Gastbeitrag: Kunstpelz ist Echtpelz

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Würzburg erleben

28. März 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Vor kurzem hatten wir ein Bild aus der Mittagspause gepostet, in welchem ein junger Mann die Sonne genießt. Seine Jacke mit Pelzkragen löste in dem Post eine kleine Diskussion aus und aus diesem Grund wollen wir heute einen Gastbeitrag einer Leserin veröffentlichen, die sich mit dem Thema „Kunstpelz ist Echtpelz“ auseinandersetzt. Die junge Dame hat uns direkt angeschrieben und wir haben sie gebeten, einen Gastbeitrag zum Thema zu verfassen.

Ein Gastbeitrag von Julia

„107 Millionen Tiere sterben jährlich für die Pelzindustrie

Die Pelzproduktion boomt. Der nächste Winter kommt gewiss und die Modedesigner scheinen kein Aus für den Pelzkragen, -mantel oder die flauschigen Mützenbommel geplant zu haben. Billigimporte bestimmen dabei den Preis. So ist in Deutschland für nur 20 Euro eine Jacke mit Echtfellkragen zu bekommen. Für gerade einmal 5 Euro kann man eine Mütze mit Echtpelzbommel kaufen. Kunstpelz ist heute in der Herstellung sogar teurer als ein echter Pelz. Wer denkt, die Felle seien Abfallprodukte der Fleischindustrie, der irrt!

Aber wie sieht also die Billigproduktion von Pelzen aus? 50% der Billigpelze kommen aus China. Die Tiere dort, welche lange Zeit in Käfigen im Freien ausharren müssen, warten auf die nächste „Ernte“. Sie werden erschlagen oder stranguliert und zum Teil bei lebendigem Leib gehäutet.

„Bist du gelabelt?“, die Anti-Pelz-Kampagne des Tierschutzvereins AnimalsUnited e. V. (mit der Unterstützung von Musiker Peter Maffay und Tattoomodel Sandy P. Peng), kämpft bereits seit fast drei Jahren dafür, dass sich daran schnell etwas ändert.

Tierfelle gelangen als „Kunstpelz“ oder „Fake Fur“ in Läden

Wie kann ich als Kunde Kunstpelz von echtem unterscheiden? Seit 2009 ist die Einfuhr von Katzen- und Hundefell in die EU eigentlich verboten. Nach den aufgedeckten Echtpelzverkäufen bei Tom Tailor, der Müller Drogerie und auch Karstadt Sport steht inzwischen aber fest, dass viele Geschäfte Echtpelz anbieten, ohne dies zu wissen!

Derzeit gibt es nämlich keine Kennzeichnungspflicht für echten Pelz, wenn das Kleidungsstück zu mindestens 51% aus Stoff besteht! Nach einer erfolgreichen Petition, die beim Deutschen Bundestag eingereicht wurde, wird erst im Juni 2014 eine Anhörung im Bundestag stattfinden.

http://www.youtube.com/watch?v=2rgyxlgTLmo

Auf eine fachkundige Beratung kann man sich derzeit also nicht verlassen. Lediglich die Bezeichnung „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ ist gelegentlich auf einem Etikett zu entdecken. Die gern genannten günstigen Preise dienen nicht mehr länger als stichhaltiges Argument, dass es sich um Kunstpelz handeln muss. Denn die Fellbommel an den Mützen, Handtaschen und sogar Kinderschuhen sind absolut erschwinglich, oftmals sogar Schnäppchen.

Auch der Pusttest, der Brenntest, der Nadeltest und was es sonst noch alles gibt, scheinen keine wirklich sicheren Methoden zu sein, Echtpelz ausfindig zu machen. Denn die echten Felle werden in der Verarbeitung oft so stark mit Chemikalien behandelt, dass sie anschließend nicht nur unecht aussehen, sondern beim Verbrennen auch abartig stinken.

Wer also ganz sicher sein will, mit seinem Einkauf kein Tierleid zu fördern, der sollte auf Pelzbesatz gänzlich verzichten!

Persönliches

Als Würzburg erleben mir anbot, einen Gastbetrag auf dieser Seite zu verfassen, war ich zunächst etwas skeptisch. Auf der einen Seite hat es mich gefreut, eine solche Chance zu erhalten, andererseits dachte ich „Warum soll ich mir denn Mühe geben, wenn es doch eh keinen zu interessieren scheint“. Inzwischen denke ich etwas anders. Denn die Sache der Tiere steht für mich höher, als die Angst mich lächerlich zu machen!

Vor wenigen Jahren war ich selbst noch ziemlich ignorant. Ich war viel und sehr gerne Shoppen. Es interessierte mich nicht, bzw. ich kam gar nicht auf die Idee zu fragen, wie die Kleidung hergestellt oder unter welchen Bedingungen sie vertrieben wird.

Ich aß zudem auch jeden Tag mindestens einmal, – naja, eher zwei Mal – Fleisch und das völlig ohne darüber nachzudenken, dass für jeden Burger, jedes Wurstbrot und jede kleine Portion Schinkennudeln Tiere ihr Leben gelassen hatten. Bei Berichten im Fernsehen über Tierquälerei und ähnlich grauenvolle Themen habe ich schnell umgeschalten, um bloß nichts über solche Zustände zu erfahren.

Das alles änderte sich dann irgendwann und ich kann heute nicht einmal genau sagen, was genau der Auslöser dafür war. Ich halte meine heutige Einstellung keinesfalls für die einzig richtige und mich selbst auch nicht für einen besseren Menschen. Aber ich habe gemerkt, dass es mir persönlich ein wunderbares Gefühl gibt, zumindest zu versuchen, immer öfter das Richtige zu tun.

Ich gehe mit offeneren Augen durch die Welt, informiere mich über Produkte und recherchiere die Hintergründe. Nicht, weil ich zu viel Zeit und keine anderen Hobbies hätte. Nein, das alles hilft mir, bewusster einzukaufen. Denn ich shoppe heute noch genausso gern wie früher, aber ich möchte mit meinem Geld eben kein Tierleid mehr mitfinanzieren. Denn:

Manche Leute sagen, man kann nicht allen helfen, und helfen keinem

Über dieses Zitat von Peter Frankenfeld (1913-1979) habe ich schon oft nachgedacht. Meiner Meinung nach darf niemand dazu gezwungen werden, anderen zu helfen, aber alle haben die Pflicht, Schlimmes nicht auch noch zu fördern!

Denkt mal darüber nach. :)

Eure Julia – mit Yaris und Polly“

Habt auch ihr ein Thema, welches euch am Herzen liegt? Gastbeiträge sind bei uns herzlich willkommen! Schreibt uns unter redaktion@wuerzburgerleben.de.

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