Schicksal Lepra: Die Menschen nicht im Stich lassen

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Würzburg erleben

20. August 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Ein Ende des Bürgerkrieges nicht in Sicht

Erst das harte Los der Leprakranken und jetzt tobt der Bürgerkrieg im Südsudan. Wo bleibt die Hoffnung für die, die schon so vieles verloren haben?

Seit Ende letzten Jahres sind die Kämpfe im Südsudan, dem jüngsten Staat der Welt, wieder aufgeflammt. Trotz internationaler Verhandlungen ist ein Ende nicht in Sicht. Konflikte zwischen Volksgruppen, ein lang schwelender Hass und immer wieder aufflackernde Gefechte sind die Ursache für die lange Tragödie. Die Menschen in den Leprakolonien trifft es am härtesten. Sie gehören zu den Verlierern des Konfliktes. Charles Dumba Kumi ist einer von ihnen.

Würzburg  hilft dem Sudan

Auch heute geht er zur Versammlung in die kleine Gesundheitsstation der Leprakolonie Luri Rokwe nahe der Hauptstadt Juba. Hier ist es noch ruhig, aber in der Hauptstadt wurden erneute Vorkehrungen getroffen. „Wieder wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Kontrollen auf den Straßen um die Hauptstadt wurden verstärkt und es werden alle Fahrzeuge nach Waffen durchsucht“, sagt Leonore Küster, die als Repräsentantin der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe schon viele Jahre im Land lebt und arbeitet. Das Würzburger Hilfswerk unterstützt die Lepraarbeit im Sudan und nun auch im Südsudan seit Jahrzehnten. Trotz schwierigster Arbeitsbedingungen will sie die Menschen vor Ort nicht im Stich lassen. Menschen wie Charles.

Errichtung einer Leprakolonie

Der 65-Jährige sieht nicht mehr gut, und die Beine wollen auch nicht mehr richtig. Die Krücken sind alt und verschlissen, ihre Griffe werden fest von den von der Lepra verstümmelten Händen umfasst. „Eigentlich warte ich nur noch auf den Tod“, sagt er. Sorgen, Krankheiten und Nöte haben ihn mindestens um weitere 15 Jahre altern lassen. Er erinnert sich an früher, als alles begann. Damals im Jahr 1948, seinem Geburtsjahr, gründeten die Briten eine Leprakolonie in der Nähe von Juba. Vier Jahre später wurde sie weiter weg verlegt, nach Luri Rokwe. Auch heute noch leben dort ehemalige Leprakranke, weil sie sich inzwischen heimisch fühlen, nur ist es längst keine geschlossene Leprakolonie mehr. Nachdem man viel mehr über die Krankheit Lepra weiß, gute Behandlungsmethoden hat und keinerlei Ansteckungsgefahr mehr von Patienten ausgeht, sobald mit der Behandlung begonnen wurde, hat sich die Welt den Leprakranken wieder geöffnet.

Die Lepra zerstörte alle Pläne

Der kleine Charles ahnte damals noch nicht, dass die Leprakolonie bald seine Heimat werden würde. Im Alter von 18 Jahren traf ihn die Lepra wie ein Fluch. Denn der junge Mann hatte große Pläne für die Zukunft. Als Beifahrer in einem Lastwagen war er viel herumgekommen, doch wer würde ihn jetzt noch beschäftigen! Denn die Lepra war mittlerweile sichtbar geworden, ließ sich nicht länger verstecken. Aufträge gab es plötzlich keine mehr. Von der Leprakolonie im Süden hatte er gehört, das war die Rettung. Dort könnte er vielleicht Aufnahme finden und überleben. Die Lepra-Behandlung hatte er bereits begonnen, doch die verlorenen Gliedmaßen bekam er nicht zurück. Er machte sich auf den Weg nach Luri Rokwe, rund 120 Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt.

Staatliche Unterstützung immer weiter eingeschränkt

Wider Erwartung fand er dort Aufnahme und Zufriedenheit. Und zwei Ehefrauen, die ihm insgesamt fünf Kinder gebaren und ihn versorgten. Auch sie waren einst an Lepra erkrankt. „Trotzdem waren wir glücklich“, erinnert er sich. Die Behandlung hatte er abgeschlossen, er war geheilt. Arbeiten konnte er mit seinen Handstümpfen nicht mehr. „Wir bekamen Nahrung, Kleidung und Vieh vom Staat. Doch das ist sehr lange her. Jetzt hat sich alles geändert.“ Die staatliche Unterstützung wurde eingeschränkt und der Krieg kam. Immer wieder, unaufhörlich, jahrzehntelang. Wie jetzt auch wieder.

„Für uns bleibt nichts übrig!“

„Während des Krieges hatten die meisten Leprakranken keinen Zugang zu den Gesundheitsstationen, sei es, weil die Straßen kaputt waren oder Schießereien jegliches Fortkommen verhinderten. Außerdem gab es nur vereinzelte Gesundheitsstationen, und die lagen sehr weit auseinander“, ergänzt Leonore Küster. Sie befürchtet, dass sich diese Situation jetzt wiederholen wird.

Charles ahnt, dass er nicht mehr allzu viel vom Leben zu erwarten hat. Damals, mit 18 Jahren, hatte er noch Pläne, wollte Geld verdienen und ein Auskommen haben. Dann kam die Lepra. Auch wenn er sich mit seinem Schicksal irgendwie arrangieren konnte. Jetzt tobt der Bürgerkrieg mit all seinem Chaos und Ungerechtigkeiten und trifft Menschen wie ihn am härtesten.

Ein Gastbeitrag von Sabine Ludwig

Über die DAHW

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wurde 1957 als Deutsches Aussätzigenhilfswerk in Würzburg gegründet. Die Umbenennung in „DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe“ erfolgte 2004, um dem zweiten Schwerpunkt Tuberkulose Rechnung zu tragen.

In diesem Jahr fördert die DAHW 189 Programme und Projekte in 21 Ländern mit insgesamt 13,3 Millionen Euro. Die DAHW beteiligt sich an wissenschaftlichen Forschungsprojekten, u.a. zur Vermeidung von Nervenschädigungen bei Menschen mit Lepra. Darüber hinaus setzt sich das Würzburger Hilfswerk dafür ein, dass Menschen mit Behinderung Zugang zu Rehabilitation und gesellschaftlicher Teilhabe haben („gemeindenahe Rehabilitation“). Die DAHW arbeitet in Asien, Afrika und Lateinamerika. Schwerpunktländer sind Indien, Pakistan, Äthiopien, Nigeria und Sierra Leone. In vielen Ländern unterstützt sie die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal.

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