Ist Euer Körper auch so intolerant?

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Würzburg erleben

31. Juli 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Gegen was habt Ihr eine Unverträglichkeit?

Eine Tasse Kaffee mit einem Schuss Milch, dazu ein Brötchen mit Käse oder Salami und danach noch einen Fruchtjoghurt. So sieht für viele ein gutes Frühstück aus. Für andere wiederum klingt das alles andere als lecker und köstlich. Sie bekommen davon einen Blähbauch, ihr Magen rumort und sie müssen schleunigst eine Toilette aufsuchen. Wieder andere drohen sogar, zu ersticken.

„Für mich bitte ohne …“

Immer mehr Deutsche sind davon überzeugt, dass Gluten, Laktose, Fruktose und Co sie krank machen. Sie googlen ihre Beschwerden, die allesamt natürlich auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, und stellen rasch ihre eigene Diagnose.

Dass jeder irgendein Lebensmittel nicht so gut verträgt und manche von uns im Gegensatz zu anderen leider nicht mit einem Schweinemagen gesegnet sind, ist Tatsache. An einer wirklichen Allergie leiden jedoch die wenigsten.

Unverträglichkeit heißt nicht Allergie

Sofort von einer Allergie zu sprechen, sobald unser Körper nicht normal auf ein Nahrungsmittel reagiert, ist – streng genommen – nicht korrekt. Die Verwendung des Begriffs ist insofern falsch, als häufig gar nicht unser Immunsystem für die Symptome verantwortlich ist. Korrekterweise spricht man von in solchen Fällen dann von Unverträglichkeiten oder auch Intoleranzen.

Die Beschwerden bei der „Pseudoform“ sind denen bei einer richtigen Allergie zwar sehr ähnlich, die jeweiligen Ursachen allerdings sehr verschieden. Bei der zum Teil lebensbedrohlichen Form, der Allergie, kommt es zu einer immunologischen Reaktion auf vom Körper als gefährlich angesehene Lebensmittelbestandteile, die von ihm bekämpft werden. Schon sehr geringe Mengen eines Nahrungsmittels (beispielsweise Erdnüsse) können hierbei heftigste körperliche Beschwerden auslösen.

Teilweise tödlicher Ausgang

Unverträglichkeiten hingegen sind normalerweise darauf zurückzuführen, dass dem Körper ein bestimmtes Enzym fehlt bzw. nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Allergien werden im Gegensatz zu Intoleranzen über die Jahre hinweg eher schlimmer und können teilweise sogar tödlich enden.

In Deutschland wird die Zahl der Kinder, die an einer Allergie leiden, auf vier bis sechs Prozent geschätzt. Die der Erwachsenen auf nur zwei bis drei Prozent.

Welche Organe sind betroffen?

Ihr habt die Vermutung, dass Ihr eventuell von einer Allergie oder Intoleranz betroffen sein könntet und wollt Eure Beschwerden abklären lassen? Je nachdem an welchen Organen die Beschwerden zu lokalisieren sind, empfiehlt sich entweder der Besuch bei einem Internisten oder Allergologen.

An Ersteren sollte man sich wenden, wenn man „nur“ mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen hat. Zeigen sich die Symptome – z. B. Juckreiz in der Mundhöhle, Schwellungen, Kreislaufbeschwerden, Asthma – an mehreren Organen (Haut, Atmung, Kreislauf), solltet Ihr besser einen Termin bei einem Allergologen ausmachen.

Damit der Arzt eine Diagnose stellen kann, müssen sich Betroffene einer Reihe unterschiedlicher Laboruntersuchungen – vom Atem- über den Bluttest bis hin zur Stuhluntersuchung – unterziehen.

Die häufigsten Intoleranzen: 1. Laktose

Ein (Wasserstoff-)Atemtest wird zum Beispiel bei Verdacht auf Laktose-Intoleranz angewandt. Der nüchterne Patient trinkt dabei eine festgelegte Menge Wasser mit darin aufgelöstem Milchzucker. Anschließend atmet er in bestimmten Zeitabständen in ein Testgerät. Dadurch kann nachgewiesen werden, ob dem Patienten tatsächlich das Enzym Laktase fehlt, welches man benötigt, um Milchzucker zu verdauen.

Laktose-Intoleranz ist verhältnismäßig weit verbreitet. Rund 15 bis 20 Prozent sollen von ihr betroffen sein. Deswegen hat sich die Lebensmittelindustrie nicht nur in Japan, wo bekanntlich kaum jemand Milchprodukte verträgt, sondern auch in Deutschland angepasst: Das Sortiment an laktosefreien Produkten in den Regalen wächst stetig.

Fünf Gramm täglich machen nichts aus

Mit zunehmendem Alter steigt übrigens die Wahrscheinlichkeit, Milch schlechter zu vertragen bzw. Milchzucker gut verdauen zu können. Unser Milchkonsum ist in späteren Jahren aber ja Gott sei Dank auch nicht mehr so hoch wie bei Säuglingen und Kleinkindern. Zudem haben selbst Betroffene bei bis zu fünf Gramm Milch täglich (entspricht circa einem Glas) keine Beschwerden.

Was viele außerdem nicht wissen: Nicht alle Milchprodukte rufen bei Laktoseanfälligen zwangsweise Beschwerden hervor, denn je länger beispielsweise ein Käse gereift ist, desto weniger Laktose enthält er.

2. Fruktose

Auch für die Intoleranz gegenüber Fruktose ist ein unzureichend arbeitendes Enzymsystem verantwortlich. Bei fruktoseintolerante Patienten wird Fruchtzucker in kleineren Mengen als normal aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Durch die Fehlfunktion des Transportproteins GLUT-5 gelangt er zu großen Teilen unverdaut in den Dickdarm.

Die Überempfindlichkeit gegen Süßungsmittel kann genetisch bedingt oder erworben sein. Rund 30 Prozent der Bevölkerung sollen von ihr betroffen sein. Fruktose ist nicht nur in Obst- und Gemüsesorten, sondern beispielsweise auch in kalorienreduzierten und Light-Produkte wie Wellness-Drinks, Ketchup und Fast Food. Darüber hinaus versteckt sich Fruktose unter anderem auch in Weiß- und Vollkornbrot, Sirupen, Honig oder Marmelade.

Grammgrenze bei zehn

Auch in Sachen Fruktose gilt: Bis zu zehn Gramm täglich – das entspricht etwa zwei Äpfeln oder einem Butterkeks – sollten selbst Betroffenen nichts machen. Tipp: Um die jeweiligen Produkte verträglicher zu machen, können fruktosehaltige Speisen mit Fett und Eiweiß (Obst und Joghurt) kombiniert werden.

3. Histamin

Es ist die in der Forschung wohl umstrittenste Unverträglichkeit. Einige Ärzte bezweifeln, dass sie überhaupt existiert. Eine Unverträglichkeit gegen Histamin. Dass es kein wirklich aussagekräftiges Testverfahren zu der potenziellen „Diagnose“ gibt, spielt dabei wohl ebenfalls eine Rolle.

Leider sind auch die Symptome sehr unspezifisch, da sie von Atemwegs- und Verdauungsbeschwerden bis hin zu Juckreiz und roten Flecken reichen können. Auch beim Abbau von Histamin spielen jedoch vermutlich ein oder mehrere Enzyme eine Rolle.

Was ist das eigentlich?

Histamin, was ist das eigentlich? Es ist zum einen ein Gewebehormon des menschlichen Körpers und zum anderen ein Fäulnis-Produkt der Eiweißvergärung, das insbesondere in eiweißhaltigen, leicht verderblichen Lebensmitteln vorkommt. Reich an Histamin sind beispielsweise geräucherter Fisch, Salami, roher Schinken, Rotein, Sauerkraut und Edelpilzkäse. Allgemeine Faustregel: Je frischer ein Nahrungsmittel, desto geringer ist sein Histamingehalt.

Daneben gibt es eine Reihe von Produkten, die das oben beschriebene im Körper vorhandene Histamin beim Verzehr freisetzen. Dazu gehören unter anderem Zitrusfrüchte, Erdbeeren und Tomaten. Auf die genannten Nahrungsmittel kann also, um herauszufinden, ob man tatsächlich „abnormal“ auf Histaminhaltiges reagiert, in Absprache mit einem Ernährungsspezialisten probeweise verzichtet werden.

Frauen häufiger betroffen

Darüber hinaus sollten Medikamente, die den Abbau von Histamin blockieren oder verzögern – das sind zum Beispiel Schmerzmittel wie Aspirin oder Schleimlöser – weggelassen werden. Man schätzt, dass hierzulande etwa ein Prozent der Bevölkerung von einer Histamin-Unverträglichkeit betroffen ist – mehr Frauen als Männer.

4. Gluten und Zöliakie

Menschen, die an der so genannten Zöliakie leiden, vertragen das Klebereiweiß Gluten nicht. Es ist in fast allen Getreidearten (Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel uvm.) enthalten. Kommt der Körper eines Betroffenen in Berührung mit diesem Stoff, bildet das Abwehrsystem Antikörper. Die Folge: Die Oberfläche des Dünndarms wird durch das Gluten zerstört.

Das Klebereiweiß greift nämlich die Zotten im Darm an. Dadurch, dass diese nach und nach abgebaut werden, wird die Darmschleimhaut stetig flacher. Das führt dazu, dass nicht mehr genügend Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden können.

Verzicht auf diverse Produkte

Medikamente gegen die chronische und lebenslange Erkrankung der Dünndarmschleimhaut gibt es bisher leider nicht. Betroffenen bleibt somit nichts Anderes übrig, als sich glutenfrei zu ernähren. Doch auch auf Zöliakie-Patienten hat sich die Lebensmittelindustrie mittlerweile eingestellt.

Diätprodukte frei von Gluten wie Brot, Nudeln, Kekse und Backmischungen sollten man dennoch nur nach endgültiger Diagnose konsumieren. Wer seine Ernährung probeweise umstellt, riskiert, dass der Arzt die Erkrankung nicht mehr diagnostizieren kann. Daürber hinaus enthalten die Diätprodukte oft viel Zucker und Fett sowie Ausweichmehle, die ebenfalls Allergien auslösen können.

Biopsie notwendig

Schätzungsweise ist in Deutschland etwa einer von hundert Menschen von Zöliakie betroffen. Die Erkrankung tritt darüber hinaus häufig zusammen mit anderen – zum Beispiel Diabetes Mellitus Typ 1, Down-Syndrom und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse – auf.

Wer ganz sicher gehen möchte, ob er von der Gluten-Intoleranz betroffen ist, wird um eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut (im Rahmen einer Magenspiegelung) nicht herumkommen.

5. Glutamat und das China-Restaurant-Syndrom

Pekingsuppe, Frühlingsrollen, Wan Tan und Chop Suey. Habt Ihr Euch nach dem Besuch beim Chinesen auch schon ab und an unwohl gefühlt? Das könnte vielleicht am Glutamat, einem Geschmacksverstärker, liegen, mit dem asiatische Köche besonders gerne kochen. Bei einer Empfindlichkeit gegenüber diesem Stoff spricht man daher auch vom „Chinarestaurant-Syndrom“.

Doch nicht nur beim Asiaten trifft man auf Glutamat, sondern sehr wahrscheinlich sogar in der heimischen Küche. Das Salz verleiht Fertigprodukten wie Tütensuppen, Salat-Würzmischungen, Brühen, Chips, Pizzen aus der Truhe und Soßen ein würziges Aroma. Achtung: Der süchtigmachende Stoff ist häufig unter den Namen „Mononatriumglutamat“ bzw. „Hefeextrakt“ und den E-Nummern 620 bis 625 „getarnt“.

Übererregung der Nervenzellen

Ähnlich wie beim Histamin gibt es auch im Falle von Glutamat Lebensmittel, in den der Geschmacksstoff von Grund auf enthalten ist. Das sind beispielsweise Tomaten, Parmesan und Roquefort-Käse. Bei einer Reaktion auf den geschmacksverstärkenden Stoff bildet der Körper des Betroffenen zwar keine Antikörper, es kommt allerdings zu einer Überregung der Nervenzellen. Glutamatsensible Menschen vertragen daher schon Messerspitzen des Stoffes nicht.

Einen Atem- oder Bluttest gibt es leider auch für die „Glutamat-Diagnose“ nicht. Lediglich der Selbsttest durch eine gezielte Provokation, also Gabe des Stoffs in Form einer angerührten Tütensuppe o.ä., bringt Ergebnisse.

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