Jesus in „Victory“-Pose – Kunst zu Ostern
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Würzburg erleben
17. April 2014

Symbolbild Würzburg
Ostern im Spiegel der Kunst
Einsam sitzt Jesus am Abendmahlstisch. Von den Jüngern keine Spur. Der Hintergrund tiefschwarz. Gesichtszüge sind bei Jesus nicht zu erkennen. „Michael Triegel macht sich hier frei von der menschlichen Vorstellung des Antlitzes Jesu. Gleichzeitig verweisen der Granatapfel und das weitere Obst, das als Stillleben über der Szene schwebt, auf das Leben hin, das in Jesus und der Eucharistie geschenkt ist“, sagt Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen. Der Kunstreferent führt durch das Museum am Dom und zeigt Kunstwerke, die das Ostergeheimnis und die Kartage aus Künstlersicht deuten.
„Kleines Kreuzbild“ von Walter Mattheuer
Vom Gründonnerstag geht es weiter zum Karfreitag, dem Motiv der Kreuzigung. „Kleines Kreuzbild“ hat der ostdeutsche Künstler Walter Mattheuer sein 1977 geschaffenes Gemälde genannt. Es zeigt einen Gekreuzigten, dessen Kreuz einsam in dunkler Landschaft steht. Allein die Scheinwerfer eines Autos am Horizont spenden ein wenig Licht. „Die Sterne nehmen eine große Fläche ein und bilden einen kosmischen Hintergrund. Und dieser weist auf die allumfassende Bedeutung des Geschehens am Kreuz hin“, sagt Lenssen. Der Gekreuzigte löst die Hände vom Querbalken. Eine Hand zeigt auf ihn selbst, eine andere auf den Betrachter. „Er hat Verlassenheit und Einsamkeit erfahren, wendet sich jetzt den Menschen zu. Eine großartige Deutung des Geschehens, insbesondere, wenn man weiß, dass Mattheuer ungetauft ist.“
Jesus in „Victory-Pose“
Tod und Erlösung sind ebenfalls Thema bei zwei weiteren Bildern Triegels. Auf einem ist an zentraler Stelle eine Holzkiste zu sehen, in der, naturalistisch – wie für den in Leipzig lebenden Maler typisch – Tierschädel abgebildet sind. Rechts davor liegen eine Skizze zur Grablegung und eine Abbildung des Gekreuzigten. Äpfel zur Linken verweisen auf das Leben, aber auch die Vertreibung aus dem Paradies. „Alles Geschöpfliche kennt den Tod“, betont Lenssen. Das Entscheidende aber sei die Kinderzeichnung, die in der linken oberen Ecke des Gemäldes zu sehen ist: Sie zeigt Jesus, der mit Siegesfahne in der einen und zum „Victory“-Zeichen geformten anderen Hand als Sieger über den Tod dasteht. „Triegel hat mir erzählt, dass er zu dem Bild von seiner Tochter angeregt wurde, die beim Gespräch über Tod und Sterben fragte: ‚Papa, warum hast Du Angst?‘“
Bildtafel der Passion
Zum Abschluss des Rundgangs führt Lenssen an eine Passionstafel, die im 15. Jahrhundert in Oberitalien entstand. „Hier ist das gesamte Ostergeschehen in Bildsprache für die Gläubigen dargestellt.“ Rechts steht Johannes der Täufer und verweist auf den Gekreuzigten in der Bildmitte als Lamm Gottes. „Sein Blut fließt, um den Menschen den Himmel zu öffnen.“ Zur Illustration heben Engel auf der linken Bildseite Arme Seelen aus dem Fegefeuer und bringen sie vorbei am kritischen Blick Petrus‘ in den Himmel.

