hatte, wurde er sehr früh in seiner Laufbahn von der Stadt Würzburg übernommen. Als Rechtsassessor und anschließend rechtskundiger Magistratsrat (heute mit einem Referenten vergleichbar) hat Löffler seine Karriere bei der Stadt gefestigt. Interessant: Damals wurde der Stadtrat alle 2 Jahre gewählt!
Eines seiner ersten und größten „Projekte“ war der Bau des Luitpold-Krankenhauses, der heutigen Uni-Klinik. Er war der städtische Berater für den Bau des Krankenhauses und hat bei der Entstehung massgeblich mitgewirkt. Dafür wurde ihm auch ein medizinischer Ehrendoktortitel verliehen.
Als „Judenbürgermeister“ diffamiert
1922 trat er das OB-Amt an und wurde 1930 wieder gewählt. 8 Jahre dauerte seine damalige erste Amtszeit, während die zweite schon nach drei Jahren beendet wurde, als Löffler sich weigerte, sich dem Nazi-Regime unterzuordnen. Er wurde auch als „Judenbürgermeister“ bezeichnet, da er beispielsweise jüdisches Kunsthandwerkt förderte, anstatt es zu verbieten. In das Amt des Oberbürgermeisters wurde er einmal frei vom Volk gewählt und einmal einstimmig vom Stadtrat. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er schnellstens zum Wiederaufbaukommissar berufen und hat zwischen 1946 und 1948 noch einmal zwei Jahre als Oberbürgermeister gedient, bevor er sich im Alter von 76 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zurückzog.
Mit Sparsamkeit solide Finanzen geschaffen
Hans Löffler war ein sehr, sehr sparsamer Mensch und durch diese Sparsamkeit haben nicht nur die Bilanzen der Stadt Würzburg während seiner Amtszeit geglänzt, es konnte auch viel gebaut und verwirklicht werden. In seiner Amtszeit hat er den Bau eines Kanals von Schweinfurt bis Wernfeld verhindert, der den Schiffsverkehr über Würzburg völlig abgeschnitten hätte, den Hafenbau vorangetrieben, die Straßenbahnen nach dem 1. Weltkrieg wieder mobilisiert und die Stadtwerke ausgebaut. Desweiteren hat er mit Hilfe der Max-Heim-Stifung die Städtische Volksbücherei gegründet, das Überlandwerk als Elektrizitätsversorger mitbegründet, das Mozartfest gefördert und den Stadtteil Heidingsfeld eingemeindet – und das war noch längst nicht alles.
Eingemeindung Heidingsfeld ein großer „Fehler“
Die Eingemeindung des Stadtteils Heidingsfeld sollte jedoch einige Jahre später einen bitteren Beigeschmack bekommen. Würzburg hatte vor der Eingemeindung ca. 91.000 Einwohner und wäre deshalb wahrscheinlich nie durch einen Luftangriff zerstört worden, da erst Städte mit einer Einwohnerzahl von mehr als 100.000 auf die „Angriffsliste“ kamen. Dieses Ereignis soll den Verdienst des Hans Löffler aber in keinster Weise schmälern, denn der damalige OB war sehr engagiert seine Stadt entwicklungstechnisch voranzutreiben und hat viel für das heutige Würzburg geleistet.
Parallelen zwischen damals und heute
Hans Löffler hat viel für Würzburg bewirkt, vor allem viele Dinge, von denen auch heute noch die Bürger profitieren. Kann man die damaligen Taten mit dem heutigen Wirken des heutigen OB´s überhaupt noch vergleichen? Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen den beiden Amtszeiten, denn es stehen ähnliche Entscheidungen an.
Heute steht der Bau der Linie 6 in Richtung Hubland ein gewichtiges Thema. Unter Hans Löffler wurden gleich zwei Straßenbahnlinien erweitert bzw. gebaut. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie in Grombühl konnte mit den damaligen finanziellen Mitteln der Stadt nicht verwirklicht werden. Da die Linie aber unbedingt verwirklicht werden sollte, ließ er sie kurzerhand aus privaten Spenden finanzieren. Solche Maßnahmen waren keineswegs an der Tagesordnung, aber in der Not wurden auch Ausnahmen zugelassen. Auch die Linie nach Heidingsfeld wurde in dieser Zeit umgesetzt.
Wobei schon die zweite Parallele auftaucht, durch die Eingemeindung von Heidingsfeld konnte ein neuer Stadtteil erschlossen werden und Würzburg seine Grenzen ausweiten. Heute geht es darum, den neuen Stadtteil Hubland, ins Stadtbild zu integrieren, unter anderem eben mit einer Straßenbahnanbindung und verschiedenen Baumaßnahmen.
Was bedeutet das nun für den neuen Oberbürgermeister?
Gegen Ende unseres Interviews haben wir die Befragten gebeten, eine Stellungnahme abzugeben, was sie bzw. Hans Löffler dem neuen OB mit auf den Weg geben würden.
Georg Seissiger gibt zu Bedenken, dass sein Urgroßvater Hans Löffler sein Handwerk von der Pike auf gelernt hätte. Er hat fast seine ganze Karriere im Dienste der Stadt Würzburg abgeleistet und die Tätigkeiten als Referent und in der Verwaltung haben ihm sehr viel Fachwissen gebracht. Er war extrem bedacht auf die Finanzen der Stadt und hat es vermieden unnötig Geld zu verwirtschaften.
Laut Petra Seissiger sind große Ideen zwar gut, man müsse aber das Finanzielle im Kopf behalten und die Umsetzung der Ideen in Angriff nehmen. Ihr Cousin fügt noch hinzu, dass Sympathie möglicherweise erst mit der Zeit komme. Hans Löffler war durch seine Konsequenz bestimmt nicht bei allen Leuten beliebt, hat aber Großes geleistet und heute sind die Leute froh darum.
Herr Schmollinger schließt sich beim Thema Finanzen dem allgemeinen Tenor an und gibt noch einen Tipp zum Bau der Straßenbahn. Die Linie 6 sei extrem wichtig und müsse unbedingt verwirklicht werden, die Schleife in die Otto-Straße würde es aber nicht brauchen, damit könne man sich einiges an Kosten sparen.
Abschließend kann man mit Sicherheit sagen: Ein Oberbürgermeister hatte es zur damaligen Zeit nicht einfach und heute genauso wenig. Hans Löffler hat in einer Zeit des Umbruchs vieles bewegt und wir wünschen dem neuen OB, wer immer es auch wird, dass er das genauso gut hinkriegt!

