Kfz-Zeichen: Nicht jede Kennung ist gern gesehen

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Würzburg erleben

11. April 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Gibt es „Nazi-Nummernschilder“?

Einer unserer Fans hat uns wieder mal auf etwas sehr interessantes aufmerksam gemacht: Der Fan berichtete uns, er habe ein Kfz-Kennzeichen mit einer auffälligen Buchstaben- und Zahlenkombination gesehen und wollte wissen, ob wir bei der Kfz-Zulassungsstelle nachfragen könnten, inwiefern denn das eigentlich erlaubt sei. Hä, dachten wir uns im ersten Augenblick? Was soll an einem normal aussehenden Kfz-Zeichen nicht erlaubt sein?

Nationalsozialistische Codierung

Die Lösung schickte der Fan uns direkt im Anschluss. Es gibt Buchstaben- und Zahlenkombinationen, die auf einen nationalsozialistischen Hintergrund schließen lassen und deshalb verboten sein sollen. „HH“ könnte dabei auf ein „Heil Hitler“ hindeuten, ähnlich wäre es mit Kombinationen wie „KZ“ oder „HJ“. Auch Zahlen lassen sich demnach über ein einfaches System in Buchstabenkombinationen übersetzen. Ein „H“ wäre demnach der 8. Buchstabe im Alphabet und eine 88 könnte daher wiederum als „HH“ angesehen werden.

Unerwünschte Kennzeichen gibt es tatsächlich

Wir haben bei der Stadt Würzburg nachgefragt und die Vermutung wurde bestätigt. Es gibt tatsächlich einige Buchstaben-Kombinationen, die bundes- bzw. bayernweit nicht vergeben werden. Bereits im Jahre 1978 erging vom Bundesverkehrsministerium die Empfehlung an die Bundesländer, Kombinationen, die auf ehemalige nationalsozialistische Vereinigungen oder Einrichtungen hinweisen, nicht zu verwenden. Im Bund-Länder-Fachausschuss Fahrzeugzulassung einigte man sich auf „SA“, „HJ“, „SS“, „KZ“ und „NS“. Die Kombinationen „HJ“, „KZ“, „SA“ und „SS“ sind entsprechend auch im EDV-System der Kfz-Zulassungsstelle gesperrt. Weitere feste Sperren gibt es nicht.

„HH“ und „AH“ sollen nicht vergeben werden

Es gibt jedoch neuere Empfehlungen des Bayerischen Verkehrsministeriums auch weitere Kombinationen nicht zu vergeben. Dies sind die Kombinationen „HH“ und „AH“. In der Praxis galten diese Kennzeichen jedoch über Jahrzehnte als unverdächtig, weil sie beispielsweise auf jedem in Hamburg oder Ahaus zugelassenen Kfz zu finden sind.

Auch die Ziffern „88“ oder „18“ oder „28“ (Bezug auf 2000 verbotene Skinheadorganisation „Blood & Honour“) werden heute nicht mehr empfohlen, diese Nazi-Code-Sprache war und ist aber natürlich nicht jedem Halter bekannt. Für viele Bürger sind oder waren vier Achter auch eine eingängige Schnapszahl. In anderen Kulturkreisen (z.B. China) ist die „8“ eine begehrte Glückszahl. Es gibt keine Empfehlung des Ministeriums auch alte Kennzeichen nachträglich aus dem Verkehr zu ziehen.

Wohingegen Nazi-Codes wie die „88“ erst in den letzten Jahren so „populär“ wurden, dass die Stadt Würzburg entsprechende Abkürzungen, Logos oder Labels – beispielsweise auf der Kleidung von Demonstranten am 1. Mai – explizit in Bescheiden untersagt. Hier wiederum können Zufälle sicher ausgeschlossen werden.

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