Erstaufnahme von minderjährigen Flüchtlingen
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Würzburg erleben
9. Oktober 2014

Symbolbild Würzburg
12 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Ab 15. Oktober gibt es im Don-Bosco-Berufsbildungswerk (BBW) der Caritas in Würzburg eine Clearingstelle mit vorerst zwölf Plätzen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Eine Erweiterung auf 24 Plätze ist geplant. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann segnete am Mittwochnachmittag, 8. Oktober, im Beisein von Bayerns Sozialministerin Emilia Müller die Räume am Schottenanger in Würzburg.
Erstversorgung der Jugendlichen
Die neue Clearingstelle nimmt minderjährige Flüchtlinge in Empfang und sorgt für eine Erstversorgung. Geklärt werden Fragen zur Gesundheit, zum Aufenthaltsrecht und zu realistischen Zukunftsperspektiven. Dem besonderen Schutzbedürfnis wird laut BBW in dieser sensiblen Phase Rechnung getragen.
Mehr Chancen in Würzburg als in München
Bereits seit 2012 gibt es im Berufsbildungswerk eine heilpädagogische Wohngruppe für zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 2013 wurden weitere neun Plätze zum selbständigen Wohnen im Stadtgebiet von Würzburg geschaffen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm würdigte das große Engagement der Kirche. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hätten hier in Würzburg mehr Chancen als in München. Laut BBW-Direktor Andreas Halbig gibt es derzeit 200 Plätze für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in den acht Berufsbildungswerken in kirchlicher Trägerschaft in Bayern. Die weiteren vier staatlichen Berufsbildungswerke hätten bisher keine Plätze bereitgestellt, kritisierte Halbig.
Gemeinschaftsaufgabe und Pflicht der Kirche
Die Staatsministerin zeigte sich sehr dankbar, dass die Kirche die Erstaufnahmestelle einrichte und „hier enorm viel leistet“. Der Zustrom sei groß: „Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hat sich heuer versechsfacht.“. Bischof Hofmann hob den ureigenen christlichen Auftrag hervor, nahe bei den Menschen zu sein. „Es ist unsere Pflicht als Kirche, uns für Flüchtlinge und Fremde einzusetzen.“ Die aktuelle Aufnahme von Flüchtlingen sei eine Gemeinschaftsaufgabe, die der Staat alleine nicht leisten könne.
Zugang zu Schule und Ausbildung
Nach den Worten von Erziehungsleiterin Tracy Hajduk wurde bisher den jugendlichen Flüchtlingen ein angemessener Zugang zu Schule und Ausbildung ermöglicht. So nutzten acht Jugendliche schulische Angebote, sieben seien in Ausbildung. Außerdem besuchten fünf Jugendliche den internen Deutschkurs. Als besondere Erfolge führte Hajduk insgesamt drei Jugendliche mit qualifiziertem Hauptschulabschluss, mit Mittlerer Reife oder mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Hochbauer auf.
Sprachkurse notwendig für Integration
Kritik übte die Erziehungsleiterin unter anderem an der fehlenden Möglichkeit zum Sprachkurs während des Asylverfahrens, was eine Integration verhindere. Ministerin Müller betonte, dass sie sich mit dem bayerischen Kultusminister einig sei, dass junge Flüchtlinge von Anfang an Sprachkurse benötigten. Die Sprache sei der Schlüssel zum Erfolg für die Jugendlichen. Es sei wichtig, hier Unterstützung zu leisten. Landtagspräsidentin Barbara Stamm gab die Forderung an Müller weiter, dass jugendliche Flüchtlinge ihre Berufsausbildung zu Ende bringen können müssten. „Das Alter darf hier keine Rolle spielen.“
Medizinischer Bedarf und finanzielle Belastung
Dass es aktuelle Hindernisse in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen gibt, trugen die Jugendlichen Gulam-Reza Jaweri (19) aus Afghanistan, Abdalam Abdirahman Hussein (19) und Nabil Jama Hindi (20), beide aus Somalia, der Ministerin vor. So sei der Zugang zur Bildung erschwert, und es fehlten Bildungsangebote für über 16-Jährige, vor allem im ländlichen Raum. Bei der medizinischen Versorgung sei keine gesetzliche Krankenversicherung möglich. Meist hätten die Jugendlichen aufgrund ihrer Unterversorgung im Herkunftsland einen höheren medizinischen Bedarf. Zuzahlungen aus ihrer individuellen Pauschale könnten sie sich nicht immer leisten. Insgesamt seien die Jugendlichen aufgrund des fehlenden Familienanschlusses besonders finanziell belastet.
Fast 3500 Flüchtlinge in der Diözese Würzburg
Nach Angaben der Caritas ist die Zahl der Flüchtlinge in der Diözese Würzburg von 1569 zu Beginn des Jahres 2012 auf 3479 im September 2014 angestiegen. Ein großes Problem sei die dezentrale Unterbringung von derzeit 1412 Flüchtlingen, sagte Thomas Kipple, Leiter des Caritas-Fachbereichs Migration. Um den Flüchtlingen und der Betreuung gerecht zu werden, müssten seitens der Caritas mindestens zwölf Beraterstellen eingerichtet werden. Die Anträge hierfür seien an das Sozialministerium gestellt.
30 Mitarbeiter in elf Standorten
Für die Caritas sei eine verlässliche Planung der Unterkunftskapazitäten ebenso wichtig wie eine zeitnahe Aufstockung der Zuschussmittel zur Erweiterung der Beratungsstellen, forderte Kipple. Derzeit ist die Caritas in der Flüchtlingshilfe mit 30 Mitarbeitern in elf Standorten in der Diözese Würzburg vertreten. Es gibt sechs Beratungsstellen für Asylsuchende, die zentrale Rückkehrberatung für Flüchtlinge in Würzburg, zwei Projekte zur Vermittlung von Wohnraum für Flüchtlinge und zwei Migrationsberatungsstellen für Erwachsene.

