Smartphone tiefgekühlt: Datenschutz im digitalen Zeitalter

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Würzburg erleben

11. August 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Was geschieht mit unseren Daten und was können wir tun?

Das wichtige Thema Datenschutz hat eine große Anzahl von Interessierten zur Eröffnung der Ausstellung „Vom Eid des Hippokrates bis zu Edward Snowden – eine kleine Reise durch 2.500 Jahre Datenschutz“ ins Würzburger Rathaus gezogen. Für jeden einzelnen Besucher dürfte sich dies auch mehr als gelohnt haben. Denn anschaulich und aufrüttelnd machte jeder der drei Redner auf die Chancen aber auch Risiken der digitalen Revolution aufmerksam.

Bürgermeister Dr. Adolf Bauer wies in seiner Begrüßung auf das Grundrecht zum Schutz unserer persönlichen Daten hin. „In einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat müssen der Ausspähung und Überwachung des Bürgers wirksame Grenzen gesetzt werden“, forderte er. „Datenschutz hat Verfassungsrang.“

Internet macht Privatsphäre öffentlich

„Heute wird ins Netz gestellt, was früher höchstens dem Tagebuch anvertraut wurde“. Mit diesen Worten erinnerte Landtagspräsidentin Barbara Stamm daran, dass wir alle viel zu viele Daten über uns selbst preisgeben. „Das Internet hat unser Leben radikal verändert und Privatsphäre öffentlich gemacht. Im Hintergrund werden riesige Datensammlungen über uns angelegt. Dagegen sind effektive Datenschutzregeln nötig und wir alle haben eine große pädagogische Aufgabe, unseren Kindern ein höheres Verantwortungsbewusstsein nahe zu bringen.“ Sie dankte dem Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz, Dr. Thomas Petri, der mit seinen Mitarbeitern direkt am Bayerischen Landtag angedockt ist, für die Konzeption der Wanderausstellung. Dr. Petri zeigte auf, wie freizügig schon heute über unsere Daten verfügt wird und appellierte: „Es ist unsere Aufgabe, angedeutete Gefahren der Technikherrschaft in Schranken zu weisen.“

Digitale Welt – Gesellschaft im Umbruch

„Wussten Sie, dass Edward Snowden sein ausgeschaltetes Smartphone während seiner Gespräche mit den Medien in ein Tiefkühlfach gelegt hat? Weil er wusste, dass selbst weit entfernte Räume mit Hilfe der Smartphone-Technologie abgehört werden können, ohne dass ein Mitarbeiter eines Geheimdienstes sich am Telefon zu schaffen machte“, damit stieg Dr. Petri in seinen Vortrag ein. Eine andere Variante, sich vor Mithörern zu schützen sei, das Smartphone in Alufolie zu wickeln. Damit sind aber auch all die anderen smarten Dienstleistungen nicht mehr nutzbar. Die Gesellschaft befindet sich, so führte Dr. Petri aus, – aufgrund der Anforderungen, die die digitale Welt an den Schutz der persönlichen Daten stellt – im Umbruch. Die smarte Welt und die vernetzte Datenverarbeitung sind und werden allgegenwärtig. Sie erleichtern unser Leben, sorgen für wirtschaftlichen Wachstum und Effizienzsteigerung – aber „sie basieren auf der Erforschung jedes Einzelnen“, erklärte Petri.

Erhaltung unserer Freiheit

Datenschutz bedeute die Erhaltung unserer Freiheit, fasste Dr. Adolf Bauer zusammen und Dr. Petri schloss sich an: „Wir müssen die Kernelemente der Privatsphäre erhalten. Jeder Mensch besitzt zwei Pole, den öffentlichen und den privaten. Wir müssen unser wahres Ich in unserer Privatheit zeigen dürfen ohne das Fallbeil der gesellschaftlichen Diskriminierung.“

Das Thema als Anlass zu Diskussionen nahmen im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung: der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Dietrich Geuder, die Präsidentin des Sozialgerichts Dr. Irmgard Kellendorfer, der Kanzler der Universität Würzburg Dr. Uwe Klug, MdB Paul Lehrieder, zahlreiche Datenschutzbeauftragte von Universität, Polizei, der Stadt Kitzingen, des Landratsamtes.

Vortrag zum Thema

Die Wanderausstellung zeigt auf, vor welchen Herausforderungen wir stehen und welche Möglichkeiten sich ergeben. Konzipiert wurde sie vom Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz. In Würzburg umgesetzt wird sie auch von der Dienststelle Zentrale Steuerung und der daran angegliederten städtischen Datenschutzbeauftragten, Helga Richter. Helga Richter bietet am Dienstag, 12. August um 11 Uhr in einem rund 20-minütigen Vortrag Informationen über die Grundlagen des Datenschutzes, die Rechte Betroffener, die Entwicklung des Datenschutzes in der EU, Datenschutz heute und was jeder selbst tun kann, um seine Daten zu schützen.

„Vom Eid des Hippokrates bis zu Edward Snowden – eine kleine Reise durch 2500 Jahre Datenschutz“, Ausstellungsdauer: 5.-28. August, Foyer des Ratssaales, Rathaus Würzburg, 1. Stock, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-14 Uhr.
Vortrag: Dienstag, 12. August, 11 Uhr, Foyer des Ratssaales, 1. Stock

Weitere Informationen zum Thema Datenschutz

Mehr Informationen auch auf der Homepage des Bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz: https://www.datenschutz-bayern.de/nav/0505.html

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