Neuer Schwachsinn? E-Shishas und E-Joints im Trend
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Würzburg erleben
8. Juli 2014

Symbolbild Würzburg
Stifte mit Pina-Colada-Geschmack?
Sie schmecken nach Pina Colada, Schokolade, Kaugummi oder Keks und einige von ihnen sehen bunten Stiften zum Verwechseln ähnlich: E-Shishas oder auch „Shishas to go“ genannt. Der Name klingt vor allem in den Ohren von Kindern und Jugendlichen cool.
Wirklich viel haben die Elektro-Versionen mit den klassischen arabischen Wasserpfeifen trotz des Namens allerdings nicht gemeinsam. Im Endeffekt handelt es sich weitgehend um E-Zigaretten mit anderem Namen.
Etikettenschwindel ähnlich wie bei Alkopops
Laut den Aussagen der Kritiker wird bei der Vermarktung der elektrobetriebenen Trend-Shishas also gewissermaßen Etikettenschwindel betrieben. Durch diesen wollen die Hersteller – ähnlich wie bei Alkopops, die nach Limonade schmecken und den Alkoholgehalt dadurch dezent in den Hintergrund rücken – besonders Kindern und Jugendlichen ansprechen.
Von der Technik her identisch
Sowohl E-Zigaretten als auch E-Shishas sind akku- bzw. batteriebetrieben und mit einem sogenannten Liquid gefüllt. Durch das Ziehen am Mundstück wird der Heizdraht, der mit einem fluid-getränkten Docht umwickelt ist, aktiviert. Die erzeugte Hitze sorgt dafür, dass die aromatisierte Flüssigkeit verdampft und anschließend vom Shisha-Raucher inhaliert werden kann.
Einweg-Shishas mit Fluid für rund 500 Züge kosten zwischen 6,50 Euro und 13 Euro. Daneben gibt es teurere Mehrwegmodelle mit Nachfüllmöglichkeit.
Der Stoff aus der Nebelmaschine
Schon gegenüber den fast immer nikotinhaltigen E-Zigaretten, die schon etwas länger auf dem Markt sind und ein Ersatz für das Rauchen durch Tabakverbrennung sein sollen, äußerten sich Experten von Beginn an kritisch. Laut ihnen sei nicht nur fraglich, ob die Elektro-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung helfen oder sie nicht sogar erschweren. Auch das Krebsrisiko sei durch das Einatmen des Chemie-Cocktails alles andere als ausgeschlossen.
Das enthaltene Propylenglykol (der Stoff, der in Diskos oder Theatern aus der Nebelmaschine kommt) könne bei regelmäßigem Konsum nämlich die Atemwege reizen und verwendete Aromastoffe Allergien auslösen oder krebserregende Substanzen enthalten.
Kritik an der Aufmachung der Lifestyleprodukte
Auch die neuen Taschen-Shishas, die im Vergleich zu E-Zigaretten in der Regel kein Nikotin enthalten – zumindest wenn man der Werbung glaubt – sind sehr schnell in die Kritik geraten. Auch ohne Nikotinzusatz seien die aromatisierten, fruchtigen und damit für Jugendliche besonders attraktiven Liquide nicht zu verharmlosen.
Gerade in den Flüssigstoffen für E-Shishas, die oftmals aus China importierten werden, befänden sich laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aufgrund fehlender Produktkontrollen nämlich nicht wissenschaftlich untersuchte Stoffe.
E-Shishas und das Jugendschutzgesetz
Insgesamt halten Experten elektobetriebene Shishas wie auch Zigaretten zwar für weniger schädlich als die entsprechenden Tabak-Produkte. Sie kritisieren jedoch, dass die besondere Aufmachung der Produkte Teenager nicht nur gezielt angelockt, sondern diese auch langfristig an den Tabakkonsum bindet.
Besonders problematisch hierbei sei, dass die Elektro-Wasserpfeifen, da sie nicht als Tabak-Produkt gekennzeichnet sind, derzeit noch nicht der Abgabebeschränkung an Jugendliche nach dem Jugendschutzgesetz unterliegen. Damit können auch unter 18-Jährige ganz legal und einfach an die Fun-Wasserpfeifen rankommen.
Die Kiffer-Version
Nach dem Erfolg der E-Zigarette war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis zumindest im liberalen Heimatland der berüchtigten Coffeeshops, den Niederlanden, die Joint-Version für alle Cannabis-Fans und -Konsumenten geboren wird. Mit einer echten Haschischzigarette hatte die erste Ausgabe des sogenannten „E-Njoints“ jedoch nicht wirklich etwas gemeinsam.
Auch in diesem Fall handelte es sich erst einmal nur um eine E-Zigarette im Tütchen-Design, an der bei jedem Zug ein grünes Hanfblatt auf der Spitze leuchtet. Der berauschende Effekt blieb also vorerst aus, da der erste E-Joint noch kein THC enthielt.
Patienten-E-Tütchen
Die Nachfolgegeneration des E-Tütchens mit wieder aufladbarem Akku soll dann aber nachfüllbar sein, und zwar anscheinend mit einem flüssigen Cannabis-Konzentrat, das sehr wohl THC enthält, beziehungsweise mit echten, trockenen „Kräutern“. Angeblich ist auch eine Anwendung mit medizinischem Marihuana in Planung.

