Würzburger Student ist „Wetten, dass…“- Wettkönig
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Würzburg erleben
11. November 2014

Symbolbild Würzburg
One Direction, Jennifer Lawrence, Conchita Wurst und ein Würzburger
Am Samstagabend kreischten im ZDF viele Teenies für One Direction, bewunderten Jennifer Lawrence und Liam Hemsworth. Und auch Toni Garrn saß neben Conchita Wurst auf der Couch bei „Wetten, dass…“. Aber der Star des Abends war für uns eindeutig der Wettkönig: der 22-jährige Würzburger Student Christian Schäfer überzeugte mit seiner Unterwasser-Memory-Wette das Publikum und gewann 50.000 Euro.
Die Wette
Seine Wette: „Ich wette, dass ich mir 30 Memory-Karten in der richtigen Reihenfolge merken und anschließend einen gemischten Stapel mit den gleichen Bildern unter Wasser wieder in die richtige Reihenfolge bringen kann. Für das Merken und Sortieren bleiben mir insgesamt 3:30 min Zeit.“
Weltmeister im Zahlenwerken
Der Gedächtnissportler aus Netphen (NRW) studiert an der Uni Würzburg Mathematik und Informatik auf Lehramt im sechsten Semester. Zusammen mit seiner Verlobten Annalena Fischer, die ihm bei seiner Wette geholfen hat, trat er schon in diversen Shows auf und stellte sein Gedächtnis auf die Probe. Aktuell ist er Weltmeister im Zahlenmerken: In einer Stunde konnte er sich 2.351 Ziffern merken.
Glückwunsch! Als vorletzter Wettkönig der „Wetten, dass“-Geschichte warst du knapp noch dabei. Hattest du dich schon oft für die Sendung beworben?
Christian: Seit ich im Gedächtnissport aktiv bin, habe ich mich immer wieder einmal mit verschiedenen Gedächtnisideen beworben, die auch in die engere Auswahl gekommen sind. Aber letztendlich hat es für die Show dann doch immer nicht ganz gereicht.
Deine Wette, mit der du gewonnen hast, war sehr speziell. Wie bist du darauf gekommen?
Christian: Da ich aus dem Gedächtnissport komme, habe ich immer wieder versucht eine Möglichkeit zu finden Gedächtnisleistung mit körperlicher Leistung in Verbindung zu bringen. Mit dem Luft anhalten war das eine gute Kombination – die ja scheinbar auch gut angekommen ist.
Wie lange hast du für die Wette trainiert?
Christian: Seit Juli, aber wenn ich für Gedächtnismeisterschaften trainiere, übe ich automatisch mir Sachen zu merken. Ich mache auch Ausdauersportarten, wie Radfahren oder Skilanglauf. Das war für die Wette ganz hilfreich.
Du hast zwei Minuten lang die Luft angehalten und unter Wasser deine Merkleistung abgerufen – wo hast du dafür trainiert? In der Badewanne?
Christian: Das war schwierig, weil ich zu Hause keinen Wassertank stehen habe. Ich habe in einen Duschvorhang 30 Fächer gebastelt, die durchnummeriert und ihn daheim an die Wand gehängt. Da habe ich mich dann davor gestellt und die Luft angehalten. Das kam der Wette zumindest ein bisschen nah. Wir sind auch im Schwimmbad gewesen und haben den Vorhang im Wasser versenkt, das ging ganz gut zu trainieren. In der Show war es wieder anders, weil es größer war. Im Wassertank musste ich mich hin- und herbewegen. Aber in den Proben konnte ich mich daran gewöhnen.
Was war schwerer: sich die Karten zu merken oder so lange die Luft anzuhalten?
Christian: Die Luft anzuhalten war schwieriger. Die Reihenfolge der Bilder habe ich zur Sicherheit noch einmal wiederholt. Aber ich wusste im Vorfeld nicht, wie nervös ich sein werde. Je schneller das Herz schlägt, desto mehr Sauerstoff brauche ich. Deshalb war es meine größte Sorge, wie lange ich es schaffe die Luft anzuhalten.
http://youtu.be/ky0mJQP12fo
Bei den letzten beiden Karten hast du noch einmal überlegt. Wusstest du es nicht mehr?
Christian: In dem Moment wollte ich sicher gehen, dass ich nicht am Schluss noch einen blöden Fehler mache. Ich habe erst hinterher erfahren, dass nur noch zwei Sekunden übrig waren. Von der Dramaturgie war es perfekt, dass es genau auf die Sekunde gepasst hat.
Hast du damit gerechnet, dass du Wettkönig wirst?
Christian: Das hätte ich nicht gedacht. Die QR-Code-Wette war ja auch eine Gedächtnisleistung und ich habe befürchtet, dass wir uns gegenseitig die Stimmen wegnehmen. Den Baggerfahrer habe ich stark eingeschätzt, der ja auch nur knapp hinter mir lag. Es war wahrscheinlich mein Glück, dass er seine Wette nicht geschafft hatte.
Als Wettkönig hast du 50.000 Euro gewonnen. Wann steigt die Party?
Christian: Wir haben direkt nach der Show am Samstagabend mit den mitgereisten Freunden und Familienmitgliedern ein bisschen gefeiert. Schade war, dass es keine Aftershow-Party gab. Nächstes Wochenende werden wir noch einmal mit unseren Familien feiern. Aber wir müssen das erst einmal sacken lassen – und können den Gewinn hoffentlich dann richtig genießen.
Mit dem Geld wollt Ihr eure Hochzeit bezahlen?
Christian: Mit einem Teil, so teuer soll die Hochzeit dann doch nicht werden. Der Rest ist für unser weiteres Studium.
„Das Superhirn“, der ZDF-Fernsehgarten oder eine chinesische Guiness-Show. Du warst schon oft im TV. War der Auftritt bei „Wetten, dass“ Routine oder etwas Besonderes?
Christian: Natürlich etwas Besonderes. Die Show gibt es schon mein ganzes Leben lang. Das hatte eine persönliche Bedeutung für mich. Zudem war es eine volle Halle mit 2000 Menschen – das war schon eine andere Hausnummer.
Hast du dich mit den Stars unterhalten können?
Christian: Leider fast gar nicht, weil sie abgeschirmt waren. Das war schade. Hinterher habe ich mich noch mit Eckart von Hirschhausen unterhalten, der meine Wette gut gepusht hatte, indem er betonte, wie schwierig es ist die Luft anzuhalten und dabei die Merkleistung zu vollbringen. Das war cool von ihm. Mit den anderen Stars, inklusive meiner Wettpatin Conchita Wurst, habe ich leider außerhalb der Show nichts zu tun gehabt.
Welche Stars hättest du denn gerne kennen gelernt?
Christian: Ich hätte sehr gerne mit Jennifer Lawrence und Liam Hemsworth, den Darstellern von den Tributen von Panem gesprochen, weil ich ein Fan der Filme bin und die Bücher zum Teil gelesen habe. Wir haben sie hinter der Bühne gesehen als sie an uns vorbei gelaufen sind. Ein Gespräch hat sich aber nicht ergeben.
Wie war Moderator Markus Lanz?
Christian: Sehr nett. Mit ihm konnten wir uns auch in den Proben länger unterhalten.
Du bist ein erfolgreicher Gedächtnissportler. Was ist das eigentlich?
Christian: Beim Gedächtnissport muss man sich in einer bestimmten Zeit möglichst viele Informationen merken. Es gibt auch Gedächtnismeisterschaften, wie beispielsweise die Süddeutsche oder die Deutsche Meisterschaft. Auf internationaler Ebene gibt es auch viele verschiedene Turniere und die Gedächtnisweltmeisterschaft. Eine Meisterschaft besteht in der Regel aus zehn Disziplinen. Dazu gehören das Merken von Zahlen, Wörtern, historischen Daten, Spielkarten oder Namen und Gesichter. Da das Zuschauen nicht so spannend ist, gibt es neuere Formate. Bei diesen geht es zum Beispiel darum, wer sich im Duell schneller eine Reihe von Zahlen einprägen kann.
Wie bist du auf den Gedächtnissport gekommen?
Christian: Ich habe im Fernsehen einen Bericht über den damaligen Kinderweltmeister gesehen. Was er sich merken konnte, war sehr beeindruckend. Ich habe mir gedacht, wenn der das kann, kann das nicht so schwer sein. Ich habe mir dann ein Buch gekauft und für Wettbewerbe trainiert. Es ist wirklich einfacher als man denkt. Und es macht Spaß sich mit anderen zu messen, vor allem wenn man viel trainiert und man vorne mit dabei ist.
Du bastelst Geschichten, um dir etwas zu merken. Welche steckte hinter deiner Wette?
Christian: Es war eine sogenannte Route. Ich bin im Kopf eine Strecke im Schwimmbad abgegangen. Im Vorfeld hatte ich mir 30 Orte überlegt, wo ich die verschiedenen Bilder ablegen werde. Der erste Ort war die Eingangstür, durch die ich gegangen bin. Da das erste Bild ein Buch war, habe ich mir vorgestellt, wie jemand ein Buch lesend hereinkommt und gegen die Tür donnert. Neben der Tür stand ein Getränkeautomat und das zweite Bild war ein Bierglas – ich habe mir passenderweise vorgestellt, wie sich das jemand dort nimmt. Es ging dann weiter in Richtung Kassenhäuschen. Das dritte Bild war eine Keule. Also habe ich mir überlegt, wie jemand mit einer Keule das Kassenhäuschen zertrümmert. So bin ich die 30 Orte abgelaufen und habe die Bilder mit diesen kombiniert.
Und das hast du dir in 1:30 Minute gemerkt.
Christian: Genau, ich hatte im Vorfeld die Orte durchnummeriert, dass ich die Bilder den Zahlen zuordnen konnte. Wenn ich erst die Bilder unter Wasser hätte reihen müssen, hätte mich das noch einmal eine halbe Minute gekostet. Aber so war es natürlich schwerer.
Es hat sich ja gelohnt. Noch einmal: Glückwunsch zum Wettkönig!
Christian: Dankeschön an alle, die für mich angerufen haben und mitgefiebert haben. Ich hatte ja nur drei Prozent Vorsprung. Das war eng! Da hat jede Stimme gezählt. Wenn die vielen Würzburger nicht für mich angerufen hätten, hätte es vielleicht nicht gereicht.
Wir danken Christian für das tolle Interview in unserer Redaktion, wir waren richtig fasziniert von seinen Künsten! Wenn Ihr mehr über Christians Künste erfahren wollt, dann schaut doch mal auf seiner Webseite vorbei.
Nun kommt „Wetten, dass…?“ in letzter Zeit leider nicht mehr so gut beim Publikum an, die letzte Sendung war sogar die vorletzte, bevor die, ehemals extrem beliebte, Show ganz abgesetzt wird. Und auch die Amerikaner scheinen die Sendung wohl eher eigenartig zu finden…
http://youtu.be/QWx5KWWGFN4

