Tödlicher Nachbarschaftsstreit: Zwölf Jahre Haft für Angeklagten

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29. Oktober 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Wegen Totschlags verurteilt

RANDERSACKER. Weil er seinen 76 Jahre alten Nachbarn mit einem wuchtigen Messerstich in den Rücken getötet hat, soll ein 46 Jahre alter Mann aus Randersacker (Kreis Würzburg) für 12 Jahre ins Gefängnis. Das Würzburger Schwurgericht verurteilte den in dem Weinort nur als Eigenbrötler und Sonderling bekannten Mann am Mittwoch wegen Totschlags und nicht – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – wegen Mordes.

Keinerlei Überlebenschance

Das Gericht hatte keinerlei Zweifel daran, dass der 46-Jährige seinen Nachbarn am Vormittag des 25. September 2013 vorsätzlich getötet hat. Bei dem 20 Zentimeter tiefen Stich direkt unterhalb des linken Schulterblatts wurden die Lunge und eine Hauptschlagader verletzt, das Opfer hatte keinerlei Überlebenschance. „Wer auf diese Stelle zielt, der will töten oder nimmt den Tod zumindest billigend in Kauf“, betonte der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl.

Jahrelang Nachbarstreitigkeiten

Die blutige Tat war der traurige Höhepunkt jahrelanger Streitigkeiten des Angeklagten mit seinem Nachbarn, die im letzten Jahr immer mehr eskalierten. Der Getötete war trotz seines Alters als Kraftsportler körperlich fit und nahm seinen Nachbarn als Gegner offenbar nicht wirklich ernst – nicht einmal, als der in einem Fall mit einem Schlagwerkzeug in der Hand vor ihm stand.

Bei den Streitigkeiten ging es immer um Nichtigkeiten. Der Angeklagte lebte völlig zurückgezogen in seinem Haus und störte sich immer wieder daran, wenn Nachbarn in seinen persönlichen Bereich eindrangen. Auch ein Trampelpfad hinter seinem Grundstück, der in die Weinberge führte, gehörte für ihn zu seinem „Ich-Bereich“, wie ein Sachverständiger im Prozess erläuterte. Auch wegen der Enkel des Getöteten, die auf dem von dem 46-Jährigen gepflegten Pfad Kastanien sammelten, kam es zum Streit, der mit Steinwürfen des Angeklagten auf sein späteres Opfer endeten.

Blutend neben der Hecke

Am Tag der Tat hatte der 76-Jährige den Pfad betreten, um eine Hecke an seinem Grundstück von außen zu schneiden. Der Angeklagte verließ um kurz vor 10 Uhr mit seinem Hund das Haus, betrat den Pfad, knapp zwei Minuten später hörte die Ehefrau des Opfers einen Schrei und fand ihren Mann blutend neben der Hecke auf dem Rücken liegen. Der Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Spaziergang mit dem Hund bereits fortgesetzt. Er ließ sich knapp drei Stunden später widerstandslos festnehmen. Überführt wurde er durch Blutspuren an seiner Hose, die eindeutig die DNA des Opfers enthalten. „Wie sonst soll das Blut an die Hose gekommen sein?“, fragte Pöpperl den 46-Jährigen.

Angeklagter streitet alles ab

Der hat im Prozess abgestritten, seinen Nachbarn erstochen zu haben, sonst aber keine Angaben zum Geschehen gemacht. „Warum sie ein Menschenleben ausgelöscht haben, hätten nur sie uns erzählen können“, sagte der Vorsitzende. Weil der konkrete Anlass des Messerstichs im Dunkeln blieb und auch der genaue Tathergang nicht mit ausreichender Sicherheit aufgeklärt werden konnte, sah sich das Gericht nicht in der Lage, den 46-Jährigen wegen Mordes zu verurteilen. „Wir wissen nicht sicher, ob das Opfer arg- und wehrlos war und von dem Angriff überrascht wurde und müssen von der für den Angeklagten günstigsten Variante ausgehen“, betonte Pöpperl. Ein Rechtsmediziner hält es für wahrscheinlich, dass sich Täter und Opfer gegenüber standen, als der Stich geführt wurde.

Urteil regungslos entgegengenommen

Der Angeklagte nahm das Urteil ohne erkennbare äußere Regung entgegen. Nach der Urteilsverkündung trank der 46-Jährige seelenruhig seinen mitgebrachten Eistee aus, besprach sich kurz mit seinem Verteidiger Bernhard Löwenberg (Würzburg) und lächelte dabei. Der Anwalt hatte der Polizei einseitige Ermittlungen in Richtung seines Mandanten vorgeworfen und einen Freispruch beantragt. „Es waren nachweislich fünf oder sechs Personen in der Nähe des Tatorts. Nach aktuellem Stand werden wir in Revision gehen“, so Löwenberg.

Text:PW

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