In Pennsylvania deutsch mit „Würzburg“ lernen

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Würzburg erleben

27. August 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Highschool Lehrbuch mit Würzburg-Lektion

Wie lernt man in Lansdale (Pennsylvania) deutsch? Marina staunte nicht schlecht, als sie Würzburg im Lehrbuch Ihrer High School entdeckte. Derzeit ist die 23 Jährige Englischstudentin für das Gymnasiallehramt in den Staaten und hat uns einen kleinen Reisebericht geschickt: Kurz zu meiner Person: ich bin 23 Jahre alt, heiße Marina Fleck und studiere Deutsch und Englisch in Eichstätt. Ganz genau. Winzige Stadt, recht gute Uni. Bin aber aus Würzburg und liebe, liebe, liebe die Stadt! (Deshalb bin ich so oft es geht auch dort und nicht in der oberbayerischen Provinz.)

Praktikum in Lansdale

Und nun zu meiner Zeit in den USA: insgesamt war ich sechs Wochen dort (vom 21.02. – 04.04.2014). Davon war ich die ersten vier Wochen im Praktikum, hauptsächlich in einer Kleinstadt namens Lansdale, 30 Minuten von Philadelphia. Die letzten beiden Wochen bestanden aus einer Rundreise – möglichst viel von der Ostküste abklappern: New Haven (vor allem wegen Yale J ), Mystic (eine winzige Hafenstadt), Boston (mit Plymoth Plantation) – und dann gings in den Süden! Nach Orlando (wegen Disneyworld J ) und nach Miami (inklusive Everglades und Key West!).

National Education Association

Das Praktikum selbst habe ich über den Bayerischen Lehrerinnen-und Lehrerverband (BLLV) bekommen, da kann man sich jedes Jahr für Lehramtspraktika in der ganzen Welt bewerben und zwei Glückliche dürfen in die USA reisen. Das Praktikum in den USA wird von der PSEA mitfinanziert; das ist der Lehrerverband in Pennsylvania (der wiederum der National Education Association = NEA unterstellt ist). Wir haben die Zentrale beider Einrichtungen besucht. In den USA sind Lehrer in einer „richtigen“ Gewerkschaft, eben der NEA, organisiert; bei uns (zumindest in Bayern) sind das nur Verbände, was vor allem am Beamtenstatus liegt, der fehlt in den USA, so dass Lehrer viel stärker um ihre Rechte, aber auch um die Verbesserung von Bildung im Allgemeinen, kämpfen müssen. Wir haben zum Beispiel ganz viel Werbematerial für die Lesekampagne „Read across America“ mitnehmen dürfen. Von so aufwendigen Kampagnen kann man hier nur träumen.

Kein Nürnberg – aber Würzburg

Meine Mitpraktikantin kam aus Nürnberg und war traurig, weil Nürnberg in keinem der Deutschbücher zu sehen war… Wir haben in einer Gastfamilie gewohnt, in der beide Eltern auch Lehrer waren; ihre Tochter war schon zum Studium ausgezogen und der Sohn war noch im Haus. Unsere Gasteltern waren reizende Menschen, jedes Wochenende haben sie mit uns Ausflüge gemacht, so dass wir, ganz nebenbei, noch New York City (inklusive Broad-Way-Show), Washington D.C (der Besuchs eines Clubs in der Hauptstadt der USA ist eine der coolsten Erinnerungen dieser Zeit). und die Pocono Mountains zu sehen bekamen. Zwischendurch war ich noch in Harrisburg, der Hauptstadt Pennsylvanias und natürlich häufiger in Philadelphia. Damit wäre eigentlich schon recht viel zu meinen Freizeitaktivitäten gesagt. Die Schule beginnt in den USA sehr früh (meist gegen 7:20 Uhr) und endet gegen 15:00 Uhr. Danach haben wir manchmal die Gelegenheit genutzt die örtliche Mall zu besuchen, wir haben mit unserer Gastmutter gekocht, neue Freunde besucht (darunter ein junger und motivierter Deutschlehrer) oder uns für die Wochenendtrips vorbereitet.

Selten mehr als 15 Schüler im Kurs

Einige Worte zum Deutschunterricht (über das Schulsystem könnte ich stundenlang sprechen, aber das würde ein bisschen zu weit führen ;) ) Da ich sowohl Deutsch als auch Englisch studiere, war es für mich besonders aufschlussreich zu sehen, wie das Fach, das ich als Muttersprache lehren werde, als Fremdsprache vermittelt wird und umgekehrt. Auffällig sind die Schülerzahlen, es gibt so viele Kurse, dass selten mehr als 15 Schüler in einem sitzen. Daher kommen die Schüler auch häufiger zu Wort. Ganz allgemein ist der Unterricht viel mehr an der Sprachpraxis als an dem sturen Erlernen von Grammatik orientiert. „Vocalization is internalization“ – das ist das Credo des Lehrers, dessen Kurse ich am häufigsten besucht habe und dessen Schüler hochmotiviert waren. Sein Unterricht ist interaktiv aufgebaut; es gibt ein Smartboard (die gibt es bei uns zum Glück auch immer mehr) und auf dem hat er z.B. regelmäßig ein Quiz gemacht, das auf Spiegelonline zu finden ist. Oder als ich ihm von der Veggie-Tag Debatte erzählte, hat er am nächsten Tag ein youtube-Video dazu mit seinen Schülern angesehen. Es wird also stärker mit authentischem Lernmaterial als mit dem Schulbuch gearbeitet. Das Buch ist eine Orientierung, vor allem im Bereich Vokabeln, aber ansonsten werden Texte aus deutschen Zeitschriften gelesen oder auch mal eine Folge „Wer wird Millionär?“ geschaut.

Landeskunde und Grammatik

Landeskunde, so war mein Eindruck, wird viel anschaulicher, aktueller und somit lebensnäher vermittelt als es in deutschen Schulen oft der Fall ist. (In meiner eigenen Schulzeit ging es meist nur um längst verstorbene englische Könige…). Funktioniert das? Ja. Immerhin habe ich einen 16-jährigen getroffen, der begeistert die Musik von Herbert Grönemeyer hört. Tokio Hotel kennt dafür niemand mehr. (Ist auch kein Verlust.)

Grammatik muss natürlich trotzdem eingeübt werden, es werden häufig Arbeitsblätter verwendet, in denen Lücken ausgefüllt werden müssen (z.B. Ich habe d____ Hund gesehen., Wohin bist du gestern_______ (gehen)?) . Solche Übungen gibt es auch im deutschen Fremdsprachenunterricht, allerdings seltener. Ich denke, je mehr man Formen übt (schriftlich, aber auch mündlich), desto mehr bleiben sie im Gedächtnis. Vor allem zum Sprechen werden die Schüler in den USA immer wieder aufgemuntert, da hinken wir noch etwas hinterher.

Festes Lehrzimmer

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass in den USA jeder Lehrer sein eigenes Zimmer hat und die Schüler wandern (bei uns läuft das ja genau andersherum). Der große Vorteil hierbei ist, dass jedes Zimmer eine perfekte Lernumgebung für das entsprechende Fach darstellt. Betreten die Schüler ein Klassenzimmer, in dem sie Deutsch lernen, so sehen sie Landkarten, Fahnen, Bilder von Sehenswürdigkeiten, Zitate von Schriftstellern, sogar ein Poster mit den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung habe ich gesehen. Sie werden also sofort in das Fach „hineingezogen“, dass ein solches Zimmer optisch ansprechender ist und man in einer angenehmen Atmosphäre lieber lernt, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

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