Zeitarbeit – Ausbeutung oder sinnvolles Arbeitgeberinstrument?

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27. August 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Arbeitnehmerüberlassung

Die Arbeitnehmerüberlassung ist ein Konstrukt, bei dem ein Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag mit einem Personaldienstleister – auch Zeitarbeitsfirma genannt – schließt. Dieser wiederum überlässt seine Mitarbeiter Kunden, also Firmen, die z. B. saisonal oder auftragsbedingt mehr Ressourcen benötigen als sie selbst in ihrem eigenen Mitarbeiterstamm haben.

Risikominimierung vs. Ausbeutung

Das Instrument der Arbeitnehmerüberlassung nutzen viele Firmen aus, um ihre Personalkosten zu minimieren und etwaige Kündigungsfristen auszuhebeln. Statt eigene Arbeitskräfte langfristig einzustellen, werden für kürzere Zeiträume Leiharbeiter „gekauft“. Daher assoziieren wir „Zeitarbeit“ meistens negativ.

Andererseits wäre es für Firmen oft nicht möglich, etwa bei Produktionsspitzen eine Vollzeitkraft fest einzustellen, um sie wenige Monate danach wieder entlassen zu müssen. Diese befristeten Verträge sind selten das Sprungbrett in Richtung Festanstellung.

Schlechter Ruf?

Der schlechte Ruf der Zeitarbeit rührt vor allem daher, dass unseriöse Firmen die Arbeiter unzureichend bezahlen und oftmals Arbeiten verrichten müssen, die mit ihrer eigentlichen Qualifikation nichts zu tun haben. Zeitarbeiter leben oft in einer permanenten Ungewissheit, wie lange das Beschäftigungsverhältnis andauert. Die Redaktion wurde auf 3raum PersonalManagement aufmerksam gemacht, die sich gegen eine Ausbeutung der Arbeitnehmer ausspricht, ordentliche Stundenlöhne zahlt und die „Leiharbeiter“ als Mitarbeiter und nicht als vermietbares Humankapital ansieht.

Zeitarbeit – what is it?

Ulrich Weißenberger ist der Geschäftsführer von 3raum PersonalManagement und zählt 100 Mitarbeiter zu seinen Kollegen, die er in unterschiedlichen Branchen anderen Firmen „überlässt“.

Für welche Berufsgruppen ist Zeitarbeit interessant?

Zeitarbeit kann für Beschäftigte mit unterschiedlichstem Hintergrund interessant sein: Hilfskräfte ohne Ausbildung, kaufmännische Fachkräfte direkt nach der Ausbildung, die erste Berufserfahrung in namhaften Unternehmen sammeln möchten oder auch mit Berufserfahrung, die nach Arbeitslosigkeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben suchen.

Diese Branchen benötigen Zeitarbeiter

In Ausnahmefällen entscheiden sich Menschen sogar konkret für „Zeitarbeit“, weil sie nicht nur für einen Arbeitgeber, sondern viele unterschiedlichen Unternehmen tätig sein möchten.

Offenen Stellen von 3raum bei Wüjobber.de 

Offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte gibt es fast in jedem gewerblichen Bereich: Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, geprüfte Schweißer, Maschinenbaumechaniker, für Kaufleute, für Diplom-Kaufleute, Ingenieure  und Techniker. Darüber hinaus Fachkräfte aus dem Bereich Pflege.

Wie unterscheidet sich 3raum von anderen Zeitarbeitsfirmen? 

Als erstes durch Betreuung: wir unterstützen und begleiten den Mitarbeiter von Anfang an. Ob bei Problemen oder Schwierigkeiten, die im Einsatzbetrieb bei unseren Kunden auftreten oder eher im privaten Bereich angesiedelt sind. Außerdem versuchen wir unsere Mitarbeiter immer  langfristig bei Unternehmen unterzubringen, als mehrere Monate. Die Entlohnung liegt immer über dem gängigen Tarif. Nicht selten steht die Bezahlung in Verbindung mit attraktiven Zusatzleistungen. Oftmals münden die Einsätze in unbefristeten Arbeitsverträgen beim Kunden.

Wie können sich Arbeitnehmer vor so einer Abzocke schützen?

Vor welcher Abzocke? Wir sagen nicht, dass Zeitarbeit generell Abzocke ist. Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil, das leider durch die Arbeitsweise unseriöser Firmen entstanden ist. Viele Personaldienstleister arbeiten durchaus gut und seriös.

Was motiviert Firmen Zeitarbeiter einzustellen?

Die Frage müsste man den Firmen in der Region stellen, aber die „Klassiker“ sind:

  • Abdeckung von Auftragsspitzen bzw. Auftragsschwankungen,
  • Schneller Personalbedarf bei Großaufträgen,
  • Abdeckung von Krankheits- und Urlaubsvertretungen,
  • Strategischer Einsatz,
  • Entlastung der Personalabteilung und
  • Konzentration auf Kernkompetenzen, viele kleinere Firmen sind mit der klassischen Personalarbeit/Personaladministration überfordert – auch zeitlich. Durch die Unterstützung eines Personaldienstleisters kann sich das Unternehmen auf seine Kernaufgaben konzentrieren.

Wie müssen Personaldienstleister mit ihren Mitarbeitern umgehen?

Die Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit, Leiharbeit) ist durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt. Jedes Unternehmen, das im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung tätig sein will, benötigt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung von der Bundesagentur für Arbeit. Zeitarbeitsfirmen müssen ihre Mitarbeiter entweder nach dem sog. „Equal Pay“ entlohnen, also genau die gleiche Entlohnung an die Zeitarbeitskräfte zahlen, wie sie im Kundenbetrieb bei Festanstellung bekommen würden. Das wird in der Praxis so gut wie nicht gemacht. Standard ist die Anwendung eines Tarifvertrages für die Zeitarbeit. Darüber hinaus gibt es viele weitere Gesetze, die Zeitarbeitsfirmen – wie jeder andere Arbeitgeber auch – beachten und einhalten müssen: Arbeitszeitengesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz oder eben auch Kündigungsfirsten wie sie im BGB geregelt sind. All diese Regelungen garantieren natürlich nicht zur Gänze, dass Zeitarbeitsfirmen korrekt mit ihren Mitarbeitern umgehen. Dies gilt aber auch für „normale“ Arbeitgeber.

Welche Tipps geben Sie Arbeitssuchenden in Bezug auf Personaldienstleister? Welche Fehler können vermieden werden?

Das Wichtigste ist, dass sich der Bewerber beim Personaldienstleister gut aufgehoben fühlt und er den Eindruck hat, dass auch seine Interessen bei den Firmen vertreten werden. Natürlich hat jeder Arbeitnehmer unterschiedliche Erwartungen, daher ist ein sympathischer Erstkontakt äußerst wichtig, um ab der ersten Sekunde eine Vertrauensbasis zu schaffen. Beim Vorstellungsgespräch, den Lohnverhandlungen und dem Einstellungsgespräch sollte man merken, ob das 3er-Verhältnis zwischen Personaldienstleister, Kunden und Arbeitnehmer passt.

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httpvh://www.youtube.com/watch?v=UBhH6ceq3BM

*Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit 3raum PersonalManagement.

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