ZDF-Kamera auf Tritt und Schritt: Würzburger Studentin ließ sich für "37°" filmen
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Würzburg erleben
28. März 2014

Symbolbild Würzburg
„Am Anfang war es für alle extrem spannend, weil es nichts Alltägliches ist. Man musste auch erstmal damit umgehen lernen, ständig von einem Kameramann, einem Tonmann und dem Regisseur „verfolgt“ zu werden. Doch ziemlich schnell konnte man die Kamera ausblenden und hat sich nicht mehr daran gestört.“ Michelle Wiener ist „flügge geworden“ – zumindest hat es das ZDF so bezeichnet, als der Sender Michelle und ihre Familie für die Doku-Reihe „37 Grad“ fast ein Jahr lang mit der Kamera begleitet hat. „Eltern allein zuhause – wenn die Kinder flügge werden“ hieß der Titel dieser Reportage. Nicht nur Michelle wurde dabei von der Kamera begleitet, sondern auch noch eine andere Familie und ihr Sohn. Der Titel verrät es schon: Es geht um Kinder, die ausziehen und von ihren Eltern weggehen, in ein soziales Jahr oder aber zu einem Bio-, Chemie- und Erziehungswissenschaftsstudium nach Würzburg – so wie Michelle.
Sendetermin verschoben
Abiball, Partys, Wohnung suchen – alles das hat die Kamera des ZDF dabei von Michelle mitgenommen. Seit Mai 2013 war die Kamera immer wieder dabei. Eigentlich sollte die Doku schon am 3. Dezember ausgestrahlt werden. „Somit hat man eigentlich ständig auf dieses Datum hingearbeitet. Wir waren auch irgendwie glücklich darüber, weil wir nun schon seit einem guten halben Jahr fast jeden Schritt und Tritt mit der Kamera gemacht haben“, sagt Michelle. Dann kam aber die Nachricht, dass der Sendetermin nach hinten verschoben wird – bis in den März. „Ab diesem Zeitpunkt war es recht anstrengend, weil die Kamera dann auch noch mit in die Uni kam und dort eindeutig zu viel Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war.“
Einmal selbst Kamerafrau und Regisseurin
Deswegen fand Michelle vor allem den Teil spannend, in dem sie selbst mal Regisseurin spielen durfte. Sie hatte mit ihrer besten Freundin einen Segelflug gemacht und dabei die Kamera selbst in der Hand. Auch beim Drehtag des Umzugs nach Würzburg „passierten viele lustige Sachen, die dann aber leider nicht im endgültigem Bericht gezeigt wurden“, sagt sie.
Dass die Kamera alles sieht und manchmal auch sehen muss, wurde ihr besonders deutlich, als sie sich beim Schminken nicht im Spiegel sehen durfte, damit die Kamera sie gut im Bild hatte. „Manche Sachen mussten auch sehr sehr oft wiederholt werden weil immer etwas schief ging. Das war dann spätestens nach dem fünften Versuch auch anstrengend.“
„Ein vollkommen verzerrtes Bild“
Auch wenn Michelle sagt, man solle „niemals nie sagen“, glaubt sie, dass ihre Familie und sie selbst nicht noch einmal Lust habe eine Doku über ihr Leben zu machen. Insgesamt störte sie nämlich der geringe Einfluss auf das Team von 37 Grad: „Man hat einfach zu wenig Mitspracherecht, wenn es darum geht, was im Fernsehen gezeigt wird was nicht.“ Dadurch habe das ZDF auch ein „vollkommen verzerrtes Bild“ dargestellt. Sie liefert auch ein paar Beispiele: „Wir waren sehr enttäuscht darüber, dass es so dargestellt wurde, als sei der Elterntag [an der Uni] vor meiner Entscheidung wo ich studieren möchte und in welche Wohnung ich ziehen möchte gewesen.“ Michelle sagte gegenüber Würzburg erleben, dass es im Film so rüber kam, als hätten die Eltern alles kontrollieren müssen. Aber das sei vollkommen falsch: „Da ist wirklich nichts Wahres dran. Ich habe mir beides selbst ausgesucht.“ Der Regisseur habe außerdem in den Szenen, in denen ihre jüngere Schwester zu Wort kam, „nur die Teile gewählt, in denen sie etwas Negatives gesagt hat.“
„Lebensabschnitt mit Hintergrundmusik“
Die gesamte Familie habe gelernt, dass man „alles, was im Fernsehen gezeigt wird“ hinterfragen sollte, denn man könne sich nie sicher sein, ob es der Wahrheit entspricht oder ob dem Zuschauer vielmehr ein bestimmtes Bild vermittelt werden soll. „Ich bin trotzdem stolz den Mut gehabt zu haben, bei einer solchen Aktion mitzumachen und nun einen Lebensabschnitt mit Hintergrundmusik zu haben“, sagt sie. Von ihren Freunden und Bekannten gab es durchgehend positive Rückmeldungen „weil sie wissen wie unsere Familie tickt und wie der richtige chronologische Ablauf war.“

