Gästeführer-Verein unterstützt Instandsetzung bedrohter Bücher

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Würzburg erleben

27. Mai 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Feuer und Flamme für bedrohte Bücher 

Mit einer Spende von rund 1.300 Euro unterstützt der Würzburger Gästeführer-Verein die Universitätsbibliothek. Mit dem Geld kann die UB ein Buch aus dem 15. Jahrhundert restaurieren lassen, das zu zerfallen droht. Die Spende ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch im Mittelalter konnten Studenten hin und wieder gute Ratschläge brauchen: Wenn sie Ärger mit dem Professor hatten, wenn es mit dem Traumjob nicht geklappt hat oder wenn es ganz allgemein um die Frage ging, wie ein gottgefälliges Leben auszusehen hat. Und schon damals gab es eine Art Lebenshilfeliteratur, die sie in solchen Situationen zu Rate ziehen konnten.

Uraltbuch im Besitz der Würzburger Unibibliothek 

Die Würzburger Universitätsbibliothek ist im Besitz eines solchen Ratgebers: Hortulus Rosarum – Der Rosengarten im Tal der Tränen. Kleiner als ein Taschenbuch, gedruckt im Jahr 1499 und seit 1619 im Besitz der Unibibliothek, diente es über Jahrhunderte hinweg seinen Lesern „zur Bestärkung, damit man durch den Tag kommt“, wie Dr. Hans-Günter Schmidt, Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der UB, sagt.

Doch das Werk hat im Laufe der Zeit gelitten: Sein Einband trägt deutliche Spuren eines Brandes, an etlichen Stellen ist er eingerissen, den Belastungen, die beim Öffnen und Umblättern auftreten, kann er wohl nicht mehr lange standhalten. Kurz gesagt: Hortulus Rosarum braucht dringend eine Renovierung.

Stadtführungen für Buch-„Renovierung“

Die wird das Buch nun bekommen. Eine Spende des Würzburger Gästeführer-Vereins macht es möglich. Beim Weltgästeführertag am 23. März hatte der Verein einen ganzen Tag lang Führungen in der Innenstadt Würzburgs angeboten, die unter dem Motto „Feuer und Flamme“ standen. Auf ihr Honorar hatten die Gästeführer dabei verzichtet. Stattdessen hatten sie die Teilnehmer um eine Spende gebeten – zugunsten der Handschriftenabteilung der Unibibliothek, um so das vom Feuer gezeichnete Büchlein vor dem Zerfall zu retten.

Knapp 1.300 Euro waren auf diese Weise zusammengekommen. Eine Summe, die ausreicht, um die Renovierung von Hortulus Rosarum zu finanzieren, wie Dr. Karl Südekum, Leiter der Universitätsbibliothek jetzt bei der Übergabe der Spende sagte. Schon in Kürze wird das Buch seine Reise zur Restauratorin nach Ludwigsburg antreten. In wenigen Monaten steht es dann zumindest der Wissenschaft wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Dass sie dies möglich gemacht haben – dafür dankten Südekum und Schmidt den anwesenden Vertretern der Gästeführer Dr. Antje Hansen, Brigitte List-Gessler und Johannes Wohlfart.

Etliche Bücher mit akutem Restaurierungsbedarf

Tatsächlich sind die 1.300 Euro des Gästeführer-Vereins nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Etwa 24.000 Bände aus dem historischen Altbestand der Universitätsbibliothek haben akuten Restaurierungsbedarf, rechnete Hans-Günter Schmidt vor. 8000 Bände können nur noch unter Einschränkungen in die Benutzung gegeben werden, 500 Bücher bleiben dauerhaft unter Verschluss. „Es ist eine Zeitbombe“, schilderte Schmidt das Problem. Bei immer mehr Büchern stelle sich für ihn die Frage, ob er sie aus der Nutzung herausnehme oder in Kauf nehme, dass sie möglicherweise irreparabel beschädigt würden.

Nicht genug Geld 

Die bedrohten Werke retten – dafür fehlt der Würzburger Unibibliothek das Geld. „Unser regulärer Etat für die Erhaltung und Restaurierung unserer Sonderbestände beträgt exakt null Euro“, sagt Dr. Karl Südekum. Und Geld aus dem regulären Topf für Anschaffungen umzuschichten, sei so gut wie unmöglich.

Ein Atlas aus dem Jahr 1603 mit vielen farbigen Landkarten im Inneren: Sein Ledereinband ist stark beschädigt, die Restaurierung würde zwischen 2.500 und 3.000 Euro kosten. Ein großformatiges Werk von 1.480 mit schönen Goldgrundinitialen im Inneren: Auch hier hängt der Einband nur noch an wenigen Fäden. Geschätzte Kosten: 4.000 Euro. Ein kostbarer Druck mit einem hölzernen Einband, der vom Holzwurm großflächig ausgehöhlt ist. Schier endlos ist die Liste der bedrohten Werke der UB. Etwa 80.000 bis 100.000 Euro wären pro Jahr notwendig, um diese sukzessive restaurieren zu können.

Hoffen auf weitere Spender für wertvolle Kulturgüter

Doch es sieht nicht so aus, als würde die bayerische Staatsregierung dafür in absehbarer Zeit Geld zur Verfügung stellen – eine Einstellung, die die Vertreter der Würzburger Unibibliothek nicht nachvollziehen können, schließlich handele es sich um „wertvolles bayerisches beziehungsweise fränkisches Kulturgut“. Umso mehr begrüßen Südekum und Schmidt die Aktion des Gästeführer-Vereins: Sie trage dazu bei, dass das Thema in der Öffentlichkeit bekannt wird. Und vielleicht werde davon ja der ein oder andere „Nachahmer“ dazu animiert, ein weiteres, vom Zerfall bedrohtes Werk aus dem Fundus der UB mit seiner Spende zu retten.

Ansprechpartner

Dr. Karl H. Südekum, Telefonnummer: (0931) 31-85942; E-Mail-Adresse: karl.suedekum@bibliothek.uni-wuerzburg.de

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