In der Unibibliothek gibt’s irische Schätze zu bewundern
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Würzburg erleben
27. Mai 2014

Symbolbild Würzburg
Historisches Kulturgut aus Irland in Würzburg
Bei seinem ersten Besuch in Würzburg bekam der irische Botschafter Michael Collins in der Universitätsbibliothek historisches irisches Kulturgut präsentiert – darunter auch das Kiliansevangeliar, das „Heilige Buch der Franken“.
Einige herausragende Zeugnisse der irischen Geschichte gehören zum Besitz der Universitätsbibliothek Würzburg. Kein Wunder also, dass Michael Collins, seit September 2013 Botschafter der Republik Irland in Berlin, bei seinem ersten Aufenthalt in Würzburg auch die Universitätsbibliothek besuchte.
Verzierung aus Elfenbein-Schnitzereien
Rund 1500 Handschriften aus dem Mittelalter und noch einmal 800 aus der Neuzeit befinden sich in der Handschriftenabteilung im dritten Stock der Universitätsbibliothek. Ein absolutes Prachtstück darunter ist das Kiliansevangeliar, eine Pergamenthandschrift aus dem 6. Jahrhundert. Ihr Vorderdeckel ist mit filigranen Schnitzereien aus Elfenbein verziert, in ihrem Inneren sind auf rund 300 Seiten die vier Evangelien des Neuen Testaments niedergeschrieben.
Die Legende zum Kiliansevangeliar
Das Kiliansevangeliar soll dem irischen Missionar Kilian gehört haben. Dieser brachte der Legende nach im Jahr 686 mit seinen Begleitern Kolonat und Totnan das Christentum nach Würzburg. Hier aber stießen die Mönche offenbar auf wenig Dankbarkeit, denn wenige Jahre später wurden sie ermordet. Ihre Leichen verscharrte man angeblich dort, wo heute das Neumünster steht. Als Würzburgs Bischof Burkhard im Jahr 752 Kilians Gebeine bergen ließ, soll im Grab das Kiliansevangeliar gefunden worden sein.
Diese Geschichte dürfte in der Tat nur eine Legende sein. Wahrscheinlicher ist es, dass das Kiliansevangeliar aus Nordfrankreich stammt, wie verschiedene Randnotizen auf seinen Seiten nahelegen. Wie es nach Würzburg kam, ist unbekannt. Als die Handschrift hier im elften Jahrhundert ihren Prachteinband aus Elfenbein erhielt, war sie am Bischofssitz Würzburg längst in den Rang einer Reliquie erhoben worden.
Botschafter Michael Collins beeindruckt
Botschafter Michael Collins und seine Frau Marie waren beeindruckt von dem prächtigen Buch. Präsentiert wurde es ihnen von Dr. Hans-Günter Schmidt, dem Leiter der Handschriftenabteilung, und seiner Mitarbeiterin Kerstin Kornhoff. Die beiden zeigten den Gästen noch andere Handschriften, die nachgewiesenermaßen aus Irland stammen und ins achte Jahrhundert datieren.
Da sind zum einen die Paulusbriefe. Deren lateinische Texte enthalten zahlreiche handschriftliche Anmerkungen in altirischer Sprache – und das leistete einen großen Beitrag zur wissenschaftlichen Rekonstruktion dieser Sprache. Zum anderen betrachteten die Besucher Teile des Matthäus-Evangeliums. In dieses Werk sind viele kleine Kommentarzettel mit irischen Namen und Wörtern eingebunden. Auch diese Handschrift war relevant für die Erforschung der irischen Geschichte.
Digitale Bibliothek
Das Kiliansevangeliar, das gelegentlich als „Frankens Heiliges Buch“ bezeichnet wird, und die beiden anderen Handschriften stammen aus der früheren Würzburger Dombibliothek. Deren Bestände wechselten im Jahr 1803 im Zuge der Säkularisierung zur Universitätsbibliothek. Hier wurden die Handschriften der Dombibliothek in den vergangenen Jahren vollständig digitalisiert.
„Fantastic“ und „super“: So kommentierten Collins und seine Frau das, was Schmidt und Kornhoff ihnen aus der digitalen Bibliothek vorführten: Schön, wie sich die Seiten der alten Handschriften dreidimensional umblättern lassen. Praktisch, dass der nicht einfach zu entziffernde handgeschriebene lateinische Originaltext mit einer gut lesbaren Transkription überblendbar ist. Und sehr gut, dass die digitalisierten historischen Handschriften übers Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

