Obdachlose brauchen mehr als Almosen

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Würzburg erleben

20. Oktober 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

Symbolbild Würzburg

Diskussion auf Facebook

Vor kurzem hat unser Artikel über die Bahnhofsmission und Hilfsbedürftige in Würzburg mal wieder eine große Diskussion auf Facebook ausgelöst. Obdachlose Menschen „sind selbst Schuld“ wurde hin und wieder behauptet. „Unglaublich…hier wird ein Bericht über eine Organisation hochgeladen, die sich um die Ärmsten Menschen in unserer Mitte kümmert …und was passiert? Ein ‚der ist schuld!‘, ‚Schlimme Asylanten!‘ Gegröhle geht los“, kommentierte Kay Mayer, Dualer Student bei der Christophorus Gesellschaft und hat unsere Aufmerksamkeit erregt, sodass wir ihn zu einem Interview eingeladen haben und mehr über seine Arbeit erfahren wollten.

Aufopfern vs. Helfen

Seit drei Jahren ist Kay bereits Mitarbeiter der Christophorus Gesellschaft und hat täglich Kontakt zu hilfsbedürftigen Menschen. Er erklärt uns, dass diese sehr tragische Geschichten erleben, oft psychisch krank sind und schlicht und einfach Schicksale hinter sich haben, die man sich in unserer Gesellschaft kaum vorstellen kann. Die persönlichen Geschichten gingen natürlich jedem Sozialarbeiter sehr nahe und man merke, was man alles tun könne, um zu helfen. Es entstehe ein für Sozialarbeiter typisches Spannungsverhältnis: Aufopfern vs. Helfen. Man müsse lernen damit umzugehen und den Selbstschutzmodus aktivieren, um psychisch und emotional stabil zu bleiben und helfen zu können.

Hilfsbereitschaft in Würzburg

Wir wollten wissen, wie hilfsbereit Würzburg ist. Die Mischung sei spannend. Würzburg ist eine wohlhabende Stadt und es tut sich schon einiges. Der Studiengang ‚Soziale Arbeit‘ sie ziemlich beliebt unter Jugendlichen, aber es wäre natürlich mehr möglich, so Kay. Die Wohnungslosenhilfe beispielsweise sei ein in der Öffentlichkeit viel zu wenig diskutiertes Thema. Obdachlose Menschen brauchen mehr als Almosen. Sie brauchen konkrete Hilfe. „Einfach mal in die Wärmestube setzen und ein bisschen mit den vereinsamten Menschen sprechen. Das brauchen sie, das gibt ihnen ein gutes Gefühl und man versteht wie es ihnen wirklich geht, was sie erleben.“

Perspektivenwechsel und Respekt notwendig

„Viele haben eine festgefahrene, realitätsferne Sicht. Sie können sich nicht in die Situation der Armen hineinversetzen. Sie verstehen nicht, was es bedeutet sich auf die Straße zu setzen, einen Becher in die Hand zu nehmen. Das muss man erst mal verstehen, welche Schamgrenze hier überwunden werden muss.“ Nach Kays Erklärung sind auch wir ehrlich gesagt überrascht, wie Recht er hat. Aus dieser Perspektive hatten wir die ganze Sache auch noch nicht betrachtet. Eigentlich reicht es, sich kurz in die Situation der armen Menschen hineinzuversetzen und auch Respekt vor ihnen zu haben.„Stehen bleiben und in die Augenschauen. Das Gefühl geben, die Person ist wichtig und nicht wertlos. Das wäre ein Anfang“, gibt uns Kay noch als letzten Tipp.

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