„Fernsehfritze“ Frank Buschmann kurzweilt Würzburg mit „Am Ende kackt die Ente“
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Würzburg erleben
3. November 2014

Symbolbild Würzburg
Der Sportjournalist an sich
Immer gut gelaunt, immer nah dran und immer ein Star in greifbarer Nähe: So oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen den Alltag eines Sportjournalisten vor. Dass die Realität eine andere ist, offenbart ein Blick in die Mixed Zones der Bundesligastadien. In den engen Arbeitsbereichen quetschen sich dutzende Journalisten an Absperrgitter, ihre Aufnahmegeräte weit von sich streckend, um zumindest einige Fetzen der meist biederen Floskeln zu ergattern. Wenige Minuten nach Abpfiff müssen die ersten Redaktionen mit Berichten, Kommentaren, Hintergrundinfos und Spielerstimmen beliefert werden. Hat man dann auch noch das Pech über einen Verein wie den FC Bayern München berichten und selbst das wachsende Gras an der Säbener Straße im Liveticker kommentieren zu müssen, kann man der Verzweiflung schon recht nahe kommen.
Frank Buschmann – König der Sportreporterzunft
Frank Buschmann hat derlei Probleme nicht. Als selbstständiger „Fernsehfritze“ gehört er zu den Königen der Sportreporterzunft und darf reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Seine leidenschaftlichen und frechen Kommentare, die für alles stehen außer Distanz vom Geschehen auf dem Platz, haben Kultstatus erreicht. Er trifft den Nerv eines Publikums, das mit drögen Geschichten zur bevorzugten Sockenfarbe der Haudegen von anno dunnemals nur wenig anfangen kann und arbeitet mit Hochdruck an der eigenen Markenbildung: Buschi, der ewig jung gebliebene Rebell, der niemandem nach der Pfeife tanzen, Witze auch auf eigene Kosten reißen und sich im Zweifelsfall doch selbst genug sein kann.
Zuhörer im Bann: Bekifftes Stadion & Pokern mit Payton
Kein Wunder, dass das „Radiogesicht mit Zeitungsstimme“ keine Probleme hatte, die gut 300 Besucher im Würzburger Luisengarten in seinen Bann zu ziehen. Ob launige Anekdoten aus dem Karlsruher Wildpark und dem bekifften Stadion am Millerntor, über pokerspielende Basketballlegenden im Flieger von Dortmund nach Berlin oder Missgeschicke aus seiner Zeit im Frühstücksprogramm bei Radio Hagen – Buschmann lieferte die Pointen und das Publikum lachte. Das galt auch für die herzlichen Geschichten, die der Wahl-Münchener über sein Verhältnis zu Dirk Nowitzki und dessen Familie zum Besten gab. Man konnte sich das verdutzte Gesicht des Antenne Bayern-Mannes bildlich vorstellen, der Buschmann unbedingt noch eine Information über Dirk entlocken wollte und plötzlich Papay Nowitzki auf der benachbarten Liege am Istanbuler Hotelpool an der Strippe hatte.
„Nicht-WG-Bewohner“ überraschen Buschi
Doch das Highlight des Auftritts war natürlich der Bericht zur großen NBA-Siegesfeier in Würzburg („D-Day“), die nach einem feuchtfröhlichen Abend im Odeon mit einem Paukenschlag in einer Grombühler WG geendet hatte. Vier Studenten hatten Buschmann nach dem obligatorischen Frühstück im Brandstetter (Zwei Eier im Glas) so lange bequatscht, bis er auf ein Kippchen in ihre WG mitgekommen war und ihren Mitbewohner im originalen Buschi-Style aus dem Schlaf befördert hatte. Ihre WG? Ihr Mitbewohner? Pustekuchen! Zur großen Überraschung packten die vier aus, dass sich alles ganz anders zugetragen hatte: Keiner von ihnen hatte jemals in der WG gewohnt, dafür aber irgendjemand irgendjemanden gekannt, der den Weg in die Wohnung ebnete. „Eine maßlose Unverschämtheit“ echauffierte sich Buschmann mit einem großen Augenzwinkern und ließ direkt die nächste Anekdote folgen, die von seiner Heimkehr an den Frühstückstisch des Hotels handelte.
5 Stunden Kurzeweile in Würzburg
Alles in allem erlebte das Publikum einen kurzweiligen Abend, der vor allem vom märchenonkelesken Erzählstil Buschmanns lebte. Bei dessen Charisma war es dann letztlich auch egal, dass weder die ganz große Unterhaltungskunst noch ein ausführliches Sportprogramm für die Freunde der eins-zu-null-Berichterstattung geboten wurde. Beim nächsten Besuch in Würzburg wird es dafür die anderen Geschichten aus dem Buch zu hören geben – wenn bis dahin nicht schon der Nachfolger für „Am Ende kackt die Ente“ in den Buchregalen stehen sollte.
Empfehlung der Redaktion
Noch besser als das lesenswerte Buch von Frank Buschmann ist übrigens das Hörspiel, in dem der Sportverrückte wie bei seinen Lesungen ebenfalls frei erzählt. Das Hörbuch ist hier bestellbar.
Ein Gastbeitrag von Stefan Schwaneck

