Historische Präperate eines Würzburger Zoologen

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Würzburg erleben

11. November 2014

Würzburg - Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Würzburg

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Rückkehr nach 100 Jahren

Sie haben eine lange Reise hinter sich: Histologische Präparate des Würzburger Zoologen Theodor Boveri. Vor über 100 Jahren in Würzburg angefertigt, kamen sie Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA. Jetzt sind sie in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt.

Im Kellermagazin des Lehrstuhls für Zell- und Entwicklungsbiologie entdeckt

Es ist keine drei Monate her, dass Professor Ulrich Scheer, Inhaber des Lehrstuhls für Zell- und Entwicklungsbiologie am Biozentrum der Universität Würzburg bis 2007, einen Artikel veröffentlicht hat, in dem er über einen erstaunlichen Fund berichtet. Scheer hatte im Kellermagazin des Lehrstuhls hoch interessante mikroskopische Präparate von Theodor Boveri entdeckt. Dieser leitete von 1893 bis zu seinem Tod im Jahr 1915 das Zoologische Institut der Universität Würzburg. Scheers Veröffentlichung hatte unerwartete Folgen. Hier ist sein Bericht:

„Kurz nach dem Erscheinen meines Artikels über Boveris Centrosomenforschung erhielt ich eine längere E-Mail von dem US-amerikanischen Zellbiologen Joseph Gall von der Carnegie Institution in Baltimore. Er habe die Arbeit mit Interesse gelesen, schrieb Gall und kündigte weiter an, dass er demnächst zu einem Symposium nach Heidelberg kommen werde. Dann folgte die Überraschung: “I would be delighted if you can take the time to come to Heidelberg. As an added inducement, I plan to bring the slides that came from Boveri’s wife, Marcella O’Grady. Although I cherish them for many reasons,…, I think they belong ultimately with the other Boveri material in Würzburg.”

Historisch bedeutsame Präparate

Am 8. Oktober trafen wir uns in Heidelberg, und Joe Gall übergab mir eine kleine Schachtel mit dem wertvollen Inhalt. In der Schachtel befand sich eine Plastikbox mit vier intakten mikroskopischen Präparaten sowie einem Bruchstück. Auf dem Deckel steht geschrieben: ‚Open with CARE. Slides from Th. Boveri. From Mme Boveri, Albertus Ma[gnus]‘. Eines dieser Präparate mit handschriftlichen Notizen Boveris ist besonders interessant.

Es trägt die Beschriftung ‚Alk. Ess. (H), VII‘. Bei den rundlichen Strukturen unter dem Deckglas handelt es sich um Serien-Paraffinschnitte durch die Eiröhren des Spulwurms Ascaris megalocephala, die mit Embryonen in sehr frühen Entwicklungsstadien vollgepackt sind, meistens in der ersten Furchungsteilung. Ascaris war eines der bevorzugten Modellorganismen Boveris, an denen er die Vorgänge der Befruchtung, den Ablauf der Zellteilung und das Verhalten der Chromosomen untersuchte.

Grundlage für Boveris bahnbrechende Monographie

Fixiert wurden die Eiröhren mit einem Gemisch aus Alkohol-Essigsäure (Alk. Ess.); die Färbung der Schnitte erfolgte mit (H). Dieses Kürzel verwandte Boveri für die Hämatoxylinfärbung nach Heidenhain. Die Zahl VII bezeichnete die laufende Nummer einer Serie. Tatsächlich habe ich vor kurzem andere zu dieser Serie gehörige Präparate im Magazin des Lehrstuhls gefunden, mit den Nummern II-VI. Auf dieser Präparateserie beruht ein Teil der bahnbrechenden Monographie Boveris ‚Ueber die Natur der Centrosomen‘, die er 1900 publizierte.

Mustert man das Präparat unter dem Mikroskop durch, kann man leicht Stellen finden, die nahezu identisch mit den von Boveri selbst gezeichneten Abbildungen seiner Centrosomen-Monographie sind. Eine spektakuläre mikroskopische Aufnahme von diesem Präparat wurde von Joe Gall 1996 in seinem Buch „Views of the Cell“ publiziert.

Kleine Glasplättchen mit histologischen Schnitten

Eigentlich sind es nur kleine Glasplättchen mit histologischen Schnitten und einem Aufkleber mit einigen handschriftlichen Daten. Völlig unspektakulär sehen sie aus, und doch haben sie vor über 100 Jahren zum wissenschaftlichen Ruhm nicht nur von Theodor Boveri, sondern der gesamten Universität Würzburg beigetragen. So unscheinbar sie auch sind, so enthalten diese mikroskopischen Präparate dennoch alle Informationen, auf denen Boveri sein Konzept der Centrosomen als die dynamische Zentren und die eigentlichen Teilungsorgane der Zelle stützte. Auch seine Chromosomentheorie der Krebsentstehung basiert auf den Untersuchungen der Centrosomen.

Der Weg der Präparate

Bei unserem Treffen in Heidelberg haben wir versucht, den Weg der Präparate zu rekonstruieren. Joe Gall war 20 Jahre lang, von 1963 bis 1983, ordentlicher Professor für Biologie und molekulare Biophysik an der Yale Universität. Im Jahr 1983 wechselte er an die Carnegie Institution for Science in Baltimore, wo er noch heute aktiv forscht, und erhielt zu seinem Abschied von seinem früheren Doktorvater, Donald F. Poulson, die Präparate.
Poulson, ein Begründer der Entwicklungsgenetik, kam als junger Postdoc 1937 an die Yale. Er wurde dort 1955 zum ordentlichen Professor ernannt, war der erste Leiter des neuen Biologie-Departments, das aus der Fusion von Zoologie und Botanik hervorgegangen war, und blieb in Yale bis zu seiner Emeritierung in 1981. Poulson wiederum erhielt die Präparate im Jahr 1950 von Boveris Frau, Marcella O’Grady.

Der nächste Schritt sollte sein, diese und andere wichtige Präparate Boveris auf einem Online-Portal zugänglich zu machen, zusammen mit Schriftdokumenten und Briefen, die sich im Archiv der Universität befinden.“

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