Sexuelle Belästigung – Vorkommnisse an der Uni

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Würzburg erleben

5. November 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Sexuelle Belästigung ist auch ein Thema in der Uni

Er setzt sich in die Nähe der jungen Frau. Sie kennt ihn nicht, blickt verstohlen von ihrem Buch auf und schnell wieder hinein. Er starrt sie an. Sie ist irritiert, beginnt nervös auf ihrem Platz hin und her zu rutschen. Sie blickt nicht auf. Er starrt weiter. Bis sie es nicht mehr erträgt. Sie steht auf und flüchtet.

Sexismus im Alltag – ein YouTube Video der 24-jährigen Shoshana Roberts hat gezeigt, wie sie sich in zehn Stunden mehr als 100 anzügliche Sprüche anhören musste. Aber gibt es das nur in amerikanischen Großstädten oder auch hier in Würzburg? In der Mensa, in der Bibliothek, vor den Hörsälen? Ja – auch in der Uni Würzburg werden Frauen Opfer von Belästigung.

Stalking – auch das gibt es in Würzburg

„Die Uni Würzburg ist keine Insel der Glückseligen“, erklärt Gisela Kaiser, hauptamtliche Referentin der Frauenbeauftragten der Universität. „Wenn so viele Menschen mit verschiedenen Charakteren täglich zusammensitzen, kommt es zu allen möglichen Formen und Ausprägungen von Belästigungen.“ Verbale Attacken, sexuelle Belästigung, Stalking – alles Probleme an der Würzburger Uni mit denen sie sich im Büro der Frauenbeauftragten beschäftigen.

„Es gibt ein breites Spektrum von Vorfällen, mit denen wir ständig zu tun haben“, erzählt Gisela Kaiser. Ob die Fälle gegenüber früher zugenommen haben, kann sie nicht sicher sagen. Durch die größere Öffentlichkeit und die veränderte Gesetzgebung im Bereich Stalking ist das Bewusstsein für die Problematik heute definitiv größer, schätzt sie und sagt: „Früher wurde mehr erduldet und hingenommen.“

Nicht weggehen, sondern konfrontieren

Doch wie sollen Frauen reagieren, wenn sie ein „Kompliment“ zu ihrem „Vorbau“ bekommen oder aggressiv angegangen werden? Bei Belästigung einfach weggehen? „Das ist die komplett falsche Reaktion“, warnt Gisela Kaiser. Gehe man einfach fort, könne der Verfolger einem weiter nachstellen oder sich einfach das nächste Opfer suchen.

Also was tun, wenn man angestarrt wird? „Frontal zu ihm hindrehen, ihn ansprechen und fotografieren.“ Aber darf ich meinen Peiniger einfach so knipsen? Viele Frauen sind davon abgeschreckt, ob sie sich wiederum korrekt verhalten. „Das werde ich oft gefragt – aber Gegenfrage: Darf der denn das?“, erklärt Kaiser. Wichtig sei die Dokumentation des Geschehens. Auch Öffentlichkeit herstellen helfe den Betroffenen. Werde jemand verbal ausfällig, hilft es andere anzusprechen und sie in das Geschehen miteinzubeziehen. „Frauen müssen mutiger und offensiver werden“, erklärt die Referentin.

Gerade an der Uni sind viele Frauen von der Belästigung „unheimlich überrascht“. Rechne man in der Disko oder in einer Bar vielleicht eher damit, ist man in der Uni-Bibliothek von einem aggressiven Spruch erst einmal perplex.

Auch Männer leiden unter Belästigung

„In 99,9 Prozent der Fällen sind Frauen betroffen“, sagt Kaiser. Doch auch Männer benötigten schon die Hilfe vom Büro der Frauenbeauftragten. Ein Dozent wusste sich einer ihn anhimmelnden Studentin einfach nicht mehr zu erwehren – sie hatte ihn sogar in seiner Freizeit verfolgt. Auch er benötigte dann Hilfe, um sich vor dem aggressiven Stalking zu schützen.

„Das Wichtigste ist, dass wir niemals von uns aus tätig werden. Alles bleibt absolut vertraulich – es wird nur auf Wunsch und in Rücksprache mit den Betroffenen gehandelt“, erklärt die Leiterin des Büros der Frauenbeauftragten ihr Vorgehen. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten einzugreifen. Beratungsstellen außerhalb der Universität können kontaktiert werden und in gravierenden Fällen wird der Betroffenen auch zur Anzeige bei der Polizei geraten. Aber auch die Uni kann disziplinarisch tätig werden und Hausverbot oder einen Platzverweis erteilen.

Bis zu vier Fälle in der Woche

Doch wie viele Studentinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sind an der Universität überhaupt von Belästigung betroffen? Über genaue Zahlen spricht Gisela Kaiser ungern. „Es kommt in Wellen. Manchmal haben wir bis zu vier Fälle in der Woche, manchmal keinen.“ Einiges zu tun hatten sie im vergangenen Sommersemester. „Da hatten wir neun Fälle, in denen Studentinnen von Männern verfolgt wurden.“

Doch wann wird die Hilfe in Anspruch genommen? „Bei vielen, die schließlich den Weg zu uns finden herrscht eine große Hilflosigkeit.“ Da sich viele Betroffene erst trauen, wenn es schier unerträglich für sie wird, schätzt Kaiser, dass es eine hohe Dunkelziffer von Betroffenen gibt. „Das merkt man an krassen Fällen, die sich sehr lange hinziehen und die so lange von den Frauen erduldet wurden, bis diese mit ihrer Kraft am Ende sind.“

Nicht locker genug?

Doch ist man etwa nicht locker genug oder gar verklemmt, wenn man anzügliche Witze oder sexuelle Anspielungen nicht will? Kaiser hat eine klare Antwort: „Was abschätzend oder unangenehm ist, muss man auch so benennen. Deshalb ist man sicher keine Spaßbremse.“

Nicht nur in der Uni, können Frauen Opfer von Belästigungen werden. Auch in der Stadt, auf dem Nachhauseweg oder am Arbeitsplatz passiert das oft. Dr. Zoreh Salali, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würzburg erklärt: „Kein Mensch darf auf seine körperlichen Merkmale reduziert werden.“

„Geiler Arsch“ ist kein Kompliment

Doch genau das passiert oftmals im Alltag – und was für die einen Komplimente sind, sind für die anderen verbale Attacken. Sprüche über den „geilen Arsch“ einer Frau überschreiten Grenzen. „Wenn Frauen ständig auf bestimmte Merkmale reduziert werden, fühlen sie sich unwohl und das ist Belästigung“, klärt die Gleichstellungsbeauftragte auf. Irgendwann können sich diese Frauen nicht mehr frei bewegen, überlegen es sich genau, ob sie einen Rock anziehen oder eben nicht. „Frauen gehen ja auch nicht auf fremde Männer zu und machen eine Bemerkung über deren Körper“, sagt Salali.

Zohra Salali weiß, dass sie nicht pauschal für alle Frauen sprechen kann. Aber sie hat schon mit sehr vielen Frauen gesprochen, die nicht auf ihr Äußeres reduziert werden wollen. Auch zweifelt sie daran, dass Frauen ständig nach Komplimenten von Fremden aus sind: „Es geht um Respekt.“

Frauen sind nicht schuld

Zu beurteilen, wie Frauen am besten reagieren sollen, findet Salali allgemein sehr schwierig. „Frauen tun ja nichts Falsches. Es ist ihre Grenze, die überschritten wird.“ Deshalb findet sie solche Aktionen, wie die von Shoshana Roberts gut. Thematisieren statt Tabuisieren heißt es für sie.

In Würzburg gibt es für Betroffene mehrere Beratungsstellen. „Die Schamgrenze bei Frauen ist oft sehr hoch diese Hilfe anzunehmen. Aber keine Frau braucht sich zu schämen.“ Männer waren bisher noch nicht bei der Gleichstellungsbeauftragten. „Ich weiß nicht, ob ihnen so etwas auch passiert. Darüber gibt es keinerlei Statistik.“ (JSC)

Beratungsstellen

Frauenbeauftragte der Universität Würzburg
Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle
Gisela Kaiser M.A.
Mensagebäude, Am Hubland, Zimmer 117
97074 Würzburg
Tel.: 0931/3184343
E-Mail: frauenbuero@uni-wuerzburg.de

Wildwasser e.V.
Kaiserstraße 31, 97070 Würzburg, E-Mail: info@wildwasserwuerzburg.de
Tel.: 0931 / 13287

Frauen-Notruf / Frauenberatungsstelle der Stadt Würzburg
Tel.: 0931 / 450070

Beauftragter der Polizei für Frauen und Kinder beim Polizeipräsidium Unterfranken
Frankfurter Straße 79, 97082 Würzburg
Tel.: 0931 / 457-1074

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