Chirurgie transparent: Tag der offenen Tür am ZOM
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Würzburg erleben
30. Juli 2014

Symbolbild Würzburg
Einblicke in Spektrum der Vorzeigeklinik
Seit zehn Jahren gibt es in Würzburg das Zentrum für operative Medizin (ZOM). Bei einem großen Tag der offenen Tür feierte das Universitätsklinikum Würzburg dieses Jubiläum und gewährte anschauliche Einblicke in das weite Leistungsspektrum der Vorzeigeklinik.
„Wir werden von anderen Klinika in Deutschland um dieses Gebäude auch heute noch beneidet“, konstatierte Prof. Christoph Reiners. Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) eröffnete am 26. Juli dieses Jahres die Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Zentrums für Operative Medizin (ZOM).
Kampf um Finanzierung schon seit den 1980ern
Der wegweisende Charakter der „Heimat der Chirurgie“ am UKW kommt nicht von ungefähr. So begannen die Vorplanung und der „Kampf“ um die Finanzierung schon in den 1980er Jahren unter Beteiligung von vielen Mitgliedern der Medizinischen Fakultät.
Prof. Arnulf Thiede, der ehemalige Direktor der Chirurgischen Klinik, schilderte in seiner Festrede, dass er in der Konzeptfindungsphase für den geplanten Neubau zusammen mit der damaligen Klinikpflegedienstleiterin Margitta Sternkopf und dem seinerzeitigen Oberarzt Prof. Wolfgang Timmermann 25 neue Kliniken in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland besuchte. Ziel war es, herauszufiltern, was bei den Bauwerken jeweils besonders gut gelungen war und was man in Würzburg besser machen könnte.
80 Prozent der Beschäftigten zufrieden
Das Ergebnis war eine Klinik, die von den Patienten sehr gut angenommen und kommentiert wird. Gleichzeitig ist das ZOM eine Klinik, mit deren Strukturen laut der UKW-Mitarbeiterbefragung des Jahres 2013 rund 80 Prozent der Beschäftigten zufrieden sind.
Prof. Christoph-Thomas Germer nennt das Zentrum einen gelungenen architektonischen „Wohlfühlraum“. Außerdem steht laut dem Nachfolger von Prof. Thiede das ZOM für „gelebte Interdisziplinarität“, die in entscheidendem Maß auch von der baulichen Konzeption unterstützt werde.
Sehr gute Bedingungen für Forscherinnen und Forscher
„Auch was die Forschung angeht, finden die Arbeitsgruppen in allen Abteilungen des ZOM optimale Bedingungen vor“, betonte Prof. Germer in seinem Vortrag. Eine Einschätzung, die auch Prof. Alfred Forchel, der Präsident der Würzburger Universität, teilt. In seinem Grußwort zur Feierstunde sagte er:
„Ohne entsprechende Infrastruktur ist eine hochtechnische Medizin nicht möglich. … Auch für die Uni sind die Möglichkeiten des ZOM von unschätzbarem Wert.“ Weiterhin unterstrich der Präsident den großen Stellenwert der Würzburger Uniklinik im nationalen und internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe.
Zahlreiche kostenlose Gesundheitschecks
Die Feierstunde zu „10 Jahre ZOM“ war eingebettet in einen Tag der offenen Tür. Von 10:00 bis 15:00 Uhr lud das UKW die breite Öffentlichkeit ein, sich ein Bild von der Vorzeigeklinik und ihren vielfältigen Leistungen zu machen. Sehr gut frequentiert wurden die diversen Angebote zu kostenlosen Gesundheitschecks.
So nutzen rund 200 Gäste die Gelegenheit, sich von Pflegekräften des ZOM Puls, Blutdruck, Blutsauerstoffsättigung und Blutzuckerwert messen zu lassen. Die Experten der Chirurgie II testeten auf Wunsch vor Ort die Stabilität und Funktion der Kniegelenke der Besucherinnen und Besucher. In der Poliklinik der Herzthoraxchirurgie konnten einige außerdem eine Echokardiografie durchführen lassen. Diese spezielle Ultraschalluntersuchung zählt zu den wichtigsten technischen, nichtinvasiven Untersuchungsmethoden des Herzens.
Auffälligstes Exponat: Herz-Lungen-Maschine
Die Herzthoraxchirurgie sorgte mit einer Herz-Lungen-Maschine auch für das wohl auffälligste Exponat im Aktions- und Ausstellungsbereich in der Magistrale des ZOM. Wenige Meter davon entfernt lagen diverse Simulatoren bereit, um unter fachkundiger Anleitung die Basismaßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu lernen und zu üben.
Physiotherapie und OTA-Schule präsentierten sich
„Ein Riesenerfolg“ war der Aktionstag für Markus Giehl, den Leiter der Physiotherapie am ZOM. „Der Tag der offenen Tür gab uns eine schöne Gelegenheit, unser Tätigkeitsfeld einem großen, interessierten Publikum vorzustellen. Vielleicht hilft uns dies ja auch beim zukünftigen Gewinnen von Nachwuchskräften.“
Auch am Informationsstand für die Ausbildung zur/zum Operationstechnischen Assistentin/Assistenten (OTA) herrschte den ganzen Tag reges Treiben. „Die Besucher fragten mit großem Interesse nach“, berichtet Egbert Stanka, der Leiter der OTA-Schule des UKW. „Während die Eltern informiert wurden, boten wir für unsere kleinen Gäste die Möglichkeit, mit Gas gefüllte Handschuhe zu bemalen. Die schwebenden Handschuhe waren dann im Laufe des Tages in der gesamten Magistrale zu sehen.“
Laparoskopie-Simulator und zerstörerische Stoßwellen
„Hands-on“ hieß es am Stand der Chirurgie I. Hier konnte jeder Interessent an einem Laparoskopie-Simulator bei einem nachempfundenen minimalinvasiven Eingriff Fingerspitzengefühl und manuelles Geschick beweisen.
Die Urologie beeindruckte mit einer Demonstration der Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie. Im Klinikalltag werden bei dieser Technik Harnsteine durch außerhalb des Körpers erzeugte Stoßwellen zertrümmert. Am Aktionstag dienten Steinattrappen als Ziele.
Wichtigkeit des realitätsnahen Lernen
Das Universitätsklinikum Würzburg legt bei der Ausbildung seiner Fachkräfte großen Wert auf realitätsnahes Lernen und Trainieren. Ein Beispiel hierfür ist das Anästhesiologie-Simulationszentrum. Hier können an einem „künstlichen Patienten“ computergesteuert kritische Anästhesie- und Notfallsituationen aus dem klinischen und präklinischen Bereich nachgeahmt werden. Beim Tag der offenen Tür konnten die Gäste den Anästhesie- und Notfallsimulator im Praxiseinsatz erleben.
„Unterm Strich war der Aktionstag eine rundum gelungene Veranstaltung, mit der wir an die Entstehungsgeschichte des ZOM erinnert, vor allem aber seine aktuelle Bedeutung für die regionale und überregionale Gesundheitsversorgung sowie die medizinische Forschung gewürdigt haben“, resümiert Prof. Reiners.
Wissenswertes zum ZOM
Im Juli 1998 erfolgte der feierliche erste Spatenstich, am 6. und 7. März 2004 zogen 670 Beschäftigte in den vom Münchner Architekturbüro Schuster/Pechtold/Schmidt geplanten Bau um. 280 Patienten wurden von 155 Rettungsdienstmitarbeitern verlegt.
Das ZOM hat eine Nutzfläche von 23.610 Quadratmetern. Mit 292.000 Kubikmetern ist es ähnlich groß wie die Würzburger Residenz. Baukosten: 152 Millionen Euro. Im Jahr 2013 hatte das ZOM 312 Planbetten, 30.696 Patienten wurden ambulant, 14.677 stationär behandelt.
25 Prozent der Mitarbeiter sind Ärzte
875 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte das ZOM im März 2014. Davon arbeiteten 57 Prozent in Pflege und Funktionsdienste, 25 Prozent als Ärzte, 16 Prozent im medizinisch-technischen Dienst und der Rest in der Verwaltung.
Das Zentrum vereint die Kliniken für Allgemein-und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie, Herz-Thorax-Chirurgie, Urologie Anästhesiologie sowie die Institute für Röntgendiagnostik und Transfusionsmedizin unter einem Dach. Außerdem finden sich hier Räume und Funktionsbereiche für Forschung und Lehre, Pflege, Physiotherapie, soziale Dienste, Seelsorge, Verwaltung und den Ärztlichen Direktor.
Bestens ausgestattete Notaufnahme
Das ZOM verfügt neben topmodernen medizintechnischen Geräten, zum Beispiel für die radiologische Bildgebung und Endoskopie, über eine bestens ausgestattete und interdisziplinär strukturierte Notaufnahme mit Schockraum, über 16 fachübergreifend einsetzbare OP-Säle inklusive eines High-Tech-Hybrid-OPs sowie über drei Intensivstationen und eine Tagesklinik für ambulante Eingriffe.
Im ZOM ist zudem das Interdisziplinäre Trainings- und Simulationszentrum (INTUS) als hochmoderne Aus- und Weiterbildungsplattform für operative und interventionelle Verfahren untergebracht.

