"Akademisierungswahn": Situation auf Ausbildungsmarkt verschärft
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Würzburg erleben
2. April 2014

Symbolbild Würzburg
Die mainfränkischen Unternehmen haben im Jahr 2013 insgesamt 4.017 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Minus von 219 Verträgen (5,2 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr.
„Dieser Trend kommt wenig überraschend.“, so Max-Martin W. Reinhard, Bereichsleiter der IHK-Berufsausbildung. Bereits seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Schulabgänger in den Städten und Landkreisen deutlich. Zusätzlich streben die Jugendlichen heute vermehrt auf weiterführende Bildungswege, sodass der Bewerbermarkt zunehmend schrumpft. Nur weil die Betriebe in den vergangenen Jahren ihr Ausbildungsengagement gesteigert haben, liegen die Ausbildungszahlen trotz rückläufiger Schülerzahlen auf hohem Niveau.
„Der Rückgang der Ausbildungszahlen ist insbesondere dem Akademisierungswahn der vergangenen Jahre zuzuschreiben“, erklärt Reinhard. Natürlich sollte sich jeder Jugendliche oder junge Mensch seinen Talenten und Fähigkeiten entsprechend entfalten. Aber nicht für jeden Abiturienten sei ein Studium das Richtige, wie die hohen Abbruchquoten an den Hochschulen zeigen: Jeder Vierte Studienanfänger – in den Ingenieurwissenschaften sogar jeder Zweite – beendet sein Studium ohne Abschluss. „Das sind pro Jahr etwa 100.000 junge Menschen, die mit einer dualen Ausbildung vielleicht besser beraten gewesen wären.“, so Deinhard.
Ausbildungsmarketing verstärken
Die IHK wirbt für die Duale Berufsausbildung und unterstützt Unternehmen bei der Heranbildung des Nachwuchses und der Fachkräftesicherung. Das im
vorigen Jahr gemeinsam mit Kooperationspartnern abgeschlossene Projekt „Sommercamp“ hat 41 Schweinfurter Hauptschüler auf ihren Schulabschluss
vorbereitet. Die meisten schafften einen qualifizierenden Hauptschulabschluss, 19 von ihnen starteten im Herbst 2013 direkt eine Berufsausbildung in einem Betrieb oder in einer Berufsfachschule. Das bayernweit neue Kooperationsprojekt „DIREKT – Brücke Studium-Wirtschaft“ der Universität Würzburg mit der mainfränkischen Wirtschaftskammer und dem Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Würzburg bietet Studierenden der Geisteswissenschaften durch eine betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikation und Praktika in Unternehmen bessere Chancen auf einen schnelleren Berufseinstieg.
Viele mainfränkische Unternehmen haben die Situation bereits erkannt. Acht von zehn möchten laut einer aktuellen Ausbildungsumfrage unter 165 Unternehmen ihr Engagement im Vergleich zum Vorjahr steigern oder zumindest beibehalten. Über ein Drittel der Befragten (40 Prozent) ist an einer Partnerschaft mit Schulen interessiert. Die Ausbildung des eigenen Fachkräftenachwuchses ist für 87 Prozent die bevorzugte Strategie bei der Fachkräftesicherung.
Digitales Lernen unterstützen
Auch Weiterbildung liegt mehr denn je im Trend, wie über 6.500 Teilnehmer an IHK-Weiterbildungsmaßnahmen zeigen (Vorjahr 6.052). Die Einbindung
digitaler Inhalte in das Lehrgangsangebot – das sogenannte Blended-Learning – werde dabei ein Erfolgsfaktor bei der Umsetzung von Maßnahmen sein, so
Udo Albert, IHK-Bereichsleiter Anpassungsweiterbildung: „Die Kombination von Selbstlernphasen und Präsenzunterricht kommt der individuellen Lerngestaltung der Teilnehmer entgegen.“ Die IHK hat hier seit Januar 2014 Sprachenseminare, Ausbilderlehrgänge und die Weiterbildung zum Medienfachwirt im Angebot. Die Zahl der durchgeführten Firmenschulungen an den beiden Standorten Würzburg und Schweinfurt lag nahezu auf Vorjahresniveau. Dies zeige laut Albert, dass Unternehmen Weiterbildung als Strategie gegen den drohenden Fachkräftemangel verstehen.
Stipendium für gute Leistungen
Im Mittelpunkt der Begabtenförderung der beruflichen Bildung stand auch im abgelaufenen Jahr die Förderung von leistungsfähigen, jungen Fachkräften
nach ihrer Berufsausbildung. Ein Weiterbildungsstipendium eröffnet ihnen dabei einen geförderten Einstieg in das lebenslange Lernen. In 2013 konnten
insgesamt 50 Stipendiaten in die Förderung aufgenommen werden, denen die Stiftung Begabtenförderung Berufliche Bildung (SBB) 196.000 Euro Fördergelder bewilligte.

