„Korea – Korea“: Würzburger Professor – großes Projekt

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Würzburg erleben

18. Juni 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Alltagssituationen in Pjöngjang und Seoul

Dieter Leistner ist ein Professor an der Fakultät für Gestaltung der FHWS und nebenbei einer der berühmtesten Architektur-Fotografen der Welt. Sein Projekt „Korea – Korea“ erregte internationale Aufmerksamkeit und wurde unter anderem von der „Zeit“ und der „Huffington Post“ aufgegriffen. Die Fotografien zeigen Motive aus dem Alltag, einmal in Nord-Korea und einmal in Süd-Korea. Im Jahr 2006 ergab sich für Leistner die Möglichkeit nach Pjöngjang zu reisen und dort zu fotografieren, 2012 ist er nach Seoul geflogen und hat dort ähnliche Motive gefunden – die Differenz spricht für sich. Wir haben nachgefragt:

Sie sind Architektur-Fotograf, gibt Würzburg gute Motive her oder muss man sich da in größere Städte begeben?

DL: Ja, natürlich gibt es in würzburg auch gute motive: Es gibt ja zahlreiche historische Baudenkmäler, angefangen bei der Residenz usw. Es gibt aber auch gute Architekturbüros, die sehr schöne neue Gebäude entwerfen und bauen. Vom Einfamilienhaus über Verwaltungsgebäude bis zum Museum  – alles ist auch in Würzburg vorhanden.

Als Dozent an einer Hochschule, wohin denken Sie entwickelt sich die Fotografie? Fotos werden ja immer weniger gedruckt und immer öfter digital gezeigt, heißt es da für Fotografen umdenken so wie etwa für Journalisten?

DL: Ja, die alten Märkte für Fotografie werden immer enger. Für Journalismus zahlt mittlerweile kaum noch jemand etwas. Es gibt noch Möglichkeiten z.b. in der Werbe-, Mode- und Architekturfotografie.
Da werden Fotos nach wie vor gebraucht und auch bezahlt.

Sie werden als einer der besten Archiktekturfotografen gehandelt, was bedeutet Ihnen das?

DL: Der Ruf schadet doch nicht…

Wie ist das Projekt „Korea-Korea“ zustande gekommen?

DL: Na ja, das war eines meiner bisher kompliziertesten Projekte. Insgesamt hat es 10 Jahre gedauert, von der Idee bis die Ausstellung im MAK (Anmerkung der Redaktion: Museum für angewandte Kunst, Frankfurt) war und der Katalog erschien.

Es hat sich aber gelohnt: Die 1. Auflage war nach ein paar Wochen vergriffen und mittlerweile hat sogar Elton John – er hat eine der bedeutendsten Fotografie-Sammlungen weltweit! – einige Bilder der limitierten Edition erworben. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Stadt Frankfurt, dem MAK Frankfurt, der Buchmesse und dem Gestalten Verlag.
Besonders schwierig und langwierig war es, eine Fotogenehmigung für Nordkorea zu bekommen – das alleine hat einige Jahre gedauert.

Der Unterschied zwischen Nord- und Südkorea ist auf den Bildern natürlich unverkennbar, aber wie haben Sie vor Ort diesen Unterschied empfunden?

DL: Pyöngyang ist eine sehr ungewöhnliche Stadt: Es gibt keine Werbung, wenige Autos, kaum Geschäfte und Restaurants und die Stadt ist nachts dunkel, es gibt keinerlei Beleuchtung, weil der Strom knapp ist. Außerdem ist es sehr ruhig in der Stadt.

Die Stadt ist auch sehr sauber, die Strassen werden angeblich freiwillig von den Bürgern mit Handfeger, Putzeimer und Kehrblech täglich gereinigt. In der Stadt gibt es keine alten Menschen. Viele Wohnungen haben keine Fensterscheiben, sind aber bewohnt. Manche haben Plastikfolien, manche sind einfach offen. Die Bewegungsfreiheit der Bürger ist eingeschränkt, ohne Kontrollen darf man die Stadt nicht verlassen.

Haben Sie bzw. wie haben Sie in Nordkorea die eingeschränkte Pressefreiheit zu spüren bekommen?

DL: Ja, massiv. Ich hatte ständig drei Begleiter. Einer davon war wohl dafür zuständig das fotografieren möglichst massiv zu behindern. Er drückte mir oft einfach die Kamera herunter. Viele Bilder sind deshalb „aus der Hüfte“ oder während der Fahrt entstanden.

Die Bewegungsfreiheit war auch eingeschränkt. Ich durfte das Hotel nicht allein verlassen. Selbst das überqueren einer Strasse oder das zu Fuss gehen war untersagt. Wir waren immer in einem Kleinbus unter Aufsicht unterwegs. Jedes Ziel musste vorher beantragt werden.

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