Kultmoped in Elektroroller umgewandelt
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Würzburg erleben
17. November 2014

Symbolbild Würzburg
E-Schwalbe
Der Wirtschaftsingenieurwesen-Diplomand Thorsten Schmutz hat die werbende Aussage der „Schwalbe“, dem DDR-Kultmoped, es fahre „wie von selbst“, aktualisiert umgewandelt: Den historischen Zweitaktmotor mit einer nicht umweltverträglichen und emissionshaltigen Technologie entfernte er und entwickelte ihn als E-Schwalbe mit einem Elektroantrieb.
Finanziert durch den FH-Förderpreis
Finanziell ermöglicht wurde diese außergewöhnliche Diplomarbeit, der „Bau eines Elektrorollers bei besonderer Beachtung des Produktdatenmanagements“ an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, durch den „FH-Förderpreis der Mainfränkischen Wirtschaft“, eine mit 2.000 Euro dotierte Förderung der IHK-Stiftung, die der betreuende Professor Dr. Christoph Bunsen entgegennahm. Außerdem stellte die Modellstadt Elektromobilität Bad Neustadt (M-E-NES) weitere 1.000 Euro zur Verfügung.
Schnelle Beschleunigung und geräuscharme Fortbewegung
Im Dezember erhält nun die nicht mehr blaue, sondern dank des Unternehmens Warema Renkhoff SE neu kunststoffbeschichtete, FHWS-orangefarbene E-Schwalbe, in Suhl eine Prototypen-Zulassung und wird als Erprobungsfahrzeug haftpflichtversichert. Das maschinelle Upgrade ermöglicht den Fahrern künftig ein komfortables, geräuscharmes Fortkommen mit einer schnellen Beschleunigung ohne Schaltunterbrechungen. Der Motor ist nun mit Hilfe des Steuergerätes gedrosselt auf eine Leistung von 2,5 Kilowatt, was die gesetzlich begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern zulässt.
Akkukapazität für 50 Kilometer
Die Beschleunigung des Fahrzeuges ist allerdings „gigantisch“, weil das maximale Drehmoment des Motors sofort beim Anfahren zur Verfügung steht. Die Akkukapazität ist ausgelegt auf eine berechnete Reichweite von 50 Kilometern, wobei in der Praxis die Reichweite durchaus größer sein kann. Um das zu ermitteln, sind jedoch noch ausgiebige Tests erforderlich. Das Gewicht der E-Schwalbe liegt bei 88 Kilo, die Ladezeit beträgt 2,5 Stunden an einer normalen 230 Volt-Steckdose.
Berücksichtigte Aspekte
Berücksichtigt wurden bei dem Umbau des alten Rollers vor allem drei Aspekte: Nach dem Ausbau des bisherigen Motors wurde der Elektro-Antrieb, der eingebaut werden sollte, überdacht: Welche Anforderungen werden an das Fahrzeug gestellt, wie kann man sie raumnutzend sinnvoll einbauen, welche Kosten fallen für die neuen Elemente an, wo kann der Akku untergebracht werden, wo und wie Steuergerät und Bordcomputer. Darüber hinaus musste die Frage geklärt werden, wie die Kraftübertragung zum Hinterrad erfolgen soll, wie die Peripherie (Blinker, Hupe, Licht) angebunden wird, wie Lieferzeiten für notwendige Komponenten überbrückt werden konnten.
Dokumentation der Arbeit für Ingenieure und Konstrukteure
Begleitend zum Abschluss der Diplomarbeit pflegte Thorsten Schmutz die erhobenen Daten seines anspruchsvollen Konstruktionsprojekts u.a. mit Angaben zu den Anforderungslisten, den Zulassungsbedingungen und Vorschriften, der technischen Dokumentation und den CAD- Modellen in ein Datenmanagement-Programm ein, um seine Arbeit nachvollziehbar für Ingenieure und Konstrukteure zu dokumentieren.
Zur „Schwalbe“
Die im früheren Thüringer Volkseigenen Betrieb VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Simson Suhl hergestellten Kleinkrafträder der Baujahre 1964 bis 1975 (die „Schwalbe“ bis 1986) erhielten zusätzlich zur offiziellen Typbezeichnung Vogelnamen (Spatz, Star, Sperber, Habicht, Albatros).
Pressemitteilung der FHWS

