Drogenberatung: Von Heroin bis Morphium
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Würzburg erleben
10. Juli 2014

Symbolbild Würzburg
Von der Arbeit mit Drogensüchtigen
Holger Faust von der Drogenberatungsstelle in Würzburg erzählt uns von seiner Arbeit und von seinen Erfahrungen. Man merkt wie ihm seine Sache am Herzen liegt, wie wichtig ihm der Umgang mit Klienten ist und daß Sucht kaum mit einem kalten Entzug endet.
Herr Faust, wie arbeitet die Drogenberatungsstelle?
H.F.: Wir sind in 2 Abteilungen eingeteilt. Einmal unser Büro hier in der Stadt und die zweite Abteilung befindet sich in der JVA. Wir beraten nicht nur zum Thema Drogen, rund 20% der Fälle haben mit anderen Problemen, wie Selbstverletzung oder exzessiver Mediennutzung zu tun. Die anderen 80% fallen auf die Drogenberatung, die Alterspanne reicht hier von 13- bis 65-Jährigen.
Bis vor 20 Jahren war Heroin noch die häufigste Droge. Der übliche Weg verlief damals von Alkohol über Cannabis bis zu Heroin. Heute mischen viele Abhängige legale und illegale Drogen, davon sind viele synthetisch. Schmerzmittel wie Valeron oder Morphium, aber auch Opiate als Substitutionsmittel sind verbreitet.
Wie nehmen Hilfesuchende Kontakt mit Ihnen auf und wie verläuft diese Kontaktaufnahme?
H.F.: Als erstes vereinbaren wir einen Termin für ein Beratungsgespräch, das kann per E-Mail, Telefon oder persönlich passieren. Wenn jemand gerne anonym bleiben möchte, dann ist das gar kein Problem. Manchmal ist das Anliegen der Leute auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich, sie halten sich selbst nicht mehr aus oder können mit ihren Emotionen nicht mehr umgehen. Die Lösung liegt immer in den Leuten selbst, es gilt sie nur herauszufinden.
Nicht jeder will völlig damit aufhören, Drogen zu konsumieren. Manche wollen nur ihre Begleitumstände verbessern, wie etwa eine Wohnung zu finden oder nicht ins Gefängnis zu müssen. Der Mensch muss im Nachhinein mit seiner eigenen Lösung zufrieden sein.
Sterben viele ihrer Klienten an der Sucht?
H.F.: Etwa 5-10 von unseren Klienten sterben pro Jahr. Meist an Begleitumständen und Folgen des Konsums, wie etwa HIV oder Hepatitis C. Viele davon schaffen es einfach nicht, ihre Medikamente regelmäßig zu nehmen. Neuinfektionen gibt es aber nicht mehr viele. Letztes Jahr hatten wir eine junge Mutter von Zwillingen, die kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen wurde, dann aber mit Mitte 20 an einer Überdosis starb.
Warum sind Sie Drogenberater geworden?
H.F.: Eigentlich wollte ich nach dem Abi Chemie studieren, nach dem Zivildienst habe ich mich dann aber für soziale Arbeit entschieden. Ich habe ein Praktikum bei der Drogenberatung gemacht und die Menschen haben mich einfach interessiert. Das sich viele trotz ihrer Abhängigkeit soweit im Griff haben, dass sie erfolgreich ihren Beruf, sei es nun als Künstler oder Manager, ausüben können. Wer so etwas hinbekommt, der muss etwas draufhaben. Natürlich wollte ich ihnen helfen.
Wie gehen Sie mit den Angehörigen der Süchtigen um?
H.F.: Häufig werden Menschen von ihren Angehörigen, vor allem den Eltern, dazu gedrängt zu uns zu kommen. Diese Absicht ist zwar sehr lobenswert, aber auf lange Sicht muss jemand von sich aus zu uns kommen, mit dem unbedingten Willen etwas zu ändern, nur dann kann es auch klappen. Vor allem Eltern werden von Ängsten und Schuldgefühlen geplagt, wenn sie herausfinden, dass ihre Sprösslinge Drogen nehmen. Meist haben sie natürlich keine Schuld, aber das Familiensystem ist in höchstem Aufruhr. Auch nicht jeder Konsum ist sofort problematisch, die Familie muss offen und konstruktiv damit umgehen.
Natürlich ist es alles andere als erfreulich, wenn Jugendliche kiffen, aber ein großer Teil probiert es im Laufe der Jugend nunmal aus. Viele Cannabis-Konsumenten lernen durch das Experimentieren daher den Umgang mit dem Kiffen. Nicht alle jungen Leute, die Cannabis ausprobieren, werden davon gleich abhängig und das muss den oft hysterischen Eltern auch vermittelt werden.
Was halten sie von Organisationen wie dem „Social Cannabis Club Würzburg“, die für die Legalisierung von Cannabis kämpfen?
H.F.: Ich bin gespannt wo diese Diskussionen hinführen werden. Eine generelle Freigabe halte ich vor allem bei Jugendlichen für Quatsch. Allerhöchstens könnte ich mir eine Lockerung des Verbots vorstellen, wenn die unglaublichen Geldsummen, die für die Repression ausgegeben werden, für Prävention und Hilfsangebote verwendet werden.
Vielen Dank an Holger Faust von der Drogenberatungsstelle Würzburg in der Augustinerstraße. Weitere Infos und Kontakt unter der 0931-59056 oder per Mail an mail@drogenberatung-wuerzburg.de.

