Fraunhofer-Institut: Sammlung roter Glasminiaturen erstmals in Würzburg

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Würzburg erleben

27. August 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Sammlung »Rotes Glas kleiner als 10 cm« am Tag der offenen Tür

Am Tag der offenen Tür des Fraunhofer-Instituts wird Besuchern auch die einzigartige Sammlung roter Glasminiaturen zugänglich gemacht. Schon seit der Antike hat Rotes Glas die Menschen fasziniert – so auch den ersten Leiter des Fraunhofer ISC Prof. Dr. Horst Scholze (1921- 1990). In 36 Jahren trug der Glas-Chemiker über 800 Objekte aus rotem Glas zusammen.

Nicht höher als 10 cm

Dabei gab es für ihn nur eine Einschränkung: Die einzelnen Stücke durften nicht höher als zehn Zentimeter sein – so passten sie in seine privaten Sammlungs- und Ausstellungsvitrinen. Von 1961 bis 1997 sammelte er gemeinsam mit seiner Frau Gisela während seiner Reisen auf Symposien, Tagungen und Fachgesprächen rund um den Globus Gegenstände aus rotem Glas. Vase, Schale, Kelch, Fläschchen oder Schmuckdose – die Stücke zeigen die vielfältigen Nuancen von roter Farbe: Manganviolett, Rosalin, Rubinrot, Selenrot, Kupferrot oder opakes Rot.

Sammlung als Nachlass an das Glasmuseum Wertheim

Das gemeinsame Interesse für Glas und berufliche Verpflichtungen brachten Prof. Scholze mit Dr. Hans Löber, Glas-Physiker und Gründer des Glasmuseums Wertheim, zusammen. Nach seinem Tod ging daher der größte Teil der Sammlung als Nachlass an das Glasmuseum Wertheim über, das sie im Jahr 2010 komplett in einer umfassenden Ausstellung zeigte. Nun sind die Objekte aus rotem Glas wieder als Dauerleihgabe ins Fraunhofer ISC heimgekehrt. Ausgewählte Stücke der Sammlung mit Jahrhunderte alten Stücken sind am Tag der offenen Tür zu sehen.

Hintergrund: Kleine Geschichte über rotes Glas

Den Chemiker und Glas-Experten Scholze faszinierte rotes Glas, weil es sehr anspruchsvoll und kompliziert in der Herstellung ist. Von der Antike bis zum 16. Jahrhundert war es nur möglich, rotes Glas in opaker Form herzustellen. Erst ab dem 16. Jahrhundert gelang es, durchscheinendes Glas mit einer gleichmäßigen roten Färbung anzufertigen. Transparentes rotes Glas konnte erst im 17. Jahrhundert mit der Entwicklung des Goldpurpurs durch Andreas Cassius und eines geeigneten Verfahrens zur Produktion von Goldrubinglas durch Johannes Kunckel in größeren Mengen produziert werden.

Rotes Glas ohne toxische Farbstoffe

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts verdrängten neue „Luxusgläser“ aus Böhmen das Goldrubinglas. Der Harrach ́schen Glashütte in Böhmen gelang 1827 mittels Goldrubin-Überfang die Herstellung von Rosalin und Goldrosé. Mit der Wiederentdeckung des Kupferrubinglases begann in den 1820er Jahren die Massenproduktion rubinroter Gläser. Im Jahre 1891 entstanden die ersten mit Selen rubinrot gefärbten Gläser. Heute werden rubinrote Gläser überwiegend in Ländern wie China und Indien angefertigt. Bei der Produktion werden das giftige Cadmium und das teure Selen als „Anlauffarben“ verwendet. Nichttoxische Ersatzfarbstoffe und Beschichtungen sowie die Verringerung des Edel-Metallgehaltes bei der Erzeugung von rotem Glas beschäftigen heute die Forschung – auch im Fraunhofer ISC. (Quelle: Glasmuseum Wertheim)

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