Platzprobleme: Aufatmen bei Anglistik-Studenten
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Würzburg erleben
28. Oktober 2014

Symbolbild Würzburg
Podiumsdiskussion der Philosophischen Fakultät
Wie berichtet, gab es, aufgrund der großen Platzprobleme im Studienfach Anglistik, eine Podiumsdiskussion der Philosophischen Fakultät. Verschiedene Verantwortungstrager, u.a. der Vizepräsident der Universität Prof. Dr. Riedel, stellten sich den unangenehmen Fragen der Studenten. Unter Ihnen eine Studentin, die für uns Ihren Standpunkt zum Diskussion schildert:
„Wir wurden erhört!
Studierende der Anglistik können aufatmen, denn wir sind in guten Händen. „Wir verstehen euch“ – Die gestrige Podiumsdiskussion brachte Licht ins dunkle Chaos der Kursplatznot, Verständnis von Seiten der Universitätsleitung wurde ausgesprochen und die Fachschaft erklärte sich zum eisernen Mitstreiter der Studierenden.
„Wir kümmern uns, wenn ihr Probleme habt, kommt zu uns!“
Noch immer bin ich regelrecht überwältigt vom gestrigen Aufgebot an verständnisvollem Zuspruch, Humanität und Interesse der Universitätsleitung und der Fachschaft der Philosophischen Fakultät I. Nein, wirklich, ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich die Fachschaft, die ich bisher leider kaum als ernsthafte Helfer wahrgenommen hatte – verzeiht mir bitte, aber ich kann hier nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen – geradezu überschlagen hat, uns Kommilitonen ihre Hilfe anzubieten.
Der Sprecher unserer Fachschaft trat nicht nur äußerst selbstbewusst auf, sondern er vermochte es auch, bei gelegentlich schwammigen Aussagen der Interviewten ernsthaft kritisch und doch humorvoll nachzuhaken. Zum ersten Mal fühlte ich mich durch ein Fachschaftsmitglied gut vertreten. Danke dafür! Mit dieser Veranstaltung habt ihr dafür gesorgt, liebe Fachschaft, dass ich euch nun mit anderen Augen betrachte – ich gehe davon aus, ich spreche damit nicht nur für mich.
Nun aber zum wahren Objekt meiner Begeisterung: Frau Prof. Dr. Karremann – die engagierteste Professorin, die ich je kennen lernen durfte. Als unsere Studienvertretung sie um ein Anfangsstatement bat, erwiderte Frau Prof. Karremann schlagfertig:
„Der Semesterstart war ein bisschen ruppig – so wie immer.“
Alles Eis, das je zwischen uns Studenten und der Universitätsleitung hätte bestehen können, wäre damit gebrochen. Und Frau Prof. Karremann machte sich unverzüglich an die Erklärungsversuche für die überfüllten Kursräume: Wie bereits Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Riedel beklagt hatte, lag das ausschlaggebende Problem in der Politik. „Politik versteht unter Wissenschaft nicht Geisteswissenschaft“, so Riedel. Dagegen seien die Lebens- und Naturwissenschaften von größerer Wichtigkeit für Politiker, da diese die Jobs bringen und nicht wir Geisteswissenschaftler. Nachvollziehbar. Frau Prof. Karremann stellte daraufhin ebenso fest:
„Als Geisteswissenschaften haben wir zu wenige Ressourcen.“
Und deshalb sei nun die Frage, wie man mit diesen Ressourcen richtig umgehen soll. Das ist ja schön und gut, denkt man als Student, doch woher kommen überhaupt solch geringe Ressourcen? Viele Dozenten erklärten ihren Studierenden irrtümlich, dass diese Knappheit an Geld, an den weggefallenen Studiengebühren läge. Aber das stimmt nicht, denn wie auch unser Fachschaftsvertreter einwarf, seien die Studiengebühren kompensiert worden und nicht Schuld an dem Dilemma – zumindest nicht grundsätzlich (klar, dass der Wegfall nicht gerade geholfen hat).
Geld ist an Studierendenzahlen gekoppelt
Prof. Dr. Baumhauer, Dekan der Philosophischen Fakultät, erklärte, dass dieses Problem äußerst kompliziert sei und es mit dem „Ausbauplan“ von 2005 zusammenhänge. Kurz gesagt ginge es vor allem darum, dass die Fakultät dadurch Lehrstellen verloren hat, die sie nicht mehr zurückbekam, denn: Wurde der „Ausbauplan“ nicht erfüllt, so wurden Stellen gestrichen. Keine Lehrstellen, keine Lehrbeauftragten, keine Kurse, kein Kursplatz. Einleuchtend.
Die Notfallmaßnahme
Frau Prof. Karremann bedauerte es sehr, dass viele Studenten auf der Strecke bleiben, wenn man mehr als 30 oder sogar 40 Seminarplätze anbot, denn so könne der einzelne Seminarplatz nicht gut genutzt werden. Ihr sei die individuelle Beratung der Studierenden wichtig, und auch das Lehren und Lernen würde unter überfüllten Kursen leiden. Auf jeden Fall sei es nötig, das Studiensystem (Studienverlaufspläne bzw. Modulhandbuch) neu zu strukturieren, denn trotz Bologna (Europäische Studienreform) sei kein wirklich neues System eingeführt worden. Das alte, nicht mehr zeitgemäße, müsse nun überarbeitet werden.
„Wir versuchen das System anzupassen“.
Doch im gleichen Atemzug schob Frau Prof. Karremann nach: „Es wird nie ganz gut werden.“ Denn es bleibe im Hinterkopf zu behalten, dass die Geisteswissenschaften nicht auf der Prioritätenliste ganz oben stünden. Die „Notfallmaßnahme“ für das Sommersemester 2015 sähe anstelle eines Seminars zur Einführung in die englische Literaturwissenschaft eine Vorlesung vor, die viel mehr Erstsemester (und andere Studierende) besuchen könnten. Auch in den Folgemodulen (Themenbereich und Aufbaumodul LitWi) solle es mehr Seminare geben als bisher angeboten wurden. Aber dennoch: „Es wird nie freie Auswahl geben!“ Da unsere Hoffnung auf irgendeinen Seminarplatz bereits das äußerste der Gefühle ist, was wir uns momentan zu hoffen trauen, können wir natürlich zunächst mit dieser Einschränkung leben.
Wieso bringt ein NC für die Anglistik nichts?
Aber, weshalb Englisch nicht einfach zulassungsbeschränkt machen? Weniger Studenten, mehr Kursplätze für die Immatrikulierten, oder etwa nicht? So einfach ist das leider auch nicht, denn, wie bereits gesagt, werden die Studienzuschüsse, die die Universität Würzburg erhält, reduziert, sobald sich weniger Studenten einschreiben. Ein Teufelskreis. Die Hochschule habe deswegen keine andere Chance, die Studenten nach Würzburg zu locken, denn andernfalls ginge das Geld an andere Unis.
„Ein steter Tropfen höhlt den Stein“
Ein wahrer Spruch, den unser Fachschaftsvertreter gestern aussprach, um uns zu verstehen zu geben, ja, aufzufordern, dass auch wir Teil dieses Verbesserungsversuchs werden sollen. Dieser Versuch beinhaltet, die Politik auf uns aufmerksam zu machen. Auf uns, die auf der Liste scheinbar ganz unten stehen – die Geisteswissenschaftler. Unsere Fachschaft lädt Hochschulpolitiker aus München zu einer Podiumsdiskussion ein, zu der wir ebenfalls so zahlreich erscheinen sollen wie wir es gestern getan haben. Wenn eines sicher ist, dann, dass erst viel Wirbel gemacht werden muss, bis die Politik uns
erhören wird. Doch lasst uns zusammen für unsere Rechte kämpfen! Auch wenn es für manche „nur“ Sitzplätze in einem Seminarraum sein mögen, es ist mehr: Es ist das Recht der Geisteswissenschaftler auf ebenso viel Beachtung und Zuwendung, wie sie die anderen Wissenschaften der Uni erhalten.

