Studis über Uni empört: zuwenig Kursplätze!
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Würzburg erleben
8. Oktober 2014

Symbolbild Würzburg
Ein neuer Kampf beginnt…
Wir sind entrüstet, erbost und schlichtweg STINKSAUER! Ich glaube, hier spreche ich für alle derzeit immatrikulierten Anglistik-Studenten der Universität Würzburg. Wir wollen studieren, aber wir können nicht. Mit jedem neuen Semester beginnt ein neuer Kampf um die Seminarplätze. Alleine in Würzburg gibt es über 6.000 Erstsemester. Toller Rekord!
Anmeldung ist nicht gleich Zulassung
Hat man nach seiner Anmeldung auf sb@Home – das ohnehin schon eine Zumutung ist – einen Kurs im Fach Englisch gefunden, den man für sein Studium braucht und den man interessant findet, so kann man sich ganz leicht über den Button „jetzt online belegen“ anmelden. Soweit so gut, könnte man meinen – doch halt! Dass man angemeldet ist, bedeutet noch gar nichts. Über Losverfahren werden die Glücklichen herausgefiltert, die einen Platz im Seminar erhalten. Alle anderen gucken in die Röhre. Nun handelt es sich bei den unglücklichen Verlierern aber nicht um zwei oder drei Pechvögel, die nun eben einfach ihr zweitliebstes Seminar anstatt ihre erste Wahl abgekommen haben, sondern um HUNDERTE Studenten, die für dieses Semester gar keinen Platz in einem Seminar bekommen!
Dear Students…
Nachdem ich mich für einige Englischseminare angemeldet hatte, jedoch für keines zugelassen worden war, schrieb ich, wie zahlreiche meiner Kommilitonen, eine Beschwerdeemail an den Dozenten. Dieser antwortete mir unpersönlich, mit der Begrüßung „Dear students“ – was jedoch nicht allzu verwunderlich ist, denn er hatte, wie ich später erfuhr, im Minutentakt Beschwerden von verzweifelten Studenten bekommen, sodass er sich selbst nicht mehr als Herr der Lage fühlte und aus Zeitgründen nicht allen individuell zurückschreiben konnte. In seiner E-Mail wies er uns darauf hin, dass wir doch bitte in der ersten Sitzung des Seminars erscheinen sollten, ob wir nun zugelassen waren oder nicht. Er würde noch weitere 10 Plätze anbieten, was jedoch bereits außerhalb der rechtlich zugelassenen Anzahl sei, denn diese betrage 20 Seminarplätze. Falls wir auch dann nicht im Seminar teilnehmen könnten, so sollten wir zumindest die Protest-Unterschriftenliste unterschreiben, die dann an die „Geschäftsführung“ weitergeleitet werden würde.
Das Zittern in der 1. Sitzung
Soweit, so ernüchternd. Also machte ich mich ohne viel Hoffnung, auf ins Getümmel. Getümmel ist hierfür das richtige Wort, denn die Studenten drängen sich in den Kursräumen zusammen und hoffen auf einen Platz, meist ohne einen eigentlichen Sitzplatz zu haben. Nun standen oder saßen wir da, beäugten das Geschehen kritisch, warteten seit kurz vor 8 Uhr morgens in dem Kursraum, auf unser Schicksal. Jeder der den Raum betrat, war in diesem Moment überhaupt nicht willkommen – er war ein potentieller Rivale, der einem den Platz wegschnappen konnte. Also bangten wir und hofften, tauschten Leidensgeschichten aus und waren erschüttert über diese Missstände an einem Ort, der zum Lernen da sein sollte und nicht zum Bangen. Ein Ort, der mich für meine berufliche Zukunft optimal vorbereiten sollte und nicht daran hindern. Ein Ort, der mich nicht nur gerne aufnehmen, sondern mir etwas bieten sollte.
Wir sind zu Viele
Denn da kommen wir zum eigentlichen Problem: Wir sind zu Viele für so wenige Kurse. Englisch ist ein zulassungsfreier Studiengang, das heißt, man kann sich einfach dafür einschreiben – nicht so wie bei Medizin, wo es nur begrenzt Plätze gibt und man deshalb einen 1er-Schnitt braucht, um am Numerus Clausus (NC) vorbeizukommen. Wegen sonst nichts. Es gibt nicht genug Plätze, also gibt es nicht so viele Studenten in diesem Studiengang. Bei uns ist das anders.
Ich finde es schön, dass jeder, der die englische Sprache liebt, hier studieren kann. Doch es ist ein Unding, dass er dann keinen Seminarplatz bekommt. Unser Dozent entschuldigte sich immer wieder, es war im anzumerken, dass es auch ihm gegen den Strich ging, so hart durchzugreifen und keine Möglichkeit zu haben, etwas zu ändern. Er ließ auch immer wieder durchsickern, dass es am „Finanziellen“ läge und es auch etwas mit den weggefallenen Studiengebühren zu tun habe – die Uni könne sich einfach nicht genügend Lehrkräfte für Anglistik leisten. Doch warum ist das so? Ich kenne keinen anderen Studiengang, in dem die nicht mehr vorhandenen Studiengebühren einen solch katastrophalen Schaden angerichtet haben wie in Englisch.
Nun frage ich: Wer erhört unser Leid? Wie lange müssen wir noch klagen, damit sich etwas ändert?
Es gibt bereits eine gut besuchte Facebook-Gruppe, die sich diesem Dilemma angenommen hat. Hier findet man Gleichgesinnte und Leidensgenossen, die nicht nur ihr eigenes Leid klagen, sondern auch konstruktive Vorschlage anführen.
Hier eine kleine Unterhaltung, die ich mal für Euch mitgeschnitten habe:
Student A:
„Macht das Losverfahren nicht schlecht. Ich habe zu den Zeiten angefangen zu studieren, in denen man per Eingang einen Platz bekommen hat. Das hieß jedes Semester 6 Stunden am PC sitzen und alle paar Sekunden neu laden weil der Server überlastet war und letztlich hat man keinen Platz bekommen. Das war frustrierend…Nicht das Losverfahren. Die einzigste Lösung ist eine Begrenzung bei der Aufnahme der Studenten. Ich bin zwar in meinem letzten Semester und froh, dass ich es endlich mal in alle Kurse geschafft habe, trotzdem finde ich die Gruppe eine super Idee was ins Rollen zu bringen. Es muss sich in Zukunft DEFINITIV was ändern.“
Student B:
„Ich kenn das mit der Vergabe nach Reihenfolge auch noch und gebe dir recht, das war auch uncool. Aber egal wie, es kann einfach nicht sein, dass sich das Studium verlängert nur weil man keine Kurse kriegt… Die müssen dafür sorgen, dass die Studenten Plätze kriegen, sonst dürfen sie nicht mehr so viele zulassen…“
Student C:
„Es würde möglicherweise auch helfen, wenn die Kurssituation nicht noch zusätzlich verschärft wird durch a) reinschnuppern: „Ich kuck mal ob der dozent auch so streng/böse/gemein ist wie der letzte“ b) „bei dem schreib ich aber keine Prüfung, der kuckt immer so böse“ c) „in der belegphase belege ich einfach alles was technisch möglich ist, um später was zum Tauschen zu haben – scheißegal ob ich die belegten Kurse eigentlich machen darf“ // auch wenn das natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.“
Uni Zeugs auf Facebook & Co
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