Mein persönlicher Africa-Festival-Check

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Würzburg erleben

30. Mai 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Steigende Eintrittspreise

Ganz am Anfang war der Eintritt noch kostenlos. Als ich vor einigen Jahren das letzte Mal beim Würzburger Africa Festival war, habe ich fünf Euro gezahlt. Nun sollen es acht sein. 3,50 Euro für das GEMA-pflichtige Musikprogramm auf der offenen Bühne, noch einmal 3,50 Euro für das nicht GEMA-pflichtige Rahmenprogramm und einen Euro Solidaritätsbeitrag wegen des Hochwassers im letzten Jahr. Das steht erklärend auf meiner Eintrittskarte. Ich habe außerhalb geparkt, denn sonst müsste ich zusätzlich noch 5 Euro für das Parken auf der sonst kostenlosen Talavera zahlen.

Seit klar ist, wann die 26. Ausgabe des Festivals stattfinden wird, freue ich mich, dass ich in diesem Jahr in der fränkischen Heimat sein werde und die besondere Stimmung auf den Mainwiesen mal wieder live miterleben kann. Ich bin gespannt, was ich hier heute für acht Euro Eintritt alles geboten bekomme.

Bunter Basar mit Afrika-Ware

Giraffenfiguren aus kenianischem Speckstein, in die man eingerollte Servietten stecken kann, Mineralherzen in allen möglichen Farben und Größen, handgebastelte Ohrringe mit Perlen aus Afrika, recycelte afrikanische Postkarten mit Motiven aus Draht, Tajines, typisch nordafrikanische Schmorgefäße zum Kochen. Egal ob auf dem Basar oder dem weiter hinten gelegenen Handwerkermarkt: Was das Angebot betrifft, kann ich keine wirklichen Neuheiten entdecken. Habe ich allerdings auch nicht erwartet.

Dauerregen ist besser als Hochwasser

Es regnet und regnet am ersten Tag des europaweit größten Africa Festivals, das schon etliche Nachahmer gefunden hat. Immerhin kein Hochwasser wie im letzten Jahr. Wer bei diesem Wetter zum Freiluftfestival gekommen ist und sich abseits der geteerten Verkaufsstraße mit Schirm und Regenjacke im Matsch von Stand zu Stand bewegt, muss ein wahrer Afrikafan sein. An den kommenden Tagen wird es bei besserem Wetter und wärmeren Temperaturen auf dem ganzen Gelände mit Sicherheit voller werden.

Gespräche mit einem Trommelbauer  

Ich komme mit einem Trommel-Verkäufer ins Gespräch, der sich ganz bewusst für den preisgünstigeren Standplatz abseits der Straße entschieden hat. Er will nicht die Masse sondern nur ein spezielles Klientel ansprechen. Dass das Festival mittlerweile Eintritt kostet, findet er gut. Acht Euro seien in seinen Augen sogar zu billig. Er rechnet mir vor, wie viele Musik-Acts mir heute theoretisch für diesen Preis geboten werden und dass der Einzeleintritt eines vergleichbaren separaten Konzerts in Kulturzentren acht Euro deutlich übersteigen würde.

Getränke mitbringen verboten

Dass die Leute sich darüber beschweren, dass man beispielsweise keine Getränke mit auf das Gelände nehmen darf, kann der Trommelbauer nicht nachvollziehen. Schließlich seien die Organisatoren – so steht es übrigens auch explizit im Programm – auf den Getränkeumsatz angewiesen. „Außerdem gibt es an den Trinkwasserhähnen auf dem Gelände reichlich fließend Wasser, das noch dazu sauberer ist als in egal welchem Teil Afrikas“, scherzt der sympathische Mann, der neben dem Festival-Verkauf auch separate Trommel-Workshops anbietet.

Umständliches Getränkebon-System 

Ich persönlich finde das Getränke-Verkaufssystem auf dem Festival dennoch umständlich. Gezahlt wird – egal ob Kaffee, Bier oder Apfelschorle – in Bons, die man in separaten kleinen weißen Häuschen kaufen kann. Drei Euro kostet einer. Für einen Caipirinha im Havana Club Zelt zahlt man beispielsweise zwei Bons, für eine heiße Schokolade bei „Felicia: Café & Bar“ einen. 0,2l südafrikanischen Qualitätswein bekommt man ebenfalls für einen Bon ausgeschenkt. Dazu kommen jeweils noch zwei Euro Pfand, für die man eine Pfandmarke bekommt. Es lohnt sich also, diese nicht zu verlieren.

Krokodil, Strauß oder vegetarisch

Das Essensangebot reicht von Krokodilspießen, brasilianischen Gemüse-Teigtaschen und Straußenragout bis hin zu nicht afrikanischen Speisen wie Döner und Crêpes, die Süleman oder Mustafa heißen. Die Preise sind vergleichbar mit denen auf Veranstaltungen derselben Art. Für die Unentschlossenen gibt’s an einem afrikanischen Stand auch einen Probierteller für zehn Euro, bei dem man „ein wenig von allem“ bekommt.

Kein Must-Do

Am hinteren Ende des Geländes angekommen ziehe ich mit einer Freundin Bilanz: Wirklich schön fande ich selbst eigentlich nur die sehr persönlichen Gespräche mit den Ausstellern, deren Geschichte, ihre Trommelsession unter der Friedensbrücke, die vor allem die Leute in den ersten Reihen nicht mehr still dastehen ließ und die Gespräche unter den Ausstellern selbst auf meiner Lieblingssprache Französisch.

Während wir in Richtung Festivalausgang aufbrechen, nähert sich den Frauen in der Modeecke, die alljährlich Dreadlock- und Flecht-Wünschen nachkommen, ein Mann mit Glatze: „Kann man da noch was machen?“, erkundigt er sich. Schön, ein weiteres Mal mitzubekommen, dass die Stimmung trotz des Regens gut ist.

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